Das Selbsthilfeprogramm mit der Tinnitus-Atemtherapie

Maria Holl: Tinnitus lindern und zur Ruhe finden

Das Selbsthilfeprogramm mit der Tinnitus-Atemtherapie

von GastautorIn

Für Tinnitus-Betroffene gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: die Zeiten, in denen sowohl die Betroffenen selbst als auch behandelnde Therapeuten dem Phänomen Tinnitus rat- und hilflos gegenüberstanden, gehören definitiv der Vergangenheit an. Die schlechte (aber irgendwie auch wieder gute) Nachricht: Menschen mit Tinnitus müssen und dürfen ihre Therapie aktiv mitgestalten – denn die Pille, die das Ohrgeräusch einfach „weg macht“, ist immer noch nicht erfunden. Zu der guten Nachricht aber hat Maria Holl mit der Entwicklung ihrer Tinnitus-Atemtherapie und dem jetzt neu aufgelegten Übungsbuch einen wichtigen Beitrag geleistet.

Wer sich von einem Tinnitus-Ratgeber eine konkrete Anleitung verspricht, wie mit den lästigen Ohrgeräuschen anders umgegangen werden kann, außer nur darunter zu leiden, ist bei diesem Buch genau richtig aufgehoben, denn „Tinnitus lindern und zur Ruhe finden“ von Maria Holl ist vor allem eins: ein Praxis- und Übungsbuch. Und das ist auch gut so, weil es vor allem für chronisch unter Tinnitus Leidende darum geht, vom „Kopf wieder auf die Füße“ zu kommen.

Jetzt ist es mit Übungsbüchern ja immer so eine Sache: entweder kann man mit dieser Form der Selbsthilfe grundsätzlich gut arbeiten, oder aber man bevorzugt eine persönliche Anleitung und nutzt ein Übungsbuch ausschließlich als Gedächtnisstütze. Wenn es dagegen ein Übungsbuch schafft, seine Leser/innen ins Handeln zu bringen, sprich: mit dem Üben zu beginnen, ist das schon mal ein ganz dickes Plus. Und Maria Holl macht es einem wirklich recht leicht, genau das zu tun, da sie auf viele der Widerstände, die vom Üben abhalten könnten, eine einfache Antwort hat, nämlich die, dass Widerstände normal und in Ordnung sind. Allein aus dem Umgang mit Ausflüchten, die vom Tun abhalten können, spricht ein großer Erfahrungsschatz der Autorin. Dennoch: für das konkrete Üben braucht es schon Disziplin und Ausdauer.

Die Übungen selbst mögen zumindest im Rahmen der Tinnitustherapie ungewohnt bis, nun ja: eigentümlich daherkommen, vereinen sie doch einfache gymnastische Übungen, Anleihen aus dem Qigong, Meditations- und Achtsamkeitsübungen und grenzen sich damit deutlich ab z.B. von der Tinnitus-Retraining-Therapie. Und trotz oder wahrscheinlich sogar: aufgrund dieser ungewöhnlichen, aber in sich völlig stimmigen Herangehensweise ist die Wirksamkeit der im Buch vorgestellten Übungen durchaus bemerkenswert und sogar in einer Studie der Universität Regensburg nachgewiesen.

Fazit: Ein überzeugendes, in sich stimmiges Praxis- und Übungsbuch, nicht nur für Tinnitus-Betroffene, sondern auch für Therapeuten, die mit dieser Klientel arbeiten (möchten). Sehr fairer Preis, ein paar Abzüge in der B-Note (ein paar Illustrationen mehr wären nett gewesen). Spürbarer Sachverstand der Autorin. Insgesamt durchaus empfehlenswert!

Ein Artikel von Andrea Kornfeld

Heilpraktikerin, Audiotherapeutin (DSB)

Praxis für Chinesische Medizin und Naturheilverfahren

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