Was tun mit schlechten Nachrichten?

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Was tun mit schlechten Nachrichten?

von Conny Dollbaum-Paulsen
(letzte Überarbeitung: 21. November 2023)

65% der Menschen in Deutschland vermeiden immer häufiger, sich dem nicht endenden Strom schlechter Nachrichten auszusetzen (Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2023). Doomscrolling ist das moderne Wort für die Überflutung mit schlechten Nachrichten, die wir uns Tag für Tag vor allem online zuführen.

Doom, das englische Wort für Untergang, verbindet sich unheilsam mit der Tätigkeit des Scrollens – heraus kommt die unheilsame Angewohnheit, Infos aller Art per Daumenbewegung unbegrenzt und unsortiert zu konsumieren. https://de.wikipedia.org/wiki/Doomscrolling

Wir setzen uns freiwillig und ausdauernd einer Beschreibung diverser verhängnisvollen Ereignisse rund um den Globus aus. Tag für Tag. Im schlechtesten Fall mehrere Stunden am Tag. Auf diese Weise formt sich „die Welt da draußen“ als Schreckensort, in dem von allen Seiten Gefahr droht. Ohnmachtsgefühle, Ängste, Depression sind die Folgen, wir haben das Gefühl, dass sich ALLES, egal wo wir hinschauen, zum Schlechten wendet, ohne dass wir Einfluss hätten. Das ist ein Besorgnis erregender Gemütszustand, mit dem immer mehr Menschen zu kämpfen haben, der negativ-selbstwirksam ausgelöst wird durch....Doomscrolling...

Die Alternative: Augen zu und nur noch schön?

Diametral entgegengesetzt handeln Menschen, die jede Art von Nachricht verweigern – keine Zeitungsmeldung, keine Tagesschau, keine Nachrichtenkanäle dringen durch, weil die Wucht der Krisen in Verbindung mit medialer Aufmachung, die das Negative betont, nicht zu verarbeiten ist. Zahlreiche Studien zeigen: sich vom Weltgeschehen abzukoppeln ist eine Gefahr für demokratische Prozesse und auch keine gute Idee. Das Unbehagen wird dadurch ja nicht wirklich behandelt – im Gegenteil, das Unwägbare der Geschehnisse macht sich im Schatten breit, denn wir wissen alle: niemand von uns entgeht dem, was in der Welt passiert. Die einzige Chance die wir haben ist, so wach wie möglich und für uns selbst verkraftbar damit umzugehen.

Ob Nachrichtenflut oder Nachrichtenverweigerung – so richtig heilsam scheint beides nicht zu sein. Wie immer, wir kennen das aus vielen anderen Zusammenhängen, könnte ein mittlerer Weg eine Alternative sein. Nur: was ist hier ein mittlerer Weg? Jeden zweiten Tag doomscrollen, jeden zweiten Tag Nachrichten lesen?

Konstruktiv, mehrperspektivisch, zeitlich begrenzt

Studien zufolge ist es wichtig, negative und positive Nachrichten gleichermaßen aufzunehmen - was nicht immer einfach ist, denn Medien leben von der schlechten Nachricht. Aber natürlich gibt es gute Möglichkeiten, den eigenen Mix herzustellen, z.B. mit dem Lesen einer regionalen Zeitung; da gibt es das meist belastende Weltgeschehen auf der Titelseite und die tollen Initiativen und Verbundenheiten direkt um die Ecke im Lokalteil. Oder aber, siehe unten, wir wählen direkt verschiedene Medien mit unterschiedlichen Ausrichtungen aus, so dass eine gut verdauliche Melange entsteht. So bleibt der Blick wach für gesellschaftliche Bedrohungen und Krisen UND gleichzeitig nähren wir das bewusste Erleben von Freude und positiver Energie, ausgelöst durch Infos über die vielen guten, positiven, freundlichen Aktivitäten nah und fern.

Gedanken dazu, subjektiv und keinesfalls vollständig

  • Nachrichten auf Papier gedruckt zu lesen ermöglicht mehr Distanz, als digitale Schlagzeilen, die dann auch noch per Video verstärkt werden – die gute alte Tageszeitung hat viele Vorteile, zumal Infos über Regionales die Nachbarschafts-Idee fördert

  • Nachrichten nicht zwischendurch scrollen
    15 Minuten Nachrichtenkonsum am Tag sollte reichen, um informiert aber nicht überbeansprucht zu sein

  • Nachrichten nur zu bestimmten Zeiten konsumieren
    Nicht zum Tagesbeginn (weg mit dem Radiowecker und dem Handy am Bett), nicht vor dem Schlafengehen, nicht während der Mahlzeiten

  • Nachrichten „verdauen“
    Zum Beispiel, indem wir darüber mit anderen sprechen oder schauen, wie in anderen Medien dazu berichtet wird – der aktive Umgang damit sorgt für geringere Stressreaktionen. Und, ganz nebenbei, für verschiedene Perspektiven.

  • ein Medium wählen, das so neutral wie möglich Bericht erstattet
    Dazu gehören große Tageszeitungen ebenso wie Wochenzeitungen – dort sitzen Redaktionen, die sich professionell mit Auswahl und Art und Weise beschäftigen. Das mag nicht immer gut gelingen, aber der Auftrag der unabhängigen Berichterstattung wird von den allermeisten Journalist:innen sehr ernst genommen.

  • Konstruktiven Journalismus suchen und finden – dabei geht es nicht darum, nur gute Nachrichten zu verbreiten, sondern darum, „den ganzen Scheiß“ so zu behandeln, dass daraus Besseres entstehen kann. Viele Themen und Probleme werden an vielen verschiedenen Orten der Welt konstruktiv angegangen – darüber zu berichten heißt: wir sehen, dass da was nicht gut läuft und wir wissen, dass es besser werden kann.

    Positiven Journalismus suchen und finden:

Das ist eine winzige Auswahl, schau selbst, wo Du Informationen bekommst, die Dein Herz freundlicher und Deinen Geist freidlicher machen; mir scheint, diese beiden Entwicklungen könnten ein guter Test sein...

Eher zu meiden...alles, was nur eine Farbe hat

  • Nachrichtenformate (Print ebenso wie digital), die polarisieren...
    Die aggressive Schlagzeilen und Bildmaterial nutzen, die die Welt in Gut und Böse, Schwarz und Weiß unterteilen und „den Anderen“, das können Juden, Muslime, Grüne, Veganer:innen oder alle zusammen sein, Schuld an dem zu geben, was gerade schwierig ist

  • Kanäle jeder Art meiden, in denen sich ein einzelner Mensch zum Welterklärer aufschwingt
    Einzelne Menschen haben eine Meinung, sind aber nicht geeignet, uns die Welt zu erklärenEine einzelne kleine Menschendimension macht eben nicht die Welt.
    Redaktionen haben die wichtige Aufgabe, krasse Ausfälle an die Außenränder in Schach zu halten. Wichtig ist dabei, dass die Redaktions-Teams sich dem Presse-Kodex, den ethischen Standars für Journalist:innen anschließen, wie dies natürlich alle öffentlich.rechtlichen Medien tun: www.presserat.de/pressekodex. Die Welt ist komplex...einfache Lösungen sind leider nicht zu haben

  • Medien, die Worte wie Lügenpresse benutzen
    Wer in einem demokratischen Land Medien und Politiker:innen verunglimpft, bedroht und beschimpft, sollte nicht gelesen werden. Wer zu aggressivem Handeln aufruft, sollte keine Unterstützer:innen haben. Nie. Egal um wen es sich handelt. Auch und gerade, wenn die Verhältnisse schwierig sind, kann Gewalt (auch sprachlich) niemals eine Lösung sein.

Dialogisch hören und sprechen

Und vielleicht ist die beste Medizin gegen Verzweiflung und Ohnmacht, unsere Überforderung  mit anderen Menschen zu teilen – dabei geht es nicht um gemeinsames Jammern, sondern um herzvolles Zuhören, darum, unseren Schmerz zu teilen. Und dann gemeinsam zu schauen, was jetzt gerade in diesem unseren kleinen großen individuellen Erleben positiv, erfreulich und einfach gut ist.

Und nicht zu verzweifeln..

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