Heilnetz-Thema des Monats SCHMERZ

Plädoyer für eine andere Betrachtung von Schmerz

©microimages-fotolia.com

von GastautorIn

Schmerz ist subjektiv. Wie der Mensch ihn erlebt, entzieht sich jeder Diagnostik der modernen Apparatemedizin. Das liegt auch daran, dass Schmerz eine Sinneswahrnehmung ist, die sich an der Schnittstelle zwischen Körper und Geist wiederfindet: Er hat zwar eine physiologische Basis im zentralen und autonomen Nervensystem, aber auch einen emotionalen Anteil. Daher ist die bislang einzige, weithin akzeptierte Definition von Schmerz wenig konkret:

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“ (International Association for the Study of Pain, 1986)

Aber nur der akute Schmerz ist eine Empfindung, die uns vor Schäden an Leib- und Leben warnt. Der chronische Schmerz hat sich davon entkoppelt, verselbständigt und gilt als eigenständige Krankheit: Er hat seine Warnfunktion verloren.

Schmerz im Kontext ganzheitlichen Erlebens

Schmerz kann im weiteren Sinne der Ausdruck von Leid jedweder Art sein, sei es körperlich oder seelisch – und er geht im Umkehrschluss mit Leid und verminderter Lebensqualität einher. So ergaben neuropsychologische Experimente, dass Menschen mit Liebeskummer in derselben Hirnregion Aktivitäten aufwiesen, wie Menschen mit körperlichen Schmerzen. Und erfährt ein Mensch mit Schmerzen Zuwendung durch Mitmenschen, kann das die Schmerzintensität lindern – ebenso wie soziale Spannungen den Schmerz intensivieren können.

Schmerz ist das Gewahr werden einer Störung auf verschiedenen Ebenen

Wir haben es mit verschiedenen Ebenen des Erlebens zu tun: Die körperliche Ebene, auf der sich der Schmerz zeigt, steht mit der der psycho-emotionalen Ebene (Liebeskummer) und der sozialen Ebene (zwischenmenschliche Beziehungen) oftmals in unmittelbarer Wechselwirkung. Dabei hängt das Schmerzerleben zudem von unseren bewussten oder unbewussten Gedanken und Einstellungen gegenüber unserer Lebenssituation und unserer Störung ab. Daher ist es von großer Bedeutung, einen konstruktiven Umgang mit der eigenen inneren Haltung zur eigenen Symptomatik zu erlernen. Wer starke Schmerzen hat, ist jedoch zunächst auf therapeutische Hilfe angewiesen, um diese akute Krise zu überwinden. Dadurch eröffnet sich die Chance, wieder aktiver zu werden und Lebenskräfte zu mobilisieren, die den Selbstheilungsprozess fortführen.

Dem ursächlichen Phänomen auf der Spur

Ganzheitlich arbeitende Schmerztherapeuten berücksichtigen das Lebensumfeld ihrer Patienten. Sie erleben bei ihrer Arbeit, dass jeder Patient sein individuelles körperliches Schmerzmuster hat, das auf psycho-emotionaler oder sozialer Ebene seine Entsprechung findet.

Hierzu zwei Beispiele: Hüftschmerzen können bei Patienten auftreten, die aufgrund unterdrückter Wut oder ihrer Aufopferung für andere zu Blockaden des Gallenblasenmeridians neigen. Dieser zieht seitlich den Körper hinab durch die Hüfte und wird mit der Emotion der Wut assoziiert. Und bei einer Stresssymptomatik, die mit einer messbar erhöhten Ausschüttung von Cortison einhergeht, weisen oft aktive Schmerzareale am Rücken auf Höhe des 1. und 2. Lendenwirbelkörpers auf, von die mit der Nebenniere über das Nervensystem in Verbindung stehen.

 

 

 

 

Abb. 1: Getestetes Schmerzmuster der LWS und Sakralregion, behandelt mit Akupunktur

Beispiele dieser Art sind in der Schmerztherapie vielfach zu finden und verdeutlichen, wie komplex die Zusammenhänge sein können.

 

 

 

Über den Körper die Seele behandeln

Glücklicherweise kommt es bei der Regulation schmerzhafter Areale mit manuellen Techniken wie der Akupunktur, Massage oder Osteopathie oft auch zu einer Stabilisierung der Situation auf sozialer und psycho-emotionaler Ebene. Sanfte Reize haben hierbei erwiesenermaßen eine bessere Wirkung als starke Reize, da sie auf das menschliche Urbedürfnis nach Geborgenheit eingehen. Die Wirksamkeit der Therapie liegt im genauen Erkennen und schonenden Behandeln des vorliegenden Schmerzmusters, das sich durch empfindliche Körperareale zeigt. Es ist, als würde ein Schlüssel zum Schloss des Schmerzes gefertigt. Mit dieser Vorgehensweise können sowohl akute Schmerzen behandelt werden als auch die nicht durch die erwähnten „Gewebsschädigungen“ erklärbaren chronischen Schmerzen.

Ein Artikel von Dominik Daling

Heilpraktiker für Chinesische Medizin

Praxis für Chinesische Medizin und regulative Schmerztherapie

Beethovenstraße, 44
33604 Bielefeld

www.bielefeld-akupunktur.de

 

 

Mehr Good News ►

Zurück