Ein Geschenk für Liebende

 

Liebe statt Sex? Liebe und Sex!

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von Conny Dollbaum-Paulsen

Sex ist überall: Auf Plakaten, im Internet, in Zeitschriften für Männer wie für Frauen – Sex verkauft sich gut und Sex beschäftigt die Gemüter von der Pubertät bis ins Seniorenalter. Unsere Köpfe sind randvoll mit Konzepten und Regeln zum Thema „Guter Sex“ und Männer wie Frauen geben ihr Bestes, diesen Regeln zu folgen - nur glücklich macht es über die erste Verliebtheit hinaus die wenigsten.

Im Innen führen diese Bilder dazu, dass die meisten Menschen zwar in der Tiefe ihrer Seele ahnen, dass Sex mehr ist als das allgegenwärtige Leistungs-Ekstase-Superorgasmus-Spiel, es aber meist bei dieser Ahnung bleibt, weil es sozusagen keine Bilder gibt, wie es anders sein könnte.

 

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Der Film Slow Sex der Sexualtherapeutin und Lehrerin für strukturelle Körperarbeit Diana Richardson bestätigt das auf eindrucksvolle Art und Weise: Paare berichten von ihrer Sehnsucht nach Nähe und Erfüllung und davon, wie sehr sie sich angestrengt haben, einander gute LiebhaberInnen zu sein – und wie sie schon allein deshalb scheiterten, weil dem Sex so alle Leichtigkeit abhanden kam. Aus dem Liebesspiel wurde im Laufe der Jahre häufig eine Liebespflicht, eine Leistung mit Zielvorgabe Orgasmus, die zu erbringen in jede Beziehung gehört und die in vielen Fällen zu einer Belastung wurde.

Alle Paare hatten das gleiche Problem: Sie suchten die Fehler bei sich, beim Partner, bei den Umständen, aber nie dort, wo die Ursache eigentlich lag: in ihrer Art und Weise, Liebe zu machen.

Sie hatten diese Idee nicht, weil das Wissen über Sexualität sich meist darauf beschränkt, erogene Zonen und Lust verheißende Stellungen zu kennen. Dass Sex aber tatsächlich Liebe machen bedeutet und dass Liebe machen vor allem auch heißt, sich selbst körperlich, energetisch und emotional bewusst wahrzunehmen, ist den meisten Menschen unbekannt und zunächst auch fremd. Im Interview sagt ein Mann sinngemäß: „ Für mich ging es beim Sex um wilde Ekstase und das Erreichen eines Orgasmus, möglichst für beide und das auch noch gleichzeitig. Etwas anderes machte für mich gar keinen Sinn!“

Im Film spricht Diana Richardson berührend eindrucksvoll darüber, dass erfüllender Sex bewusster Sex ist – und dass bewusste Körperwahrnehmung Zeit braucht. Den eigenen Körper und die Berührung insgesamt bewusst wahrzunehmen und nicht nur auf Penis, Vagina und ein Ergebnis fixiert zu sein, macht die Horizonterweiterung durch Slow-Sex aus. Aus achtsamer Wahrnehmung des eigenen Körpers entsteht Raum für echte Begegnung, in dem auch energetische und emotionale Aspekte eine Rolle spielen.

Es geht nicht um Techniken, sondern um offene körperlich-sinnliche Wahrnehmung, nicht um zielgerichtetes Handeln, sondern um achtsames Spüren, nicht um Orgasmen, sondern um Intimität und eine Begegnung der Herzen.

Der Film hat den Publikumspreis des Cosmic-Cine-Fesivals 2013 gewonnen: Die Impulse von Diana und Michael Richardson als Sexualtherapeuten sind von freundlicher und stressfreier Klarheit geprägt, die Paare äußern sich intim aber nie peinlich und lassen den Zuschauer an Entwicklungsprozessen teilnehmen, die ermutigend und hilfreich sind. Den einzelnen Kapiteln mit Interviews zu Themen wie u.a. Bewusstheit, Kommunikation, Gefühle und Emotionen ist jeweils ein Info-Teil vorgeschaltet, der vor allem Wissen über energetische und emotionale Aspekte vermittelt, die den meisten Menschen unbekannt sein dürften.

Slow-Sex zeigt auf überzeugende Weise, dass erfülltes und bewusstes Liebemachen, wie es Diana Richardson in ihren Seminaren, Büchern und Filmen vermittelt, nicht nur den Sex, sondern die Menschen in ihrer Art, zu sein, verändert und befreit,  Slow-Sex informiert und vermittelt durch Interviews, wie ein erfülltes und bewusstes Liebesleben kultiviert werden kann.

Mehr zum Film: www.slowsex-derfilm.de

P.S. Der Film ist prinzipiell für heterosexuelle Paare gemacht und auf den ersten Blick weniger für Schwule und Lesben, da das vorgestellte Energiemodell sich auf männliche und weibliche Energiekreisläufe bezieht. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn insgesamt können alle Inhalte auf alle Menschen übertragen werden (ausgenommen das Energieaustauchmodell).

 

Dieser Artikel erschien erstmalig am 26. November 2015 in den Good News.

 

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