Eine stadtteilorientierte Initiative der besonderen Art

Wir für uns -anders altern-

von Conny Dollbaum-Paulsen

Vielleicht sind Sie in folgender Situation: Sie sind bereits älter, also vielleicht um die 60 Jahre alt und leben bis hierhin in Partnerschaft oder allein und rundherum selbstbestimmt.

Sie haben einen lebendigen Freundeskreis, vielleicht Kinder und Enkel, - also eigentlich fühlen Sie sich ganz gut aufgehoben in ihrem Beziehungsnetz..., und denken nur in ganz geheimen Stunden darüber nach, wie es wohl sein könnte, wenn sich diese Bedingungen zum Schlechteren wenden könnten.

Ein Sturz auf Glatteis oder anderes unvorhergesehenes Unbill des normalen Lebens könnte dieses wohlgeordnete Arrangement insofern durcheinander bringen, als dass sie mit gebrochenem Arm nicht mehr ganz so unabhängig sind wie bisher - und alle guten Freunde, genau wie Kinder und Enkel, mindestens 30 Minuten von Ihnen entfernt wohnen. Leider kennen Sie absolut niemanden in der Nachbarschaft so gut, - dass Sie dort um alltägliche Unterstützung bitten könnten oder wollten. Und was tun Sie dann?

Es könnte aber auch sein, dass Sie nicht mehr ganz so rüstig sind und nicht mehr gern allein einkaufen gehen, oder dass Sie manchmal gern in Gesellschaft spazieren gingen  oder auch mal wieder ins Theater - nur ist das eine Unternehmung, die Ihnen ohne Auto und allein weder möglich noch attraktiv erscheint. Von den Nachbarn wissen Sie leider gar nicht, ob dort vielleicht sogar ähnliche Bedürfnisse bestehen, denn Sie kennen Ihre Nachbarn nicht näher. Ja: Wer weiß denn eigentlich, welche Bedürfnisse und welche Talente direkt nebenan verborgen liegen und kein Forum finden, geäußert zu werden?

Die Initiative WIR FÜR UNS -anders altern-, greift genau dieses Szenario als Beweggrund auf, in eigener Initiative neue, gleichberechtigte, moderne und angemessene Formen der Nachbarschaftsunterstützung zu entwickeln. Die GründerInnen Gabriele Sonnenberg, Dr.(USA)Karin Duden, Dr. Wilhelm Frieling-Sonnenberg und Dr. Irene Below kennen sich aus mit Gründungen selbstverwalteter Initiativen: So zum Beispiel, als sie vor gut 30 Jahren für ihre Kinder geeignete Kitas suchten und nicht fanden, gründeten sie die ersten Kinderläden und bestimmten auf diese Weise mit, was pädagogisch umgesetzt werden sollte und was nicht.

Nun sind sie älter geworden, die politisch aktiven, engagierten und ausgesprochen initiativen Leute und fragen sich ganz praktisch, ob sie mit den aktuell vorhandenen Angeboten und Systemen für ältere Menschen zufrieden sind.
Sie sind es nicht - denn sie wollen und müssen weder versorgt noch gepflegt noch bespielt werden, sie wollen aber möglichst lange selbstbestimmt und unabhängig von großen Versorgungssystemen leben. Sie wollen sich gegenseitig unterstützen und daraus ein den Bedürfnissen älterer Menschen angepasstes System erfinden, das einfach, mit wenig Aufwand und ohne viel Gedöns umzusetzen ist. Kennen Sie jemanden, der das nicht will?

Mittlerweile gibt es drei verschiedene Gruppen ( zwei in Bielefeld, eine in Werther), die sich regelmäßig treffen und dabei sind, dem ganzen einen Rahmen zu geben - wahrscheinlich wird ein Verein gegründet, dem sich die einzelnen Stadtteil-Gruppen dann anschließen können.

Wesentliche Elemente der Initiative sind:

  • Ältere für Ältere: Die Identifikation über das Ältersein ist Voraussetzung für die Mitarbeit
    Was nicht bedeutet, dass es ein Mindestalter gibt, denn ab wann sich ein Mensch mit dem Thema beschäftig und es als für in selbst relevant betrachtet, variiert sehr.
  • Eigeninitiativ gestalten, keine großen Apparate schaffen
  • Selbstbestimmung als Grundprinzip leben und üben
  • Nachbarschaftliches fördern, Stadtteil bezogen arbeiten (kurze Wege)
  • Bedarfsanalysen erstellen: Wer kann was? Wer braucht was?
    Dabei gilt: Meist können wir mehr als wir denken und dieses Bewusstsein soll gefördert werden.
  • Spaß und Freude dabei haben, neue Strukturen zu schaffen, die JETZT passen
  • Ideen wie eine Zeitbank oder Tauschmodelle ausprobieren
  • Kommunikation und Kontakt untereinander fördern

Die InitiatorInnen verstehen sich aktuell als Impulsgeber in eigenem Interesse, wollen aber keinesfalls Leitungsfunktionen oder ähnliches einnehmen, denn hier wie in allen selbstbestimmten Projekten gilt: Alle, die mitmachen, entscheiden, helfen und profitieren auf allen Ebenen und genau so, wie es für die Einzelnen passt.  - Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in Verbindung mit gegenseitigem Respekt und Anteilnahme bilden ein gutes Gewebe für eine neue Alten-Solidarität.

Aktuell sind die etwa 25 aktiven Beteiligten damit beschäftigt, sich über ähnliche Initiativen, die es natürlich in ganz unterschiedlicher Form schon gibt, bundesweit zu informieren und Kontakt mit Initiativen aufzunehmen, die in der Region bereits aktiv sind.
Gesucht werden Menschen, die sich als älter empfinden (es gibt sinnigerweise kein Mindesteintrittsalter) und die Lust und Energie haben, am Aufbau eines solchen Nachbarschaftsunterstützungsnetz Älterer durch Ältere mitzuwirken.

Informationsveranstaltung am 29.1.2015:
Fürsorge für andere, Vorsorge für mich
Thema: Eine Zeitbank für Bielefeld und Umgebung?
Vortrag mit Diskussion: Ingrid Engelhart (Freiburg) 16.00-17.30 Uhr, Feilenstraße 4, Eingang hinter Kino „Kamera“ , Gemeinschaftshaus 1. OG, großer Saal

Informationsveranstaltungen  mit einem Vertreter aus dem gleichnamigen Verein in Bromskirchen (Sauerland)  am 25.2.2015

Thema: „Wir für uns – anders altern“
Organisierte Selbsthilfe: Eine Perspektive für mich?
Eine Initiative stellt sich vor

Vortrag mit Diskussion: Pfarrer a.D. Burkhart Zeunert von „Wir für uns-Bürgerhilfe e.V.“ , 
16.00-17.30 Uhr, Bürgerzentrum Amt Dornberg, Werther Straße 436, Sitzungssaal, EG, 33619 Bielefeld

Eine zweite Veranstaltung mit Pfarrer Burkhart Zeunert von „Wir für uns-Bürgerhilfe e.V.“ am 23.04.2015
15.00-16.30 Uhr, Gemeindehaus Markuskirchengemeinde, Großer Saal, Markuskirchweg 7, 33619 Bielefeld statt.

 

Weitere Links zum Thema:
www.wir-fuer-uns-buergerhilfe.de

www.seniorengenossenschaft.net

www.zukunftsministerium.bayern.de

Kostenlose Broschüre: Wegweiser zur Gründung und Gestaltung von „Seniorengenossenschaften“

Kontakt:

Gabriele Sonnenberg
0521-171659
mail@gabriele-sonnenberg.de

Dr. Irene Below
mail@irene-below.de
05203-884447

Prof. Dr. Wilhelm Frieling-Sonnenberg
mail@frieling-sonnenberg.de
0521-1642211

Dr.(USA) Karin Duden
Karin.duden@t-online.de
0521-150385

 

 

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