Training für Menschen in Heil- und Pflegeberufen

Menla-Training

Training für Menschen in Heil- und Pflegeberufen
(c) Menla-Training

von Conny Dollbaum-Paulsen

Menschen, die hauptberuflich hilfreich für andere Menschen sind, wie TherapeutInnen, BeraterInnnen, Coaches oder auch LehrerInnen, neigen aus verschiedenen Gründen häufig dazu, sich zu überfordern. Das extra für diese Berufsgruppe entwickelte Menla-Training kann helfen, mit diesen berufsspezifischen Fallstricken so bewusst und freundlich wie möglich umzugehen.

Im Gespräch mit Helga Wienold, einer der von Beginn an beteiligten Assistentinnen, ergeben sich folgende Fragen und Antworten:

CD: Wieso heißt das Ganze so fremdartig "Menla-Training"?
Helga Wienold: Der Wortbegriff kommt aus dem Tibetischen und bedeutet übersetzt so viel wie "Lehrer des Heilens" - damit wird die Ausrichtung auf die Heilarbeit deutlich. Ganz wichtig dabei: Obwohl die Wurzeln des Trainings im tibetischen Buddhismus liegen, ist die Arbeit selbst nicht-konfessionell und offen - man könnte sagen, dass Hilfreiches aus dem Buddhismus und westliche Psychologie eine förderliche Mischung eingehen. Menla wurde ursprünglich von zwei großen buddhistischen Lehrern, Khenpo Tsültrim Gyamtso Rinpoche und  Chögyam Trungpa Rinpoche, initiiert. Sie transformierten essentielle Meditations- und Praxisübungen aus dem Buddhismus so, dass diese für westliche Menschen, insbesondere TherapeutInnen, hilfreich eingesetzt werden können.

CD: Was können westliche TherapeutInnen von buddhistischen Lehrern lernen?
Helga Wienold: Zum Beispiel, wie sie achtsam nicht nur mit Patienten, sondern auch mit sich selbst umgehen, denn dies ist in den meisten medizinischen Berufen nicht explizit Thema. Das Menla-Training hat einen besonderen Fokus darauf, die inneren Kräfte des Einzelnen durch zunehmende Bewusstheit zu stärken. Viele Übungen haben damit zu tun, den Kontakt zu sich selbst zu üben  Das Training schult  die Wahrnehmung der eigenen Gedanken- und Gefühlswelten, die Teilnehmer werden sich ihrer individuellen Annahmen darüber, wie die Welt beschaffen zu sein scheint, bewusst. Viele Probleme entstehen ja dadurch, dass wir die Wirklichkeit nicht unmittelbar wahrnehmen, sondern diese durch die Brille unserer  erlernten Konzepte sehen. Die durch das Training entwickelte Bewusstheit kann dann beispielsweise bezogen auf übermäßige Belastungssituationen am Arbeitsplatz helfen,  innere wie äußere Umstände  differenziert wahrzunehmen und in der Konsequenz daraus angemessene  Veränderungen vorzunehmen.  

CD: Achtsamkeit ist seit einiger Zeit ein großes Thema in therapeutischen Kontexten. Spielt sie im Menla-Training auch eine Rolle?
Helga Wienold: Unbedingt, und zwar besonders im Hinblick auf den eigenen Gefühls- und Geisteszustand, der maßgeblich dazu beiträgt, wie klar und hilfreich ich im Kontakt meine Aufgabe wahrnehmen kann. Unklare Gemütszustände, die durch Überforderung oder schwierige Konstellationen entstehen, werden durch spezielle Übungsformen überhaupt als solche wahrnehmbar. So weicht das Gefühl der Ohnmacht und Überforderung, mit dem ich komplett identifiziert (und dadurch hilflos) bin, zunächst der beurteilungsfreien Erkenntnis darüber, dass die Situation so ist wie sie ist.

CD: Und wieso soll es helfen, die Situation als solche zu erkennen? Dadurch wird sie doch nicht automatisch verbessert?
Helga Wienold: Ja und nein. Je mehr ich in einer schwierigen Situation verstrickt bin, desto schneller und intensiver drehe ich mich in meinem Gedankenkarussell - das kennen wir alle. Wir neigen dazu, unsere immer gleichen Gedanken und Gefühle mit der Realität zu verwechseln. Sobald es mir gelingt, durch eine Übung zu erkennen, dass die Situation aus verschiedenen Komponenten zusammengesetzt ist, kann ich einen kleinen Schritt zurücktreten und damit die Perspektive wechseln. Dann wird mir vielleicht klar, dass mein Geist vom immer selben Gedanken gehetzt wird und mein Gefühl vielleicht Angst vor der Zukunft ist. Sobald ich dies wahrnehme, bin ich nicht mehr ganz so hoffnungslos verstrickt und kann aus dieser kleinen Distanz heraus eine neue Bewertung der äußeren Situation vornehmen. Und die sieht dann in jedem Fall anders aus als vorher.

CD: Was hat es mit dem Untertitel: "Engagiert behandeln und Herz bewahren" auf sich?
Helga Wienold: Das Herz, der gute Wille, hilfreich zu sein, spielt eine besondere Rolle. Das Herz gilt , im Osten wie im Westen, als Zentrum von Mitgefühl und liebevoller Achtsamkeit. Menschen in helfenden Berufen schützen ihr Inneres, ihr Herz, häufig vor zu viel Berührung, weil sie Angst haben, sich emotional zu überfordern. Diese Haltung wird häufig in medizinischen und psychotherapeutischen Berufen als professionelle Haltung gelehrt - sich nicht zu sehr mit den Anliegen der PatientInnen und KlientInnen zu verbinden. Im Menla-Training ist die Haltung der liebenden Güte und des Mitgefühls die Grundlage allen Heilens. Herzenspräsenz ist nicht zu verwechseln mit Distanzlosigkeit oder unbewussten Projektionen und Übertragungen im Kontakt mit meinem Gegenüber, sondern bedeutet, in liebevollem und bewussten Kontakt mit mir selbst und dem Leid des anderen zu sein. Es handelt sich um eine Art Herzens-Aufmerksamkeit, die zu entwickeln unter anderem ein Ziel des Menla-Trainings ist.

CD: Welche Rolle spielt die Gruppe beim Menla-Training?
Helga Wienold: Eine sehr sehr große. Die Teilnehmer unterstützen einander während des gesamten Trainings auch zwischen den Wochenenden und häufig auch noch darüber hinaus. Insgesamt werden alle Prozesse innerhalb der Gruppe und auch bei den Einzelnen intensiv und achtsam durch das Team, bestehend aus den sehr erfahrenen Lehrern und Ärzten Christoph Klonk und Dr. Phil Weber sowie uns als Assistenten, begleitet. Das Menla-Training ist eine Bewusstseins- und Geistesschulung, die damit verbundenen persönlichen Reifungsprozesse werden intensiv begleitet.

CD: Warum ist das Menla-Training nicht längst Bestandteil jeder Ausbildung, die mit Therapie oder Beratung zu tun hat?
Helga Wienold: (lacht)...Wir hätten nichts dagegen und es würde allen Beteiligten enorm helfen, da bin ich ganz sicher.

Für die Interviewerin ist nach dem Gespräch klar: Menla-Training muss bekannter und allen, die beratend und/ oder therapeutisch arbeiten, zugänglicher gemacht werden. Denn: Bewusste BehandlerInnen sind ein Segen für alle am Prozess der Heilung Beteiligten und damit ein Segen für die Welt.

Alle Infos unter www.menla.info

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