Subjektiv-Begeisterndes aus der Praxis

Methodeninterview: Natürlich-ganzheitliche Erstanamnese

Subjektiv-Begeisterndes aus der Praxis

von Conny Dollbaum-Paulsen

Methodeninterviews zeigen die subjektive Seite - also die Begeisterung, mit der Heilnetzer*innen ihrer Heil,- und Begleitungssarbeit nachgehen.

Susanne Schirmer aus dem Heilnetz-Hannover erzählt, warum sie von der Art der natürlich-ganzheitlichen Anamnese so begeistert ist und was sie darunter versteht.

Methodeninterview: Natürlich-ganzheitliche Erstanamnese

Was fasziniert dich am allermeisten an diesem Ansatz?
Mit anderen Worten: Womit hat sie dein Herz überzeugt?

Das allerwichtigste ist mir die Ganzheitlichkeit. Als Sozialarbeiterin hatte ich schon im Studium gelernt, dass man Menschen und Situationen ganzheitlich erfassen sollte. Jedoch blieb es ein theoretischer Begriff: Wie sollte das gehen? Mit welchem Instrument ließe sich denn diese Ganzheitlichkeit erfassen?
Durch die Begegnung mit der Klassische Homöopathie füllte sich das Wort mit Leben: tatsächlich, es ist der ganze Mensch gemeint, mit seinem Geist, den Gefühlen, den Organen und körperlichen Funktionen, den Sinneswahrnehmungen und Lebensäußerungen, Träumen, Bedürfnissen und Instinkten. Plötzlich begriff ich, dass all das, womit wir unser Leben gestalten, die kleinen Gesten, das Alltägliche, Ausdruck unserer Ganzheit ist. Ganzheit ist absolut individuell.

Langsam entstand in mir das Bild, dass jeder Mensch grundsätzlich richtig ist und seine Symptome letztlich eine Art Wegweiser sind hin zur erfüllenden Lebensgestaltung!

Im Laufe vieler Praxisjahre wurde aus der erlernten klassisch-homöopathischen Erstanamnese immer mehr ein Gespräch, das sich loslöste von den typischen Anamnesefragen. Heutzutage nehme ich die Spur des Einzelnen durch seinen Dschungel auf, folge seinen seelischen Bewegungen und erforsche mit ihm zusammen seine Innenwelten. Das bezieht sich sowohl auf psychische als auch auf körperliche Prozesse, alles aufs Kleinste miteinander vernetzt. Natürlichkeit folgt also dem begabten System des Klienten, verlässt sich auf die Sinnhaftigkeit von Prozessen.

Wie war dein erster Kontakt mit dieser Methode?
Hat sie dich direkt erreicht oder war es Liebe auf den zweiten Blick?

Mein erster Kontakt mit der Homöopathie entstand durch ein zufällig in der Bücherei aus dem Regal gegriffenes Buch. Noch am selben Tag las ich es durch und meldete mich kurz darauf zur Erstanamnese bei Ulrich Burgdorf in Göttingen an. Nach einem langen körperlichen und psychischen Leidensweg erlebte ich fast unmittelbar erste heilsame Reaktionen, die mich in mir selber stabilisierten und mir ein Gefühl von Zuversicht gaben. Nach und nach fand ich zurück zu meiner Kraft und Lebensfreude. So ergab sich mein neuer Berufswunsch, nämlich Homöopathin zu werden. Ich war es gewohnt in Konzepten die Unzulänglichkeiten einer Methode zu entdecken. In der Klass. Homöopathie habe ich bis heute, 35 Jahre später, noch keinen „Fehler“ gefunden.Im Gegenteil, immer noch tun sich mir neue Dimensionen des homöopathischen Weltbildes auf.

Was ist das besondere Geschenk gerade dieser Methode? 
Was macht sie einzigartig?

Einzigartig macht die Methode der einzigartige Patient mit seiner einzigartigen Biographie und Familiengeschichte, mit all seinen Beschwerden, Abneigungen und Vorlieben. Und einzigartig ist auch das Zusammenwirken zwischen mir als behandelndem Individuum und dem individuellen Menschen gegenüber.
Der Patient ist der Mensch, der sich am allerbesten mit sich auskennt. Indem ich über Fragen und Empathie nach und nach die Besonderheiten dieses Menschen verstehe, trage ich dazu bei, dass er sich selber zunehmend besser versteht.

Wenn du die Methode mit 5 Worten beschreiben müsstest – welche Worte würden dir einfallen?

  • Jedes Mal anders
  •  in Kontakt kommen mit sich selbst
  • ohne moralische Bewertung
  • ganzheitlich
  • hin zur Selbstentfaltung

Was passiert mit mir, wenn ich als Patientin, Klientin oder Kundin zu dir komme und du mit dieser Methode arbeitest?

Der erste Termin dauert 1,5 – 2 Stunden (bei Kindern 1 Stunde) und besteht hauptsächlich aus einem Gespräch. Wir sammeln gemeinsam alles, was drückt, belastet, schmerzt, sich nicht gut anfühlt und natürlich auch das was sich in der Vorgeschichte (auch der Familie) angesammelt hat. Aber auch die Pläne, Wünsche, Erfahrungen, Träume sind wichtig. Während dieses Anamnesegesprächs sortiert sich eine neue Sichtweise auf die eigenen Beschwerden: es wird deutlich, dass körperliche Beschwerden meist eher Warnsignale sind und v.a. die emotionalen Dinge den größten Leidensdruck ausmachen. Schon durch diesen Perspektivwechsel setzen innere Prozesse ein, die oft als wohltuend erlebt werden und den akuten Leidensdruck erheblich mindern. Es gibt wieder eine Orientierung für die nächsten Schritte.

Auf der Grundlage der natürlich – ganzheitlichen Erstanamnese empfehle ich gezielt das weitere Vorgehen, z.B.
das passendste homöopathische Einzelmittel (Simile)

  • einen Folgetermin nach 4 – 8 Wochen zur Begleitung des Entwicklungsprozesses (bei akuten Beschwerden erfolgt die Rückmeldung schon nach Stunden oder Tagen)
  • Teilnahme am Familienstellen
  • Energiearbeit wie Auflösen von Schockerlebnissen und anderen Blockaden
  • kleine natürlich-ganzheitliche Alltagsrituale (kalte Fliesen anstatt Wärmflasche für kalte Füße, die Angst zulassen anstatt sie zu bekämpfen, heißer Tee bei heißem Wetter,….)

Wo hat die Methode ihre Wurzeln? Ist das für dich wichtig oder hat es keine Relevanz?

Die Wurzeln einer solchen Anamnese liegen bei Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie. Seinen genialen Entdeckungen fühle ich mich verpflichtet und alle Methoden, die ich später erlernte, mussten den Grundregeln der Homöopathie entsprechen: Der ganze Mensch wird behandelt, die Ursache liegt in der geschwächten Lebenskraft, Symptome haben einen Sinn (dürfen also nicht unterdrückt werden), Arznei wird einmalig verabreicht und die Wirkung wird genau beobachtet, bevor eine neue Entscheidung getroffen wird.

Vielen Dank an Susanne Schirmer für diese tollen Antworten - sie sind nicht redaktionell nachbearbeitet, sondern im O-Ton.

 

 

Mehr Good News ►

Zurück