Hamamelis bringt Farbe in den Winter

Zaubernuss Hamamelis

Hamamelis bringt Farbe in den Winter
© Pixabay

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin
(letzte Überarbeitung: 12. Januar 2023)

Die virginische Zaubernuss, auch Hamamelis virginiana genannt, macht ihrem Namen alle Ehre. Sie verzaubert die Wintermonate mit ihren Farben und ihrem Duft und hat zudem als Heilpflanze große Wirkung. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen dies.

Hamamelis zaubert Farbe in den Winter

Wer sagt denn, der Winter sei grau und fade? Die Hamamelis virginiana, eine der bekanntesten Winterpflanzen, blüht von Dezember bis in den April, einer Zeit, in der die meisten Pflanzen Winterschlaf halten, - ein Indiz für ihre besonders große Lebenskraft. Die Energie sammelt die Zaubernuss während des Sommers, wenn die meisten Pflanzen blühen und Früchte tragen.

Kältebeständiger Strauch und Blüten

Die duftenden Blüten der Zaubernuss sind leuchtend gelb bis rot. Die zarten, zungenförmigen Blütenblätter sprießen als kleine Büschel aus dem Blütenzentrum, das größtenteils in intensivem Rostrot strahlt. Kälte verlängert ihre Blütezeit. Bis zu -10 °C halten die Blüten der Zaubernuss schadlos aus, der Strauch selbst sogar bis zu -35 °C. Kein Wunder, denn die virginiansche Zaubernuss war bereits vor den Eiszeiten in unseren Wäldern beheimatet und hat das Vorrücken der Gletschermassen in Nordamerika überlebt.

Die dicht behaarten Samenkapseln des Strauchs, deren Größe in etwa der einer Haselnuss entsprechen, reifen zwischen August und September heran. Sobald sie reif sind, platzen sie auf und werfen die öligen Samen bis zu 15 Meter weit von sich in die Umgebung. Erst im Alter von etwa 6 Jahren trägt der bis zu 6 Meter heranwachsende Strauch seine ersten Blüten. Die Rinde ist grau bis graubraun, die auf kurzen Stielen sitzenden, buchtigen Blätter gezähnt. Im Herbst schmückt das rot strahlende Laub der Zaubernuss Gärten und Parks.

Geschichte der Zaubernuss

Ursprünglich stammt die Hamamelis virginiana aus Nordamerika. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae). Ihr Name, Hamamelis, kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Baum mit essbaren Früchten“, das Epitheton „virginiana“ verweist auf die Herkunft der Pflanze:

Die Hamamelis wurde von den indigenen Völkern als Heilpflanze verehrt und als blutstillendes und wundheilendes Mittel verwendet. Krieger und Lacrosse Spieler nutzten Hamamelis-Wasser auch zum Einreiben, um die Muskeln elastisch zu halten und Muskelschmerzen vorzubeugen.

Peter Collinson, ein Londoner Stoffhändler und Hobby-Botaniker, brachte die Zaubernuss zurück nach Europa, und zwar nach England, wo sie 1736 das erste Mal schriftlich Erwähnung findet.

Die gegabelten Zweige wurden auch als Wünschelrute eingesetzt, um beispielsweise Wasseradern aufzuspüren. Es wird spekuliert, dass die Pflanze entweder dieser Verwendung ihren Namen Zaubernuss zu verdanken hat oder aufgrund der ungewöhnlichen Winterblüte. Doch auch ihre besondere Heilkraft kommt der Zauberei gleich.

Anwendung der Heilpflanze in der Phytotherapie

Im 19. Jahrhundert wurde der alkoholische Auszug aus den Hamamelisblättern in der medizinischen Praxis eingesetzt. Heute ist die Hamamelis für ihre blutstillende, wundheilungsfördernd, entzündungshemmende, adstringierende und Juckreiz stillende Wirkung bekannt und wird in der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) angewendet.

Besonders stark zusammenziehend und deshalb vor allem zur Wundbehandlung geeignet sind die Blätter und Rinder Zauberstrauches. Die Blätter enthalten Flavonoide, bis zu 8 % Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate, Proanthocyanidine und bis 5 % ätherisches Öl, während die Rinde wenige Catechingerbstoffe, Ellagitannin, freie Gallussäure, bis zu 12 % Gerbstoffe sowie bis 0,5 % ätherisches Öl beinhaltet.

Durch die Gerbstoffe entwickelt sich eine isolierende Gerbstoff-Protein-Membran, die Krankheitserreger abhält. Zusätzlich wirken die ätherischen Öle zusätzliche keimhemmend. Die in den Blättern enthaltenen Flavonoide verfügen über antioxidative Eigenschaften, stabilisieren die Gefäße und verringern allergische Reaktionen, indem die Freisetzung von Histamin im Gewebe reduziert wird.

Die Hamamelis in der traditionellen Medizin

In der traditionellen Medizin wird die Hamamelis vor allem bei akuten, chronisch entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt, wie beispielsweise bei Neurodermitis oder Ekzemen sowie bei Abszessen oder Altersjuckreiz, Hautpilz, Milchschorf und Windeldermatitis. Auch bei Hämorrhoiden und Beschwerden durch Krampfadern, Entzündungen im Intimbereich sowie nach einem Dammschnitt kommen Auszüge aus Hamamelis zur Anwendung.

Hamamelisblätter und -rinde wurden vom Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) als traditionelle pflanzliche Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Klinische Studien belegen die therapeutische Wirkung der Blätter und Rinde bei ußerlicher Anwendung auf folgenden Gebieten: bei leichten Hautentzündungen, trockener Haut, Hämorrhoiden sowie als Mundspülung oder Gurgelwasser bei leicht entzündeter Mundschleimhaut.

Außerdem hat der HMPC Hamamelis-Wasser als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft, das bei leichten Hautentzündungen und bei trockener Haut eingesetzt werden kann, Augenbeschwerden infolge von Augentrockenheit lindern.

Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) empfiehlt die innerliche Anwendung zur symptomatischen Therapie von Beschwerden bei Krampfadern und bei Hämorrhoiden sowie die äußerliche Anwendung bei Hämatomen, Verstauchungen und leichteren Verletzungen und Entzündungen der Haut und Schleimhäute sowie bei Hämorrhoiden.

Darreichung und Dosierung

Fertigpräparate wie Salben und Tinkturen aus den Blättern oder der Rinde des Strauchs zur äußerlichen Anwendung sind im Handel erhältlich; ebenso Tee aus Rinde und Blättern, der bei entsprechenden Beschwerden mehrmals am Tag getrunken werden oder zum Gurgeln verwendet sowie als Sud für Umschläge genutzt werden kann.

Nebenwirkung und Wechselwirkung

Äußerlich angewendet sind keine Nebenwirkungen bekannt. Die Einnahme in Form von Tee kann Magenschmerzen hervorrufen oder bisweilen auch die Leber schädigen. Deshalb sollten Sie vor der Einnahme Ihre Ärztin oder Ihren Arzt konsultieren. Außerdem können bei äußerlicher Anwendung allergische Reaktionen auftreten. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Präparate aus der Zaubernuss nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt angewendet werden.

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