Symbol der Unendlichkeit

Heilkraft der liegenden Acht

Symbol der Unendlichkeit
© Pixabay

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

Die liegende Acht, – auch Lemniskate genannt, – hat weder Anfang noch Ende. Sie symbolisiert die Unendlichkeit und das Leben, das ständig in Bewegung, in Schwingung und Veränderung ist. Spezielle Übungen verschiedener Methoden nutzen die energetische Kraft der liegenden Acht für Heilungsprozesse.

Der jüdische Religionswissenschaftler Yuval Lapide schreibt in seinem Buch „Das Herz der Kabbala": „Die Acht gilt als die Zahl der Unendlichkeit. ... Betrachten wir die Zahl Acht in aufrechter als auch in liegender Form, so erkennen wir darin eine harmonische Schwingung; es ist eine Bewegung, die, ähnlich dem unentwegten Ein und Aus des Atmens, in ihrem Schwingen zwischen zwei Polen eine innere Mitte definiert, diese ausgleicht und integriert."

Liegende Acht in der Traditionellen Tibetischen Medizin

In der Tibetischen Medizin gilt die Massage als fester Bestandteil, deren Grundelement Streichbewegungen in Form einer liegenden Acht (tibetanische Acht) sind, die die Energie ins Fließen bringen und eine ausgleichende und verbindende Wirkung haben soll.

Bei kleineren Verletzungen kann die tibetische Acht ganz leicht selbst angewendet werden, um Schmerzen zu lindern und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dazu wird einfach für einige Minuten ca. 5 cm über der verletzten Stelle mit der Hand eine liegende Acht gezeichnet. Dies kann bei Bedarf mehrmals wiederholt werden. Hinter dieser Form der Anwendung steckt die Überzeugung, dass eine Verletzung oder auch Krankheit nicht nur den physischen Körper irritiert, sondern auch unsere Energiesysteme, die mittels der liegenden Acht wieder in Balance gebracht werden sollen. Dieses Heilungsprinzip gilt auch für psychische Verletzungen, die zunächst im Körper (auf)gespürt und verortet werden, um schließlich entsprechend den Anweisungen behandelt zu werden.

Edu-Kinesthetik & Brain Gym - Übungen mit der liegenden Acht

Auch in der Edu-Kinesthetik, ein Bereich der pädagogischen Kinesiologie, die auf der „Angewandten Kinesiologie” beruht und von Dr. Paul Dennison entwickelt wurde, wird die Wirkkraft der liegenden Acht genutzt. Spezielle Übungen mit der liegenden Acht sollen das Zusammenspiel der rechten und linken Hirnhälfte fördern und deren Verbindung durch das Corpus callosum stärken, um Konzentrations-, Koordinations- und Lernprobleme zu beheben. Zu diesen Übungen zählen das Zeichnen und mehrmalige Nachzeichnen einer liegenden Acht sowie das Ablaufen einer liegenden Acht auf dem Boden sowie das „Malen“ einer liegenden Acht mit den Augen oder der Nasenspitze in der Luft – immer in beide Richtungen! Die Übungen können, – zum Beispiel bei Kindern, – spielerisch angewendet und je nach Bedarf ausgebaut und verändert werden.

Liegende Acht in der EMDR-Traumatherapie

Auch in der seit den 1980er-Jahren bekannte Therapieform EMDR zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen kommt die liegende Acht zum Tragen. Das Kürzel EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, übersetzt, Desensibilisierung und Aufarbeitung mithilfe von Augenbewegungen. Die Technik ist mit der Methode der Kinesiologie vergleichbar, auch wenn sie über diese hinausgeht.

Bei der Anwendung der liegenden Acht in der EMDR Traumabehandlung konzentrieren sich die Betroffenen zunächst auf die traumatische Erfahrung und berühren dann ihre Stirnhöcker, die sich etwa auf halber Höhe zwischen Pupille und Haaransatz befinden. Dann werden die Augen in Form einer liegenden Acht bewegt und die Betroffenen sprechen wiederholt einen erlösenden Satz wie: „Ich bin von diesem Erlebnis befreit.“, „Ich bin voll Vertrauen.“ oder „Ich liebe mich selbst wie ich bin.“

Liegende Acht in der Phyllis Krystal Symbolarbeit

In den späten 1950er-Jahren entwickelte die britische Dozentin und Psychotherapeutin Phyllis Krystal (1914 – 2016) eine einfache, ganzheitliche Selbstheilungsmethode, die u. a. die Visualisierung von Symbolen und damit verbundenen Ritualen beinhaltet. Ihr Therapieansatz hat zum Ziel, Menschen die Angst zu nehmen, sich von überkommenen Verhaltens- und Gedankenmustern, Rollen und hemmenden Bindungen zu befreien. Zu den angewendeten Symbolen zählt auch die liegende Acht. Eine eindrucksvolle Einweisung in die Arbeit mit der liegenden nach Phyllis Krystal auf YouTube gibt Krista Bouille, Heilpraktikerin für Psychotherapie, deren therapeutische Arbeit bis heute die Phyllis Krystal Methode zum Schwerpunkt hat.

Bedeutung und Symbolik der Zahl Acht

Die symbolische Betrachtung der Zahl Acht ist vielfältig und findet sich in vielen Religionen, Mythen, Sagen und Märchen, sei es als achtstrahliger Morgenstern, der die antike Göttin Ischtar symbolisiert, oder in der altägyptischen Götterlehre der Achtheit von Hermopolis Magna, laut der vor Entstehen der Welt acht Gottheiten als personifizierte Urkräfte herrschten. Im Buddhismus führt der achtfache Pfad zur geistigen Befreiung, im Hinduismus der achtgliedrige Pfad des Patanjali (Yoga-Sutra).

Die Etrusker kannten acht Weltzeitaltern, die frühchristlichen Gnostiker acht Himmelssphären und in der chinesischen Zahlensymbolik gilt die Acht als Glückszahl. Im bekannten „Symposion“ von Platon verfügen die Kugelmenschen über insgesamt acht Extremitäten und in der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters gilt die Acht als Zahl des glücklichen Neuanfangs und der geistigen Wiedergeburt sowie als Zahl der Taufe und Auferstehung.

Acht Menschen finden Rettung auf der Noahs (1. Mose 6). Außerdem bringt die Zahl Acht im Judentum zwei scheinbar unvereinbare Welten durch die geheimnisvoll verbindende Kraft Gottes zusammen: In ihr berühren sich Diesseits und Jenseits. Wenn der Mensch diese Schwelle überschreitet, tritt er in das Ewige ein.

Ein Artikel von Martina Seifert

Freie Autorin, Text, Lektorat

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33617 Bielefeld

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