Heilnetz-Thema des Monats: Sexualität

 

Sexualität - was ist das? Ein Versuch

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

Sexualität, was genau meint eigentlich dieser an langweilige Latein- oder Bio-Stunden erinnernde Begriff? Diese Frage stellte sich mir gleich nach Redaktionsschluss, nachdem wir einstimmig "Sexualität" zum Thema dieses Monats gekürt hatten. Ich habe mich auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach der Bedeutung dieses wenig wohlklingenden Wortes, das für eine so poetische, geheimnisvolle Qualität unseres Lebens steht.

Sexualität ist nur ein Wort

Um den Geschmack einer Frucht kennenzulernen, koste ich von ihr, auch wenn mir ihr Name nicht schmeckt. Wie beispielsweise die Bezeichnung für die Zitrusfrucht Ugli, was so viel bedeutet wie "die Hässliche" (abgeleitet vom englischen "ugly"). Tatsächlich sieht die exotische Frucht nicht besonders verlockend aus: groß und plump mit schrumpelig dicker Schale. Doch das, was sich hinter dieser unattraktiven Haut verbirgt, grenzt an ein kleines Wunder: sehr saftiges, süß-herbes Fruchtfleisch. Einfach köstlich.

So oder ähnlich übel kann uns die Welt der Wörter und Begriffe mitspielen. Ganze Zauberwelten blieben uns verschlossen, hörten wir allein auf das Wort. Zum Fürchten! Das wusste keiner besser zu benennen als der große Dichter Rilke:

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Fließend und veränderlich

Um bei Rilke zu bleiben, möchte ich das, was sich hinter dem sperrigen Begriff Sexualität verbirgt, zum Singen bringen. Denn das Wort selbst erscheint mir bar jeglicher Musik. Ich höre nur lautes, mit den Jahrhunderten bis ins Unermessliche angeschwollenes Geschrei und Gezeter, ein heilloses Durcheinander vielfältiger Körper und Vorlieben, ein Treiben der Triebe, so herzzerreißend laut, dass es unsere Vorfahren sicher vom Biedermeiersofa gerissen hätte - der Gatte völlig außer Kontrolle, die Gattin auf der Flucht. Sexualität ist eben wie alles, was Leben ausmacht, fließend und veränderlich. Was heute keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlockt, hätte frühere Generationen garantiert in den Wahnsinn getrieben.

Weißer Rabe oder Blaue Blume?

Ich suche nach einem neuen, unbefleckten Wort. Eines, das klingt und singt und alles offen lässt, Raum schafft für Zärtlichkeit, Wärme, Geborgenheit, zarte Lust und Ekstase, Empfindungen, die in Liebe und Wertschätzung füreinander ins Schwingen kommen… Wie wär‘s mit Liebe machen? Nein. Liebe lässt sich nicht machen. Liebe ist einfach da, es sei denn, sie fließt nicht. Zusammen Spaß haben? Nein. Nur bitte das nicht. Mich sehnt es nach einer anderen Sprache. Einem Fingerzeig auf etwas, das sich letztlich nicht in Worte fassen lässt, dem die Sprache Grenzen setzt, wo keine sind. Vielleicht Blaue Blume, zentrales Symbol der Romantik, das ein den ganzen Menschen erfassendes Empfinden bezeichnet?

Ich wende meinen Blick ab zu den Sternen, halte Ausschau nach Bildern, einer Metapher für ein Erleben, das in seiner zerbrechlichen Schönheit so selten ist wie ein weißer Rabe, uneindeutig, verhüllend und enthüllend zugleich - und es wird still in mir.

Ein Artikel von Martina Seifert

Yogalehrerin, Texterin

Hegede 6
33617 Bielefeld

www.beherzt-yoga-bielefeld.de

 

 

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