Was bedeutet Ostern heute?

Glaube oder Zugehörigkeit?

26. März 2024 von Lillia Seifert

Ostern steht vor der Tür. Wie jedes Jahr sind die Supermärkte bereits seit Wochen mit Schokoladeneiern und Osterdekorationen gefüllt. Doch während wir uns auf das Feiern und Zusammenkommen freuen, drängt sich eine Frage auf: Wie viele von uns praktizieren tatsächlich noch die religiösen Bräuche dieses Festes?

Kindheitserinnerungen an Ostern

In meiner Familie war Ostern immer eine Gelegenheit, zusammenzukommen. Schon Tage im Voraus konnte ich vor Aufregung kaum stillsitzen, in freudiger Erwartung des Osterhasen, der die Gärten mit Schokoladeneiern und kleinen Überraschungen füllen würde.

Als dann endlich der Morgen des Ostersonntags anbrach und meine Mutter das Startsignal gab, stürzte ich hinaus mit meinem Körbchen bewaffnet, um sofort mit der Suche zu beginnen. Die bunten Ostereier waren überall versteckt – unter Blumen, hinter Büschen und sogar in den Ästen der Bäume.

"Schau, ich habe eins gefunden!" rief ich aufgeregt und hielt ein glitzerndes Ei in der Hand. Nachdem ich alle Eier gefunden hatte, kehrte ich zurück ins Haus, um meine Schätze zu betrachten. Beim Öffnen der Ostereier entdeckte ich Schokolade in allen Formen und Farben. Ostern war ein magisches Fest, das ich jedes Jahr mit Spannung erwartete.

Doch nun, da ich erwachsen bin, betrachte ich das Ganze nicht mehr aus der unbeschwerten Sicht eines Kindes. Die Supermärkte sind überfüllt mit Osterdekorationen, von bunten Eiern bis hin zu Hasenfiguren und Osterkränzen. Es scheint fast so, als würde Ostern zu einem zweiten Weihnachten werden, zu einer Zeit des Konsums und Schenkens. Doch ist das der wahre Sinn des Festes?

Ostern ist mehr als nur ein Fest des Schenkens und Suchens, es hat eine tiefgreifende religiöse Bedeutung. In der christlichen Tradition wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert – als Symbol für neues Leben, Hoffnung und Erlösung.

Konsumkultur und ihre Schattenseiten

In einem interessanten Aufsatz von Forschern aus Helsinki wird argumentiert, dass der Konsumismus fast so etwas wie eine implizite Religion geworden ist. Konsumgewohnheiten sind zu einer Art Sinnfindung in der modernen Gesellschaft geworden. Mit anderen Worten: Konsum wird immer wichtiger und wirkt wie eine Ersatzreligion, weil Marketingstrategien unsere tiefen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Identität ansprechen. Da traditionelle soziale Gruppen wie Familie und Kirche an Bedeutung verlieren, suchen Menschen im Konsum nach neuen Gemeinschaften und Identitäten. Das führt zu einem kultähnlichen Trend, der jedoch nicht die gleiche spirituelle Tiefe hat.Formularbeginn
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Dieser Wandel hat viele Schattenseiten, nicht nur auf individueller Ebene. Jedes Jahr werden Tonnen von Verpackungsmüll durch Ostereier und Osterkarten produziert – ein enormer Beitrag zur Umweltverschmutzung.

Wiederentdeckung des Wesentlichen

Vielleicht ist es an der Zeit, die wahre Bedeutung von Ostern wiederzuentdecken, – nicht im Konsum, sondern im Zusammenkommen und Feiern von Gemeinschaft und Familie. Unabhängig von der religiösen Bedeutung ist Ostern ein Anlass, zu dem wir uns Wärme, Geborgenheit und Hoffnung schenken und füreinander da sein können.
Vielleicht sollten wir uns bewusst machen, dass es beim Feiern von Ostern nicht darum geht, wie viele Schokoladeneier wir bekommen, sondern wie wir die Feiertage mit unseren Liebsten verbringen.
Und damit wir dennoch den magischen Zauber in den Augen der Kinder zu Ostern bewahren können, hier unsere Heilnetz-Tipps für ein bewusstes Osterfest.

Tipps für ein nachhaltiges Osterfest

  1. Ostereierjagd zu Hause: Es muss nicht immer Ei sein. Und wenn doch: Verstecke bemalte Eier aus ökologischer Landwirtschaft in deiner Wohnung oder im Garten für eine nachhaltige Alternative zu gekauften Schokoladeneiern. Oder recycle dein Papier bastle deine eigenen Origami-Eier.
  2. Selbstgemachte Leckereien: Backe deine eigenen Osterspezialitäten wie vegane Kreuzbrötchen oder Oster-Brownies. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch eine bewusstere Alternative zu gekauften Produkten.
  3. Spiele und Aktivitäten: Verbringe Zeit mit deiner Familie und spielt gemeinsam Spiele, schaut einen schönen Film oder bastelt gemeinsam Figuren zum Motto „Ostern.“
  4. Bewusster Konsum: Frage dich, ob du das kaufen musst, was die Werbung suggeriert. Priorisiere Produkte mit umweltfreundlicher Verpackung und überlege dir bewusst, ob du bestimmte Dinge wirklich brauchst.

Ein Artikel von
Lillia Seifert