Positive Psychologie, das „Stehaufmännchen-Prinzip“

Was macht stark und das Leben lebenswert?

Positive Psychologie, das „Stehaufmännchen-Prinzip“
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von Walter Hönig, psychologischer Berater und Beziehungstrainer

„Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird“ (Winston Churchill)

Unsere modernen Lebensumstände führen ständig dazu, wichtige Entscheidungen zu treffen oder schwierige Veränderungsprozesse bewältigen zu müssen. Der Leistungsdruck in der Gesellschaft steigt und führt nicht wenige Menschen an die Grenzen Ihrer Möglichkeiten. Ängste, Burnout, Frustration, Niedergeschlagenheit, Selbstherabsetzung und Überforderung, sind oft die Folge - Es kommt zur Lebenskrise.
Aber dazu muss es nicht kommen. Wir können etwas dagegen tun!

Resilienz heisst das Zauberwort, wenn es um die Fähigkeit geht, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern durch die Bewältigung der Krise, sein seelisches Immunsystem zu stärken, um auch künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Man bezeichnet die Widerstandskraft auch gerne als das „Stehaufmännchen-Prinzip“. Die dazu erforderliche Grundhaltung besteht aus sieben Fähigkeiten die da sind:

  • Akzeptanz im Sinne von mehr Frustrationstoleranz
  • an sich selbst glauben, sich selbst motivieren, aufheitern oder beruhigen
  • lösungsfokussierte Herangehensweise in kleinen Schritten
  • optimistisch bleiben, d.h. sich auf das Positive im Leben zu konzentrieren, ohne dabei das Negative aus dem Blick zu verlieren
  • Verantwortung übernehmen und die Opferrolle verlassen
  • Wertschätzende Beziehungen pflegen und gestalten
  • Zukunft aktiv gestalten und sich an den eigenen Werten orientierte Ziele setzen

Und diese Fähigkeiten kann man lernen oder besser gesagt trainieren, indem man sich seiner Stärken, aber auch seiner Schwächen und somit den darin steckenden Entwicklungspotentialen (Ressourcen) bewusst wird.

Nutzen Sie die Erkenntnisse der Positiven Psychologie und lernen Sie die Theorie des Wohlbefindens und die dazu gehörenden praktischen Übungen von Prof. Dr. Martin Seligman kennen. Die Positive Psychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die seit 1998 unter diesem Namen an vielen Universitäten auf der ganzen Welt etabliert ist. Sie arbeitet zukunftsorientiert, d.h. präventiv und beschäftigt sich u.a. mit der Erforschung positiver Gefühle und positiver Persönlichkeitsaspekte, wie Durchhaltevermögen, Hoffnung, Mut, Optimismus, Soziale Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und Zukunftsorientierung.

Beispielhaft ist das Trainingsprogramm zum gelernten Optimismus. Dabei lernt man nicht nur sein Katastrophen denken zu erkennen, sondern dass man es auch verändern kann. Dieses Training hat sich als ausserordentlich wirksam erwiesen. Optimismus schützt davor, dass man sich als Opfer fühlt.

Was passiert dabei in unserem Gehirn?

Unser Glückszentrum wird aktiviert. Wenn etwas passiert, dass besser ist als erwartet, wir sozusagen positiv überrascht werden, dann produzieren die Neuronen, so nennt man die Gehirnzellen, den Botenstoff Dopamin, der dann vom Mittelhirn in den Nucleus accumbens, im unteren Vorderhirn und schliesslich ins Frontalhirn weiter geleitet wird. Im Nucleus accumbens produzieren die Neuronen zusätzlich noch einen opiumähnlichen Stoff, das Glückhormon Endorphin. Das macht dann dem Frontalhirn so richtig Spass…

Aber kann man Wohlbefinden trainieren?

Ja, so wie ein Sportler seine Muskeln trainieren kann, so können wir auch unser Gehirn trainieren. Irrationale, negative, selbstschädigende und nicht zielführende Gedanken können wir erkennen, um dann mit Hilfe einfacher, regelmässig angewendeter Übungen unser Fühlen durch Neuverknüpfungen in unserem neuronalen Netzwerk zu verändern.

Prof. Dr. Martin Seligman, der Begründer der Positiven Psychologie, stellte sich schon in den 90er Jahren die Frage, was den Menschen auch in schwierigen Zeiten gesund, stark und widerstandsfähig macht und empfiehlt, das Leben aktiv zu gestalten, an sich zu arbeiten und neue Verhaltensweisen zu erproben.

Er entwickelte praktische Übungen und wirksame Methoden, die unsere Lebenszufriedenheit fördern und zu einem gelingenden Leben führen. Laut Seligman beruht unser Wohlbefinden auf 5 Säulen, die er PERMA nennt:

P = Positive Emotionen oder Gefühle

Das Erleben und bewusste Wahrnehmen positiver Gefühle wie Dankbarkeit, Freude, Genuss, Zufriedenheit oder Zuneigung sind wichtig für unser Wohlbefinden. Oft sind wir uns gar nicht bewusst, wieviel positives Erlebnis wir täglich haben. Mein Tipp dazu:

Ein Glückstagebuch! - Das Niederschreiben von 2-3 positiven emotionalen Erlebnissen pro Tag, wirkt wahre Wunder. Schon nach 30 Tagen werden Sie spüren, dass sich in Ihrer Wahrnehmung etwas zum positiven verändert hat.

E = Engagement (Begeisterung)

Haben Sie schon mal erlebt, dass Sie in einer Tätigkeit so vertieft aufgegangen sind, dass Sie alles um sich herum vergessen haben? Dieser Zustand wird als Flow-Erleben bezeichnet. Mit Hilfe einer Naturell-Analyse kann man dazu nicht nur die jeweils bevorzugten Lebensbereiche und Leidenschaften, sondern auch das jeweilige Entwicklungspotential gut erkennen.

R = Relationship (Beziehungen pflegen)

Wenn wir die Erfahrung machen, mit anderen Menschen verbunden zu sein und uns gegenseitig aufeinander verlassen können, verschafft uns das ein großes Glücksgefühl. Das gilt nicht nur für die klassische Paarbeziehung, sondern auch für das Miteinander in der Familie, im Freundeskreis oder im Team. Wie gute Beziehungen gelingen und stärker werden, beschreibt das "Gordon Modell" aus der Humanistischen Psychologie.

M = Meaning (Sinnhaftigkeit)

„Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“ (Tommaso Campanella)

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Wohlbefinden ist, wenn wir unsere Stärken und Fähigkeiten zu einem höheren Zweck einsetzen. Wenn wir darin die Sinnhaftigkeit erkennen und erleben, geben wir auch gleichzeitig unserem Leben eine Bedeutung.

A = Accomplishment (Zielerreichung)

Sich selbst explizit Ziele im Leben setzen, zukunftsorientiert handeln, eigene Ziele erreichen – das alles führt nicht nur zu einer Stärkung der Selbstwertgefühls, sondern steigert auch unser Wohlbefinden. Wenn wir erleben, dass wir unseres eigenen Glückes Schmied sind, dass wir mit Eigenverantwortung weiterkommen, dann fördert das unsere Lebenszufriedenheit.

Autor: Walter Hönig, psychologischer Berater und Beziehungstrainer

Ein Artikel von Walter Hönig

Motivationstrainer und Life-Coach

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