Buchbesprechung: Eckhard Kruse

 

Der Geist in der Materie: Eine Zusammenschau

von Conny Dollbaum-Paulsen

Seit der Aufklärung, als Naturwissenschaften sich endgültig von religiösen Begründungen lösten und per Experiment und Analyse begannen, die Wirklichkeit zu beschreiben, ist es üblich, Wissenschaft von Spiritualität zu trennen.
Eckhard Kruse, von Hause aus Wissenschaftler, macht einen gelungenen Versuch der Zusammenschau.

Menschen, die keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund, aber eine starke Affinität zu spirituellen Themen, neigen manchmal zu Behauptungen, die einem rationalen Geist zuweilen  etwas  "spooky" vorkommen  können. So speisen sich die gängigen spirituellen Weltbilder zuweilen aus einer wilden Mischung aus Mythen, Weisheitstraditionen, magischen Überzeugungen, einem Schuss Quantenphysik (oder dem, was Nicht-PhysikerInnen dafür halten), genährt durch die unendliche Sehnsucht, einen Schlüssel zum Verständnis unserer chaotischen Welt finden zu wollen.

Gleichzeitig lehren Weisheitstraditionen wie Schamanismus, Christentum und Buddhismus ein Weltverständnis, das sich über Jahrhunderte entwickelt hat und von einem tiefen Verständnis unserer Lebensrealität zeugt. Innerhalb dieser Systeme gibt es Wunder, göttliche Wirklichkeiten und vieles mehr, das sich wissenschaftlich nicht erklären lässt. Eckhard Kruse nennt die Anhänger ebensolcher Ideen und Traditionen kurz "Esos" - und er tut dies nicht abfällig, sondern nutzt den Begriff als Definition.

Dem gegenüber stehen nach Kruse die "Schuwis", Vertreter eines materiellen Weltbildes, für die alles, was sich nicht irgendwie zählen, messen und im klassischen Versuch als existent beweisen lässt, Einbildung und nicht real ist. Schuwis sehen Dinge durch eine Brille, die dummerweise zur gültigen Haupt-Realitätsbrille der westlichen Welt geworden ist - deshalb gilt beispielsweise in der Medizin häufig: Was nicht schulmedizinisch zu beweisen ist, kann nicht sein, nicht wirken, nicht hilfreich sein. Und das ist ein Dilemma!

Einem promovierten Informatiker wie Eckhard Kruse Unwissenschaftlichkeit vorwerfen zu wollen, ist sicher unangebracht - also können auch hartgesottene Schuwis durchaus einen Blick in dieses Buch werfen, ohne sich abwenden zu müssen ob unwissenschaftlicher Behauptungen.

Eckhard Kruse baut logisch und konsequent an einer Erklärung, die beide Sichtweisen als richtig, wahr und hilfreich stehen lässt und die einander nicht ausschließen. Dabei bedient er sich beispielsweise Ken Wilbers Quadrantentheorie, die ein schlüssiges Modell für die Gleichzeitigkeit verschiedener Realitätswahrnehmungen bietet. Es gibt ausführliche Kapitel zu Forschung, Mensch-Sein, Physik und Wissen, in denen beide Betrachtungsweisne differenziert beschrieben und in einem größeren (integralen) Kontext diskutiert werden. Das ist klug und hilfreich gemacht.

Kruse schafft es, die Versöhnung von Wissenschaft und Spiritualität in einfache Sprache zu fassen, die witzigen und teilweise sehr präzisen Illustrationen könnten sogar beinahe ein Kinderbuch zieren.
Wer wissen will, warum die Betrachtungen der beiden "Lager" so unterschiedlich ist und warum daran nichts falsch ist - der möge dieses Buch unbedingt lesen.

Eckhard Kruse
Der Geist in der Materie
Die Begegnung von Wissenschaft und Spiritualität
Crotona-Verlag
www.crotona.de

 

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