Arm aber bio

Buchbesprechung und -empfehlung

Ein kecker Buchtitel ist das.
Rosa Wolff, einst Gourmetrestaurant-Bewerterin und Lifestyle-Journalistin, jetzt unverhofft Arbeit suchend und Hartz-IV-Bezieherin, will beweisen, dass es keinesfalls das Privileg der wohlhabenden LOHAS ist, sich lecker und gesund und nachhaltig und fair, eben "Bio" zu ernähren. Hat es geklappt?

Ja, es hat!
Roas Wolf läßt die geneigte Leserschaft an jedem frischen (oder auch mal welken) Salatblatt und jeder frischen Erdbeere, die sie nach Hause trägt, wiegt und bepreist, ausnahmslos teilhaben. Mit "bepreisen" ist gemeint, dass es sich um ein wirklich akribisch aufgezeichnetes Protokoll eines Bio-Monats im Rahmen des damaligen Hartz-4-Kontingentes handelt - damals waren es € 4,35 pro Tag.
Sie bepreist also 25 g Haferflocken ebenso wie 15 Gramm geriebenen Käse oder 5 Scheiben Gurke - damit am Ende auch eine ihrer Meinung nach überzeugende Aussage möglich ist.
Während des Lesens schwanke ich zwischen Amüsement und leichtem Genervt-Sein ob dieser Sorgfalt, sehe aber ein, dass nur so eine tatsächliche Aussage möglich gemacht wird. Ob es dann nötig ist, die vorher im Regal vorhandenen Gewürze keinesfalls zu benutzen (sie waren ja vorher schon gekauft), bleibt dahin gestellt.
Die LeserInnen erfahren jedenfalls, dass einiger Aufwand dazu gehört und dass der Mai in unseren Breitengraden ein schwieriger Monat ist, denn: Saisongemüse oder -obst gibt es noch nicht und der olle Winterkohl war im Oktober auch frischer als jetzt.
Erdbeeren und Spargel sind zwar im Angebot, sprengen das Budget aber leider ebenso wie Fleisch - klaro. Und dennoch geht auch das, aber nicht "mal eben so" und schon gar nicht ohne Überlegungen unterschiedlichster Art.
Wir erfahren schließlich auch, dass banges Sparen seltsame Blüten trägt: den Hamsterkauf zum Bespiel, der dann dazu führt, dass kostbare Vorräte zu vergammeln drohen - oder aus köstlichen Möhren lästige Mehrtagesbegleiter werden.

Eines ist zumindest mir nach der Lektüre des Buches deutlich geworden: auch wenn der Aufwand teilweise groß ist (so müssen Plätzchen gebacken statt im praktischen Tütchen gekauft werden....), muss mensch nicht auf konventionelles Essen umsteigen, weil das Geld nicht reicht.
Bio ist nicht per se ein Luxusunterfangen der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainibility) - also der Leute, die doppelt verdienen und gern lecker Bio essen, weil es besser schmeckt und gesünder ist.
Bio ist viel eher eine poltische als eine gesunde Haltung - Bio schont das Klima, fördert die Kooperation, ist menschen-, tier und zeitgemäß...und ist zusätzlich einfach lecker.
Ein besonderes Plus des Buches: viele sehr leckere Rezepte und viele Tipps, wenn der Mangel-Frust zuzuschlagen droht - auch der ein oder andere philosophische Ausflug macht Freude, Adressen von Verbänden sind ebenso zu finden wie witzige Alltagsgeschichtchen.
Ein Buch, das sich lohnt. Und eine Internetseite, die eine gute Idee weiter ausbreitet: www.arm-aber-bio.de

Rosa Wolff
Arm aber Bio!

Mit wenig Geld gesund, ökologisch und genussvoll speisen. Ein Selbstversuch.
€ 11,95
Edition Butterbrot