Abschlussbericht Heilpraktikerwesen
Was er über die Zukunft des Berufs aussagt
Im November 2025 hat das Bundesministerium für Gesundheit den Abschlussbericht eines umfangreichen Gutachtens zum Heilpraktikerwesen veröffentlicht. Ziel dieser Untersuchung war es, erstmals verlässliche Daten über den Heilpraktikerberuf in Deutschland zusammenzutragen und damit eine sachliche Grundlage für die öffentliche und politische Diskussion zu schaffen.
Der Bericht macht deutlich: Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sind ein fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Deutschland – vor allem im Bereich der komplementären Medizin.
Keine unmittelbaren Änderungen, aber mehr Klarheit
Das Gutachten enthält keine konkreten Vorschläge für gesetzliche Reformen oder für eine grundlegende Neuregelung des Berufs. Stattdessen ging es darum, den aktuellen Stand möglichst genau zu erfassen: Wie arbeiten Heilpraktiker? In welchen Bereichen sind sie tätig? Wie ist ihre Ausbildung organisiert? Und wie fügen sie sich in das bestehende Gesundheitssystem ein?
Damit liefert der Bericht erstmals eine breite, bundesweite Datenbasis. Diese soll helfen, künftige Entscheidungen sachlich zu treffen, ohne vorschnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.
Ergänzung zur konventionellen Medizin
Ein zentrales Ergebnis des Gutachtens ist, dass Heilpraktiker überwiegend ergänzend zur ärztlichen Versorgung arbeiten. Viele Patientinnen und Patienten nutzen ihre Angebote zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung, etwa bei chronischen Beschwerden, funktionellen Störungen oder zur Gesundheitsvorsorge.
Der Bericht zeigt auch, dass es in der Praxis häufig Kooperationen mit Ärztinnen, Ärzten und anderen Therapeut:innen gibt. Diese Zusammenarbeit findet jedoch nicht immer unter optimalen rechtlichen Rahmenbedingungen statt und könnte in Zukunft besser unterstützt werden.
Bedeutung für das Gesundheitssystem
Heilpraktiker tragen laut Gutachten dazu bei, das Gesundheitssystem zu entlasten und zu ergänzen, insbesondere im ambulanten Bereich. Sie nehmen sich Zeit für Gespräche, arbeiten ganzheitlich und begleiten viele Menschen langfristig. Gerade für Patientinnen und Patienten, die sich mehr Zuwendung oder alternative Behandlungsansätze wünschen, stellen sie eine wichtige Anlaufstelle dar.
Gleichzeitig weist der Bericht darauf hin, dass es noch offene Fragen gibt – etwa zur einheitlichen Qualifikation oder zur systematischen Erfassung von Risiken. Diese Punkte sollen in weiteren Prüfungen vertieft werden.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Auch wenn das Gutachten keine direkte Richtung vorgibt, stärkt es die Position des Berufsstands: Es bestätigt, dass Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker seit vielen Jahren Teil der Versorgungslandschaft sind und von vielen Menschen genutzt werden.
Für die Zukunft bedeutet das vor allem eines: Die Diskussion über den Heilpraktikerberuf kann nun auf einer fundierten, sachlichen Grundlage geführt werden. Wie sich Ausbildung, Zusammenarbeit und rechtliche Rahmenbedingungen weiterentwickeln, bleibt Teil eines politischen und gesellschaftlichen Prozesses.
Christina Azarli fürs Heilnetz-Redaktionsteam