„Vorbeugende Eingriffe“ und ihre Risiken:
Meist gibt es schonendere oder nebenwirkungsärmere Alternativen
Mit zunehmendem Alter bekommen wir alle das eine oder andere „Wehwehchen“. Oft werden dann von ärztlicher Seite vorbeugende Eingriffe empfohlen, beispielsweise eine „Gelenktoilette“ (Arthroskopie) oder das Entfernen von arteriellen Plaques (Ablagerungen in den Gefäßen).
Als Patienten hören wir natürlich gerne, dass wir „nach der OP wieder laufen können wie zuvor“ oder dass wir „dann wieder genauso leistungsfähig sein werden, wie früher“.
Klar, alle wollen möglichst alt werden, nur alt sein will kaum einer.
Daher glauben wir gerne, dass die moderne Medizin uns wieder verjüngen kann. Doch: Das ist nicht ohne Risiko.
Um es klarzustellen: Natürlich gibt es Eingriffe, die sinnvoll sind oder notwendig, aber diese sollten sorgfältig abgewogen werden. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man danach automatisch wieder so ist wie früher. Sehr oft muss man auch danach mit Schmerzen und Einschränkungen leben. Und für gar nicht so wenige Menschen mit mehr Beschwerden als zuvor.
Jeder Eingriff – also jede OP – ist immer ein Risiko und dieses Risiko steigt mit zunehmendem Alter, denn ein älterer Organismus verfügt nicht mehr über die Reparaturkräfte eines jungen. Das betrifft unser Immunsystem genauso wie die Fähigkeit zur Regeneration unserer Muskulatur, generell unserer Gewebe.
Ein älterer Mensch, der 1-2 Wochen im Krankenhaus liegt – ohne körperliches Training – verliert bis zu einem Drittel seiner Muskeln!
Und man hat ja sowieso schon weniger Muskeln als ein junger Mensch. Nach sechs Wochen säße man im Rollstuhl – und viele kommen da niemals mehr raus. Es ist dann der Anfang vom Ende…
Der Youtube - Kanal „Senioren-Gesundheit“ hat die sieben gefährlichsten Operationen aufgelistet, die hohe Risiken für Ältere (und das sind wir ab 60…) mit sich bringen. Auch wenn der Text von einer KI übersetzt wurde, der ursprüngliche Sprecher ist ein Arzt für Alterskrankheiten (Geriater) https://www.youtube.com/watch?v=BXVFuy5Gimo Sollte jeder sich einmal angeschaut haben, denn es entspricht durchaus der Realität.
Die meisten der aufgezeigten Negativfolgen von Operationen habe ich bei Patienten in meiner Praxis auch gesehen. Der Klassiker sind Arthroskopien, also das „Reinschauen in ein Gelenk“. Dabei wird nicht nur das Gelenk geöffnet, damit man das Endoskop einschieben kann, sondern oft noch ein Stückchen Gewebe (die Plica) entfernt, damit man einen Eingriff abrechnen kann, statt nur eine diagnostische Maßnahme, denn für einen Eingriff gibt es mehr Geld. Das gleiche gilt für das Entfernen eines Meniskus, weil der gerissen sei. Aber der Meniskus ist ein Puffer, ohne den die Arthrose schneller fortschreitet. Die Folge: In vielen Fällen werden die Beschwerden nicht besser, sondern schlechter – und einige Monate danach ist dann „ein neues Knie“ fällig.
Worüber man sich als Patient im Klaren sein sollte: Es gibt keine 100%ige Sicherheit. Wenn bei einer diagnostischen Maßnahme festgestellt wird, dass ein gewisses Risiko besteht, beispielsweise einen Schlaganfall zu erleiden, dann bedeutet das nicht, dass man einen solchen auch bekommen muss. Für alles gibt es ein statistisches Risiko. Aber niemand kann vorhersagen, ob das statistische Risiko für einen bestimmten Menschen auch eintritt. Statistik arbeitet immer mit großen Zahlen, mit Durchschnittswerten etc. Und die lassen eine individuelle Prognose nicht zu.
Jedem persönlichen Risiko steht auch immer ein Behandlungsrisiko gegenüber. Meist gibt es schonendere oder nebenwirkungsärmere Alternativen. Oft erfordern diese eben ein wenig Eigenverantwortung oder Eigenarbeit als bei der scheinbar schnellen Lösung durch eine OP.
Kleiner Tipp: Wenn Ihnen ein Arzt oder eine Klinik eine OP empfiehlt, seien Sie genauso kritisch als wenn Ihnen ein Autoverkäufer ein bestimmtes Auto empfiehlt, denn beide leben davon, dass Sie das tun, was sie Ihnen empfehlen…
Ein Artikel von
Rudolf Hege
76534 Baden-Baden
Im Grün 28
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