Zahlen gefällig?

Schadensfälle bei Heilpraktikern!

Zahlen gefällig?
Foto: Lizenzfrei von Pixabay

von Gastbeitrag

Glaubt man Gegnern der Heilpraktiker, wie dem „Münsteraner Kreis“ oder der ehemaligen Homöopathie-Ärztin Dr. Natalie Grams (inzwischen wohl hauptberuflich für einen Abmahnverein tätig), dann ist die Gesundheit der Deutschen gefährdet – durch Heilpraktiker. Und nur die Vertreter der EBM (Evidenz basierte Medizin) stehen noch dem Untergang des Abendlandes durch Aberglauben und Quacksalberei entgegen.

Uups, das klingt besorgniserregend und da fragt man sich natürlich, auf welcher Datenbasis solche Vorwürfe erhoben werden.

Was Versicherungen dazu sagen...

Eine gute Quelle für Schadensstatistiken sind dabei Versicherungen, denn die müssen Schäden im Zweifel bezahlen. Da alle Heilpraktiker eine Berufshaftpflichtversicherung haben müssen, müssten also auch alle Schadensfälle bei den Versicherungen aufgezeichnet sein.

Kollegen haben einmal nachgefragt:
Im Jahre 2007 erfasste das Bundesamt für Statistik 20.000 der damals praktizierenden Heilpraktiker. Hochgerechnet auf die aktuelle Zahl von 40.000 HPs ergibt sich aufgrund dieser Daten folgendes Bild:

Pro Jahr führen Heilpraktiker 30 Millionen Behandlungen (Patientenkontakte) durch. Bei 250 Arbeitstagen/Jahr sind das 120.000 Patienten pro Tag insgesamt. Dabei hat man eher niedrig geschätzt mit 3 Konsultationen pro Tag und HP, weil viele Heilpraktiker einen Zweit- oder Erstberuf haben, den sie aus finanziellen Gründen auch beibehalten (müssen). Fehler gibt es überall, aber wie sieht es da bei den Heilpraktikern aus?

Zwei Versicherungsagenturen, die zum Thema „Schäden durch Heilpraktiker“ befragt wurden, äußerten sich wie folgt (namentlich bekannt):

Agentur A: „Wir betreuen seit 1979 zwischen 1.500 und 2.000 Heilpraktikern in Sachen Berufshaftpflicht. In dieser Zeit gab es zwei Schadensfälle.“

Agentur B: „Seit 12 Jahren betreuen wir 300 Heilpraktiker mit ihrer Berufshaftpflichtversicherung. In dieser Zeit gab es keinen Schadensfall.“

Anmerkung:
Im letzten Jahr gab es einen großen Skandal (wenn man das Medienecho als Maßstab nimmt): Ein Heilpraktiker in Brügge hatte Krebspatienten, die als austherapiert(!) von der Schulmedizin zum Sterben nach Hause geschickt wurden, eine experimentelle Substanz – die auch von amerikanischen Ärzten in der biologischen Krebstherapie eingesetzt wird – verabreicht. Dieser Wirkstoff hatte in kleineren Studien eine günstige Wirkung auch bei fortgeschrittenem Krebs gezeigt. Insgesamt sollen es 80 Patienten gewesen sein, die damit von dem Kollegen behandelt wurden. Dabei kam es - wahrscheinlich in Folge eines Wiegefehlers - zu einer Überdosierung, die vermutlich ursächlich für den Tod von 3 Patienten war. Daraufhin forderte die Ärzteschaft – und viele Medien – die Abschaffung des Heilpraktikerberufs, weil er eine Gefahr für die Patienten darstelle. Dies war allerdings der einzige belegte Schadensfall durch Heilpraktiker im Jahr 2019.

Das also ist die Gefährdung der Volksgesundheit durch Heilpraktiker..?

Noch mehr Zahlen: Wer verursacht was?

Wenn wir schon mal dabei sind, Zahlen zu sammeln, dann schauen wir doch mal nach, was die „wissenschaftliche Medizin“ in Sachen Schadensfälle so leistet.

Aktuelle Schätzungen zeigen, dass pro Jahr (!) 19.000 Menschen an iatrogenen Ursachen im Krankenhaus sterben. Was so „gebildet“ klingt ist nur ein anderes Wort für ärztliche Fehler.
Quelle: https://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/krankenhaus-studie-19-000-tote-pro-jahr-durch-behandlungsfehler-a-944745.html

Laut Prof. Fröhlich (Universität Hannover) sterben pro Jahr 58.000 Menschen (Stand 2003) an den Nebenwirkungen ihrer Medikamente (1). Etwa 600.000 Menschen (Stand 2019)* infizieren sich im Krankenhaus mit resistenten Keimen (so genannte nosokomiale Infektionen) – und etwa 16.000 sterben daran (2). Pro Jahr… Quelle: (1) Internist 2003;44:889-95.
(2) https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2019/14_2019.html

Zum Vergleich: Im Straßenverkehr sterben pro Jahr ca. 3.500 Menschen.

Ein aktuelle Untersuchung in den USA kam zu dem Ergebnis, dass „medizinische Irrtümer“ inzwischen die dritthäufigste Todesursache nach Herzinfarkten und Krebs sind. Es ist davon auszugehen, dass das bei uns auch nicht anders aussieht: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66550/US-Studie-Medizinische-Irrtuemer-dritthaeufigste-Todesursache

Wo bleibt der Aufschrei in den Medien angesichts dieser Zahlen? Nun, die haben vermutlich keine Zeit dafür, weil sie ja die „gefährlichen Heilpraktiker“ jagen müssen…

Bild: Rudolf Hege

Der Autor: Heilpraktiker Rudolf Hege

Rudolf Hege
Heilpraktiker

Biologische Behandlung von Schmerzen- und Gelenkerkrankungen, Allergien und Hauterkrankungen, chronischen und psychosomatischen, Erkrankungen. Anti-Aging-Vorsorge

www.heilpraxis-hege.de

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