Mediation & Resilienz in Zeiten der Pandemie

Konflikte lösen ohne Gewalt

Mediation & Resilienz in Zeiten der Pandemie
© Pixabay

von Heilnetz-Beitrag

„Wenn wir den Schmerz und die Sehnsucht,die wir empfinden, verdrängen,berauben wir uns zweier schwerer Steine, deren Gewicht sich schließlich in tiefe Weisheit und Mitgefühl verwandeln wird.“

Joan Halifax

Wir hören aus den Medien, von unseren Bekannten oder erleben vielleicht auch bei uns selbst, wie herausfordernd es sein kann, mit Frustration und anderen Emotionen umzugehen ohne uns selbst oder andere zu verletzen. Wut, Neid, Eifersucht, Langeweile und das Gefühl von Sinnlosigkeit setzen uns zu und wir suchen nach Wegen, diese Gefühle loszuwerden. Der eine Weg wird gesteuert durch unser limbisches System, das uns die Instruktionen Flucht, Angriff oder Einfrieren zur Verfügung stellt. Dieser Weg bedeutet Gewalt gegen mich oder andere.

Der andere Weg, den ich in diesem Artikel empfehlen und behandeln möchte, ist der Weg mit Mitgefühl und Gewahrsein auf kritische Situationen zu reagieren und so Gewalt und Verletzungen zu verringern oder ganz zu verhindern.

Er beginnt mit dem achtsamen Wahrnehmen unserer Gefühle und Bedürfnisse

Von einem Segellehrer habe ich eine Lebensweisheit gelernt: „Segeln lernt man bei Windstärke drei oder vier, nicht bei Windstärke acht." Übertragen auf das Thema gewaltloser Umgang mit Konflikten bedeutet es für mich: Wenn ich den oben erwähnten zweiten, den gewaltarmen Weg gehen will, ist es sinnvoll ihn zu erlernen und solange auszuprobieren, bis ich die gewünschten Ergebnisse immer häufiger erreiche. Nach und nach werde ich dann auch in den Konflikten angemessen und nicht verletzend agieren können, die essenzielle Lebensthemen betreffen oder langandauernde Beziehungen berühren.

Die Säulen der Resilienz: Sinnhaftigkeit, Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit

Mit Resilienz bezeichnen wir die Fähigkeit, auch in Zeiten in denen wir unsere Lebensumstände als große Herausforderung erleben, uns mit unseren Stärken und Fähigkeiten zu verbinden und handlungsfähig zu bleiben oder sinnvolle Strategien zum Nähren unserer Bedürfnisse zu entwickeln.

Resilienz wird gefüttert durch Sinnhaftigkeit, Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit. Sinnhaftigkeit erlebe ich, wenn sich meine mir wichtigsten Werte in meinem Alltag, meiner Arbeit und meiner Umgebung verwirklichen lassen. Selbstwirksamkeit ist dann gegeben, wenn ich Strategien entwickeln kann, die sich überwiegend durch meine Handlungen umsetzen lassen. Dabei sind meine Werte und meine Bedürfnisse zentrale Bezugspunkte. Zugehörigkeit wird dann lebendig, wenn ich auf Menschen treffe, die meine Bedürfnisse und Werte verstehen und respektieren, weil sie ihnen durch ihre eigene Erfahrungswelt vertraut sind.

Das Hören und Verstehen von Bedürfnissen ist nicht gleichbedeutend mit einer Zustimmung zu den Strategien, mit denen ich oder andere versuchen, ihre Bedürfnisse zu nähren. Es bedarf in jedem Fall eines kritischen Diskurses und der Verhandlung, um Strategien herauszuarbeiten, die von den meisten Menschen aus meinem Umfeld akzeptiert werden.

Das Hören und Verstehen sind die wichtigsten Eigenschaften, die ich erlernen und vertiefen kann, wenn ich meine Resilienz verbessern will, wobei diese Fähigkeiten sowohl auf mich selbst wie auch auf meine Gesprächspartner angewandt werden.

Nicht der Glaube daran, dass am Ende alles gut wird, sondern die Sinnhaftigkeit meines Tuns ohne auf das Ergebnis zu schielen, gebiert Vertrauen. Der Sinn offenbart sich, wenn ich wage zu vertrauen und loszulassen, wenn ich aufhöre nach dem Warum zu fragen und mich entscheide zuzuhören.

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu nähren heißt, sich auf den Wunsch der Verbundenheit einzulassen, zu erforschen was Verbundenheit für mich bedeutet. Zu erkennen, dass ich loslassen muss, meine Hände und meine Arme öffnen muss, wenn ich mich mit dem anderen verbinden möchte. Es bedeutet den anderen vollständig so zu sehen und zu akzeptieren, wie er oder sie sich gerade darstellt.

Beim Umgang mit Wut, Frustration, Neid, Eifersucht oder irgendeiner anderen Emotion geht es in keinem Fall darum sie zu verdrängen, zu leugnen oder zu verurteilen, sondern die Energie wahrzunehmen und gleichzeitig dem Wunsch sie auszuagieren nicht nachzugeben. Ich habe die Wahl zu agieren und ich bin mir bewusst, dass das Ausagieren von Wut weitere Gewalt in die Welt bringt. Gelingt es uns innezuhalten, können wir realisieren, dass hinter den Emotionen Bedürfnisse liegen. Wenn wir lernen mit diesen Bedürfnissen umzugehen, können wir Wege finden, die weniger oder gar keine Gewalt beinhalten.  

Mediation ist ein solches Verfahren, das in der Lage ist Gewalt aus der Bearbeitung von Konflikten zu entfernen.

Ein Artikel von Cornelia Timm & Kurt Südmersen

ORCA-Institut

Schubertstr. 9
32545 Bad Oeynhausen

www.orca-institut.de

Zum Profil von ORCA-Institut
 

Hinweis der Heilnetz-Redaktion

Unter der Bezeichnung "Heilnetz-Beitrag" werden Audios, Videos und Wortbeiträge von Heilnetz-Anbieter*innen veröffentlicht. Sie bereichern die Redaktion auf natürlich-ganzheitliche Art und Weise. Diese folgen dem journalistischen Pressekodex, basieren jedoch unter Umständen auf persönlichen Haltungen und Einstellungen der Autor*innen, die nicht unbedingt mit denen der Heilnetz-Redaktion übereinstimmen - gerade das macht die Vielfalt und den Reichtum aus.

Weitere interessante Artikel in der Rubrik "Gemeinsam heilsam"

Gemeinsam mehr erreichen

Naturheilpraxis ohne Grenzen in Bielefeld

Von einer, die auszog, Brunnen zu bauen


Das könnte Sie auch interessieren Tag: #Resilienz

Resonanzsinn

Der lebendige Funke

Mein Resilienz-Tagebuch

Hilfreich. Praktisch. Machbar.

Therapeutisches Bogenschießen

Ein archaischer Weg - in zeitgemäßer Umsetzung

Zurück

 
 
Es geht sofort weiter.
Danke schön für's Warten.