Verbinden statt trennen: Mit Schattenseiten umgehen

Mutige Heilpraktiker gefragt

Verbinden statt trennen: Mit Schattenseiten umgehen

von Conny Dollbaum-Paulsen

Zeit darüber nachzudenken, wie wir den ausdrücklichen Willen der Bevölkerung, von Heilpraktikern und anderen ganzheitlichen Gesundheitsberufler*innen behandelt zu werden, dorthin bringen, wo Entscheidungen getroffen werden. Das ist zum Glück nicht auf dem deutschen Ärztetag und auch nicht im Aufsichtsrat eines Pharmakonzerns -  da wird nur schlechte Stimmung gemacht. Entschieden wird in der Politik.

Der Deutsche Ärztetag macht ernst und will den Berufsstand der Heilpraktiker nicht nur endgültig diskreditieren, sondern am besten abschaffen, zumindest deutlich einschränken. Das ist nicht neu – als ich 1990 die HP-Ausbildung begann, stand das Verbot der invasiven Methoden schon im Raum, eine Mitschülerin brach daraufhin ihre Ausbildung ab, sie hatte Neuraltherapeutin werden wollen.

Das Wichtigste zuerst: Wer einer staatliche anerkannten Berufsgruppe angehört, also alle Heilpraktiker (!), können auf Bestands- und Vertrauensschutz in diesem Zusammenhang bauen – niemand wird die Praxis schließen müssen, weil der Berufsstand abgeschafft wird.

Zahnlose Behandler: Heilpraktiker ohne Injektionserlaubnis?

Schlimmer könnte sich der Vorschlag auswirken, den Heilpraktikern die Ausübung der sog. invasiven Methoden zu verbieten – damit fielen sämtliche Infusions-Therapien (Ozon, Sauerstoff, Eigenblut), aber auch die Blutegelbehandlung oder Neuraltherapie aus den Behandlungsspektren.
Käme die Einschränkung der Homöopathie in Verbindung mit der Forderung nach Wirksamkeitsnachweisen hinzu, die auch Spagyrik, Schüssler-Salze, Komplexmittel und natürlich die Klassische Homöopathie beträfe, wäre aus dem so freien Gesundheitsberuf ein arg gebeutelter Hilfsberuf geworden.

Es geht um Geld. Nicht um Gesundheit...

Kleine Zahlenkunde: Zwischen 1995 und 2010 hat sich die Zahl der praktizierenden Heilpraktiker verdreifacht – 2010 zählte die Gesundheitsberichterstattung des Bundes 21.924 steuerpflichtige Heilpraktiker, Tendenz steigend.

Mit anderen Worten: Der erste Gesundheitsmarkt scheint im zweiten Gesundheitsmarkt mit seinem nicht-erstattungsfähigen Segment der Naturheilkunde und Psychotherapie eine wirtschaftliche Bedrohung zu erkennen. Das schreibt natürlich niemand und laut gedacht wird es auch nicht.

Vielmehr werden Einzelfälle heilpraktischen Versagens durch die Medien gejagt, auf dass ein ganzer Berufsstand diskreditiert, beleidigt und in seiner Existenz bedroht wird. Kolportiert werden die unzureichenden medizinischen Kenntnisse, das mangelnde methodische Fachwissen und insgesamt die fehlenden Ausbildungsverordnungen.

Ja, da könnte sicher einiges modernisiert werden, das Heilpraktiker-Gesetz von 1939 spiegelt sicher nicht die Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts wider. Und nein, da muss kein Berufsstand abgeschafft werden – im Gegenteil: Gegenstand moderner Überlegungen könnte doch viel mehr sein, wie ein besseres Zusammenwirken von Ärzten und Heilpraktikern möglich wäre. Ginge es nach dem Wunsch der Patienten, würden sie diese Option wählen, das zeigen Umfragen und Untersuchungen der Krankenkassen.

Dranbleiben!

Angst und Sorge sind immer schlechte Begleiter in schwierigen Zeiten. Helfen können wir uns selbst, indem wir uns in Verbänden und Netzwerken (eines davon ist sicher das Heilnetz) zusammenschließen und für unsere Inhalte stehen. Wir sollten aktiv werden, nicht darauf warten, was uns widerfahren mag.

Wir können uns unterstützen, ermutigen, eigene tragfähige Strukturen jenseits des ersten Gesundheitsmarktes installieren, die unsere Arbeit auch denen zugänglich macht, die weniger Geld haben.

Kein Treten nach „unten“

Und wir sollten uns als ganzheitliche Gesundheitsberufler*innen auf keinen Fall auseinandertreiben lassen. Das passiert schnell, dass die Heilpraktiker sich untereinander bedroht fühlen, auch und gerade von den sektoralen Heilpraktikern für Physiotherapie und Psychotherapie. Noch schlimmer, wenn wir als diejenigen mit sog. Heilerlaubnis auf diejenigen herabblicken, die diese nicht haben – also auf Berater*innen, Coaches, KinesiologInnen oder Geistheiler*innen.

Genau da liegt unsere Chance: Über die beruflichen Ränder hinaus den Blick auf das vollständige Gewebe zu richten, in dem alle ihren eigenen Faden spinnen, welchem Berufsstand wir auch immer angehören. Und zum Glück gibt es ja immer mehr Ärzte und Ärztinnen, für die Komplementärmedizin das neue Paradigma der Medizin ist.

Dass es von Regierungsseite auch anders geht, zeigt die Schweiz, die seit Mai 2017 die Erstattung naturheilkundlicher Verfahren per Gesetz beschlossen hat und die erst 2015 dem Wunsch der Bevölkerung nachging, und den Beruf des Staatlichen Naturheilpraktikers überhaupt erst einführte.

Ein Hinweis auf ANME Association for Naturla Medicine in Europa e.V.), eine NGO, die auf EU-Ebene für die Naturheilkunde spricht:

https://www.anme-ngo.eu/de

Verbände

Verbände und Möglichkeiten, sich zu engagieren: (hier wird schon sichtbar, dass leider verschiedene Suppen gekocht werden und dadurch nicht eine Stimme in Berlin und Brüssel für uns spricht):

Dachverband von 5 großen Verbänden:

http://www.ddh-online.de/

Und dann noch:

https://www.bdh-online.de/

www.lachesis.de

Weiterführende, aktuell nicht sehr ermutigende Infos:

Ein Bericht über den Ärztetag und die Inhalte dort:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/05/25/aerzte-wollen-heilpraktiker-entmachten/chapter:1

Über den Vorschlag, Krankenkassen sollten Homöopathie nicht mehr erstatten dürfen:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-21-2017/kbv-gegen-homoeopathie-auf-kassenkosten

 

 

 

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