Abwarten und Teetrinken hilft meist mehr

Fragen sie nicht ihren Arzt oder Apotheker

Abwarten und Teetrinken hilft meist mehr

von Conny Dollbaum-Paulsen

Was wäre, wenn es nichts zu tun gäbe gegen den Rückenschmerz - außer sich sanft und regelmäßig achtsam zu bewegen? Was, wenn kein Medikament so gut wirken würde wie die Zutat "Zeit"?

Zwei von ihrem Beruf überzeugte Mediziner erweisen interessierten Medizin-Laien einen echten Dienst: Dr. med. Ragnhild Schweitzer und Jan Schweitzer haben ein Buch geschrieben, dass die Verrücktheit unserer hochtechnisierten Medizinsystems auf angenehm entspannte, häufig sehr komische und verständliche Weise beschreibt.

Und was noch wichtiger ist: Sie schreiben ein Plädoyer für eine Haltung, die im Machbarkeitsdenken einer technisierten Welt verloren gegangen ist - die Haltung des Abwartens, verbunden mit dem Vertrauen in innere Ordnungskräfte, die in der Ganzheitsmedizin auch Selbstheilungskräfte genannt werden.

Keine Schelte, aber klare Worte an alle Mediziner und Apotheker, die im selbstverständlichen Handlungsmodus gar nicht mehr auf die Idee kommen, dass eben diese Selbstheilungskräfte fester Bestandteil eines jeden lebendigen Systems sind: Und dass diese gern ungestört ihre Arbeit tun. Ungestört von vielerlei Untersuchungen, Manipulationen und Medikamenten.

Interessanter Wahnsinn

Die Beispiele überflüssigen Aktionismus bei Medikamentenverschreibungen, Operationen, IgeL-Leistungen und sog. Vorsorgeuntersuchungen sind alle nicht neu, aber im Buch so zusammengefasst, dass auch weniger informierte Laien einen Einblick bekommen, wie es so zugeht auf dem Markt der medizinischen Möglichkeiten.

Dabei gelingt den Autoren ein echter Spagat zwischen einer Art mahnender Bestandsaufnahme in Richtung Ärzteschaft bei gleichzeitigem Verständnis für die Verstrickungen, die ein komplexes Gesundheitssystem so mit sich bringt. Keine Verunglimpfungen, aber die dringende Aufforderung an Patienten, sich zu informieren. Und natürlich auch an Ärzte, sich zu trauen, Patienten mit der Bemerkung nach Hause zu schicken, die Dinge kämen auch ohne Medikament ins Lot.

Im letzten Teil des Buches gibt es dazu neben gut geprüften Internetadressen eine gelungene Auflistung verschiedener Fragen, die Patienten und Patientinnen ihren Therapeuten stellen können: Klar und darauf aus, den Sachverhalt verständlich zu machen. Schon für die Liste lohnt sich das Buch.

Überflüssige Akupunktur?

Etwas ärgerlich sind die zahlreichen Hinweise auf nutzlose Anwendung komplementär-medizinsicher Maßnahmen wie Akupunktur oder Homöopathie – evidenzbasiert zu denken hilft in der Medizin sicher oft, aber nicht immer. Die Wahl der Beispiele macht deutlich, dass die Autoren hier sehr allgemein und mit etwas dünner Expertise schreiben – das muss nicht sein.

Wobei ganz klar ist: Der Titel könnte auch heißen Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker noch Heilpraktiker, denn natürlich ist das das Aktivitäts-Machbarkeits-da-muss-doch was-zu machen-sein-Virus nicht nur in der Ärzteschaft weit verbreitet, sondern auch im weiten Feld der ganzheitlichen Therapien. Hier wie da wird damit Geld verdient und das weckt bekanntlich Begehrlichkeiten aller Art.

Das Buch sei allen medizinischen Laien ans Herz gelegt und allen Ärzten, die einen wachen Blick auf die Entwicklung des Gesundheitsmarktes haben – sie könnten dann ihren Patienten empfehlen, das Buch zu lesen. Da wäre beiden mit geholfen und darüberhinaus allen Versicherten gleich mit, denn die eingesparten Summen stünden für wirklich Sinnvolles zur Verfügung.

Dr. med. Ragnhild Schweitzer und Jan Schweitzer
Fragen Sie weder Arzt noch Apotheker
Warum Abwarten oft die beste Medizin ist
Kiepenheuer & Witsch

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