Wenn der Sommer Sorgen macht

Klimagefühle ernst nehmen und Kraft daraus schöpfen

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10. Oktober 2026 von Lillia Seifert

Hitzewelle, Waldbrände, schlaflose Nächte: Der Sommer 2026 hat viele Menschen auch seelisch gefordert. Warum Sorge, Trauer und Wut angesichts der Klimakrise normal sind und was dir in dieser Zeit guttun kann.

Der Sommer 2026 hat viele von uns erschöpft. Nach der historischen Hitzewelle im Frühsommer kamen Waldbrände, Rauch und Hitzenächte. Vielleicht kennst du das: Du liest die Nachrichten und spürst einen Kloß im Hals. Oder du liegst nachts wach und fragst dich, in was für einer Welt die Kinder aufwachsen.

Du bist damit nicht allein

Laut DAK-Hitzereport vom Juli 2026 berichtet fast jede:r Dritte von gesundheitlichen Beschwerden durch hohe Temperaturen. Knapp zwei Drittel machen sich zudem große Sorgen vor Extremwetter. Auch die Psyche leidet: Eine Untersuchung der Unikliniken Magdeburg und Heidelberg fand, dass das Wohlbefinden schon ab 25 Grad abnimmt. Eine Meta-Studie im Fachjournal Nature Health zeigt außerdem, dass nach Hitzewellen häufiger Menschen wegen psychischer Störungen ins Krankenhaus kommen.

Angst, Trauer, Wut: gesunde Antworten auf reale Veränderungen

„Klimaangst“ ist keine Diagnose, sondern ein psychologisches Phänomen. Die Angst gilt einer tatsächlich bestehenden Bedrohung. Die Psychotherapeutinnen Lea Dohm und Mareike Schulze bezeichnen Angst, Trauer und Wut als normale, gesunde Reaktionen, die im Sinne des Klimaschutzes sogar notwendig sind. Nur bei wenigen Menschen entwickelt sich daraus eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Was dir guttun kann

  • Gefühle benennen statt wegschieben. Schreibe auf oder erzähle jemandem, was dich bewegt: Sorge, Trauer, Zorn, Ohnmacht. Hilfreiche Anregungen findest du in unserem Beitrag Achtsames Schreiben.
  • Raus in die Natur. In der Fachliteratur gilt Naturerleben als Resilienzfaktor für die psychische Gesundheit. Ein Spaziergang unter Bäumen oder ein Stück Garten sind mehr als Erholung. Mehr zum Thema: Bewegtes Leben – Ganz in Bewegung.
  • Nachrichten dosieren. Feste Zeiten statt Dauerschleife.
  • Gemeinsam handeln. Eine Umfrage unter Studierenden fand: Je stärker die Klimaangst, desto höher die Motivation für Klimaschutz. Ob Nachbarschaftsgarten, Baumpatenschaft oder Repair-Café: Im Kleinen wirksam zu sein, lindert Ohnmacht. Und Gemeinschaft tut gut, siehe Allein sein, ohne einsam zu sein.
  • Hitzenächte ernst nehmen. Wer schlecht schläft, wird verletzlicher. Kühle Wickel, Lüften in den Morgenstunden und Ruhepausen helfen. Ideen dazu bieten der WochenTipp: Kneipp-Güsse und die Serie Sommerzeit: heiß & nice.

Wann Unterstützung sinnvoll ist

Wenn Sorgen dich dauerhaft am Schlafen, Arbeiten oder Leben hindern, such dir Hilfe, zum Beispiel bei Hausärzt:in, Psychotherapeut:in oder Heilpraktiker:in für Psychotherapie. Passende Anbieter:innen findest du im Heilnetz-Verzeichnis, Kurse und Vorträge in den Heilnetz-Terminen. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

Ein Gedanke zum Schluss

Dass uns das Schicksal der Erde berührt, zeigt, wie verbunden wir mit ihr sind. Aus dieser Verbundenheit kann Kraft wachsen.

Quellen:
    • Forschung & Lehre: Der Einfluss von Hitze auf das menschliche Wohlbefinden (30.07.2026) (DAK-Hitzereport, Studie Magdeburg/Heidelberg, Nature Health)
    • quarks: Darum müssen wir über Klimaangst sprechen (Dohm/Schulze)
    • HelloBetter: Klimaangst, was hilft? (keine Diagnose)
    • mkk – meine krankenkasse: Studie Klimaangst unter Studierenden
    • Springer: Umwelt, Klima und psychische Gesundheit (2026) (Naturerleben als Resilienzfaktor)

Ein Artikel von
Lillia Seifert