Die Weisheit der spürenden Achtsamkeit

Helga Simon-Wagenbach: Atmen

Die Weisheit der spürenden Achtsamkeit
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von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

Bei meinen Recherchen zum Thema Yoga und Buddhismus bin ich auf das soeben veröffentlichte Buch der Yoga- und Zen-Lehrerin Helga Simon-Wagenbach gestoßen: "Atmen. Die Weisheit der spürenden Achtsamkeit im Jetzt". Ein wahres Fundstück, das ich kurz vorstellen möchte.

Westöstliche Weisheit und moderne Bewusstseinsforschung

Mit folgendem Auszug aus dem wunderbaren Gedicht "Mein Atem" von Rose Ausländer: "Die Vergangenheit hat mich gedichtet / Ich habe / die Zukunft geerbt / Mein Atem heißt Jetzt“ führt Simon-Wagenbach ihre Leser*innen in ihre Gedanken zur modernen Bewusstseinsforschung sowie zu den Erfahrungen im Bewusstwerdungsprozess der Menschheit ein. Die Autorin schildert eindrucksvoll die Bedeutung des Atems in den östlichen und westlichen Weisheitslehren – beginnend bei den ältesten Zeugnissen zeitloser Einheitserfahrungen wie sie im Advaita Vedanta und den Upanishaden beschrieben werden bis hin zu einem sich weiter entwickelnden und ausweitenden Bewusstsein der Verbundenheit in Zeiten der Globalisierung.

Im Zentrum steht der Atem

Immer tiefer geleitet Simon-Wagenbach ihre Leser*innen in das große Mysterium des Lebens, das sich im Atem „...als Erfahrung von Lebensenergie und Bewusstsein...“ offenbart. Ob in hinduistischer, griechisch-jüdischer oder christlicher Tradition, in buddhistischer oder muslimischer – der Atem ist laut Autorin das Herzstück aller spirituellen Wege und ganzheitlichen Heilweisen.

Spürende Achtsamkeit

Neben der „spürenden Atemachtsamkeit“ betont die Yogalehrerin die zentrale Bedeutung des Körpers und bezieht diesen durch entsprechende Übungen in den Bewusstwerdungsprozess mit ein – ein ewig fließender Prozess, der das spirituelle Herz (hrdaya) öffnet und den Menschen seine ureigene Wesensnatur erkennen lässt. Es geht der Autorin nicht um eine egozentrische, sondern ganzheitliche Selbstverwirklichung, „...um den egozentrischen Zustand des Weltgeistes grundlegend und nachhaltig zu verändern“.

Integrale Spiritualität

Dementsprechend widmet sich Simon-Wagenbach im letzten Teil ihres Buches ganz der „Übung im Alltag“ beziehungsweise dem „Alltag als Übung“. Dabei unterscheidet sich ihre integrale Praxis deutlich von den zurzeit sehr gefragten Übungen zur Achtsamkeit, denen eine spirituelle Ausrichtung meist gänzlich fehlt. Simon-Wagenbach propagiert keine Achtsamkeitspraxis zur Selbstoptimierung, sondern führt ihre Leser*innen hin zur Erfahrung der Einheit des Seins – hin zu dem, das sich letztlich der Welt des Denkens und damit auch der Begriffswelt entzieht.

„Wer in diese Erfahrung gelangt, erfährt sich als Einheit, Verbundenheit und Liebe.
Diese Liebe führt zu Gemeinschaft mit allem und jedem. Sie zeigt sich als Sinn unseres Menschseins. Sie führt zurück zu den Menschen in den Alltag. Sie lässt das Leben neu begreifen und deutet den Sinn unserer kurzen Lebenszeit in diesem zeitlosen Universum.“ (Willig Jäger)

Das Buch "Atmen. Die Weisheit der spürenden Achtsamkeit im Jetzt“ von Helga Simon-Wagenbach, erschienen am 1. März 2019, kann für 11 Euro beim Buchhandel um die Ecke erworben werden oder bei buch7, dem Online-Buchhandel mit sozialer Seite.

Helga Simon-Wagenbach studierte Philosophie, ist Autorin, langjährige Yogalehrerin (BDY/EYU) und von Pater Willigis Jäger autorisierte Zen-Lehrerin, ehemaliges Vorstandsmitglied des BDY und Referentin für Patañjali, Philosophie und Meditation. Simon-Wagenbach lehrt die Tradition T. K. V. Desikachar und ist Schülerin von R. Sriram.

Ein Artikel von Martina Seifert

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Achtsames Yoga

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