Aware – Reise in das Bewusstsein

Dokumentarfilm zwischen Wissenschaft und Mystik

AWARE- Reise in das Bewusstsein. Psilocybin Study Scanner
©Umbrella Films, Frauke Sandig
10. Januar 2026 von Martina Seifert

Gestern Abend bin ich eher zufällig auf eine ganz besondere Reise gegangen – eine Reise in den Ozean des Bewusstseins. Nein, ich habe nicht meditiert, sondern einen Film gesehen: den vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „Aware – Reise in das Bewusstsein“, der zu einer stillen, tiefgehenden Erfahrung einlädt.

Suche nach dem Kern des Bewusstseins

Was ist Bewusstsein? Woher kommt es? Ist Bewusstsein an das menschliche Gehirn gebunden – oder vielmehr grundlegendes Prinzip allen Lebens? Mit diesen großen Fragen beschäftigt sich der Film „Aware – Reise in das Bewusstsein“, der noch bis Anfang Februar 2026 in der Mediathek verfügbar ist.

Sechs Forscherinnen und Forscher treten in einen fiktiven Dialog: der Neurowissenschaftler Christof Koch, der buddhistische Mönch Matthieu Ricard, der Psychedelika-Forscher Roland Griffiths, langjähriger Leiter des Center for Psychedelic and Consciousness Research an der Johns-Hopkins-Universität, die Biologin Monica Gagliano, der Philosoph Richard Boothby und die Maya-Heilerin Josefa Kirvin Kulix. Auch wenn alle aus unterschiedlichen wissenschaftlichen, philosophischen und spirituellen Traditionen kommen, eint sie die leidenschaftliche Suche nach dem Kern des Bewusstseins und seinen vielfältigen Erscheinungsformen.

Zwischen Mystik und Wissenschaft

Die einen sprechen von absoluter Reinheit, andere von radikaler Vernetzung. Bewusstsein erscheint hier nicht als bloßes Nebenprodukt neuronaler Prozesse, sondern als etwas, das sich sowohl von außen erforschen als auch von innen erfahren lässt – durch Meditation, veränderte Bewusstseinszustände, Pflanzenforschung oder jahrtausendealtes indigenes Wissen.
Gerade in der Gegenüberstellung dieser scheinbar gegensätzlichen Perspektiven entfaltet der Film seine besondere Kraft. Er folgt keiner linearen Argumentation, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt vom klassischen Wissenschaftsfilm zu einer meditativen Bewusstseinsreise. Die Fragen bleiben offen, die Antworten vielstimmig – und genau darin liegt seine Qualität.

Die Natur als Spiegel des Bewusstseins

Eine zentrale Rolle spielt die Natur selbst. In eindrucksvollen Bildern von großer Ruhe und Weite entfaltet sich ein Netz der Verbundenheit: von Pflanzen und Quallen über Wale und Elefanten bis hinaus in den Kosmos. Die Kamera verweilt, beobachtet, verbindet. So wird die Natur zur eigenständigen Protagonistin – und zum Spiegel eines Bewusstseins, das nicht trennt.

Vertraute Überzeugungen werden brüchig – und der Raum des Bewusstseins öffnet sich für Fragen wie:
Was, wenn Bewusstsein nicht nur im Menschen verortet ist?
Wenn Pflanzen lernen, erinnern und kommunizieren?
Wenn mystische Erfahrungen keine Randphänomene sind, sondern Hinweise auf eine tiefere Schicht unseres Seins?

Ein Film, der (nach)wirkt

„Aware – Reise in das Bewusstsein“ wurde international vielfach ausgezeichnet, unter anderem als Bester internationaler Film beim Menschenrechtsfilmfestival in Bolivien. Die Regisseure Frauke Sandig und Eric Black, die seit vielen Jahren gemeinsam dokumentarisch arbeiten, knüpfen damit an ihre früheren, ebenfalls preisgekrönten Filme an. Inspiriert wurden sie unter anderem durch ihre Begegnungen mit der Spiritualität der Maya, in der alles Leben als beseelt verstanden wird – ein Gegenentwurf zu einem Weltbild, das Natur vor allem als Ressource betrachtet.

Was den Film so besonders macht, ist nicht nur die fachliche Kompetenz seiner Protagonistinnen und Protagonisten, sondern deren Bereitschaft, auch sehr persönliche Erfahrungen einzubringen, die tief berühren. Etwa dann, wenn der Philosoph Richard Boothby unter Tränen von seinen Einsichten auf einer psychedelischen Reise erzählt oder die Heilerin Josefa Kirvin Kulix von ihren Erfahrungen mit der tiefen Stille der Wüste. So entsteht ein offener Raum, in dem Wissenschaft und Spiritualität einander nicht ausschließen, sondern gegenseitig erhellen.

Einladung zur eigenen Forschungsreise

Am Ende wird „Aware“ zu mehr als einem Film über Bewusstseinsforschung. Er wird zur Einladung, sich selbst als Teil dieses großen Bewusstseinsfeldes zu erfahren – wach, verbunden und staunend. Oder, anders gesagt: sich bewusst zu werden, dass wir bewusst sind.

Die Botschaft ist immer dieselbe: Denk daran, dass du Teil von all dem bist. Die Illusion, getrennt zu sein, ist nur eine Illusion.
Was ich daran so schön finde: Dieses Gefühl des Alleinseins, das viele von uns kennen, verschwindet in solchen Momenten. Denn du bist nicht allein – und warst es nie.“  Monica Gagliano

„Aware - Reise in das Bewusstsein“ ist noch bis zum 04.02.2026 in der 3sat-Mediathek verfügbar.

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Freie Autorin, Text, Lektorat