In Kooperation mit der Buchhandlung Lebensbaum

Analog ist das neue Bio

In Kooperation mit der Buchhandlung Lebensbaum

von Conny Dollbaum-Paulsen

Wenn Sie diese Rezension lesen, sind sie digital unterwegs – zumindest jetzt gerade, denn diese Besprechung gibt es nur hier – online. Allerdings haben Sie vielleicht die Kurzrezension in einer kleinen feinen, durch und durch analogen Buchhandlung in Bielefeld gefunden und sich entschieden, den Schritt von analog zu digital zu machen.

Voila:
Andre Wilkens hat ein tolles Buch geschrieben. Er ist digital begeistert, technisch affin, gut vernetzt und außerdem ein echter Fan analogen Lebens. Also eine Art Mischling: modern und konservativ, vernetzt und benachbart, denkend und handelnd.

 

Der Titel: Was Bio und Analog gemeinsam haben

Die Industrialisierung der Lebensmittelherstellung führte nach dem Weltkrieg ab den 1950iger Jahren zu Erstaunlichem: Lebensmittel wurden immer billiger, immer verfügbarer, immer variantenreicher und immer stärker verarbeitet. Aus Lebensmitteln wurden Industrieprodukte. Berge von Fruchtzwergen, die nie einen Apfel gesehen haben, prägen das Geschmacksempfinden vieler Kinder, die im Anschluss leider keine Äpfel mehr mögen…Die Antwort war, schon in den 20iger Jahren mit Rudolf Steiner beginnend, eine Rückkehr zu natürlichen, direkt verwerteten Naturprodukten: Bio war geboren.

Die beste Nachricht: Aus Hippie-Spinnereien und selbstgestrickten Bioladen-Tüten wurde Mainstream – weil eine immer größer werdende Zahl von Menschen keine Lust hatte, sich von einer Industrie den Geschmack vom Teller nehmen zu lassen…

Und genau das könnte mit Digital auch passieren – wir werden wählerisch, wir gehen lieber analog einkaufen, schreiben Briefe an Menschen, die uns etwas bedeuten und E-Mails nur dann, wenn es sein muss und wirklich sinnvoll ist. Wir gehen bewusster mit unseren Daten um, kümmern uns um analoge Lebensweisen – wenn das mal keine gute Idee ist.

 

Der digitale Beipackzettel

Digital scheint alles lösen zu können: den Klimawandel durch intelligente Maschinen, alle Gesundheitsfragen durch smarte Diagnose- und Therapieprogramme, Gewichtsprobleme durch Fitness-Apps und Geschenkfragen durch die Empfehlungen von Amazon und Co.

Ja, manches davon stimmt sicher. Wie bei jeder Droge, und Digital ist auch eine Art Droge, gibt es erwünschte Zustände, z.B. scheinbar kostenloses Skypen mit Freunden in Australien. Und weniger erwünschte Nebenwirkungen, z. B. Vereinsamung durch eine Überdosis. Weitere Folgen der Digital-Droge sind heimliches Datensammeln, die Überwachung der Nutzer, die Beeinflussung des Verhaltens aller Nutzer durch ausgeklügelte Algorithmen, die Vernichtung vieler Jobs und, am schlimmsten, die 100%ige Abhängigkeit von smarten Geräten.

Die Wunderwelt der digitalen Lösungen hat viele Schattenseiten und ist nicht frei von Nebenwirkungen.

 

Nicht nur denken…Handeln!

Andre Wilkens hat jede Menge Fakten gesammelt, informiert, macht nachdenklich über den Stand der digitalen Welt  mit uns als analogen Anachronismen namens Mensch mittendrin.

Er ist aber kein Jammerlappen, sondern beschenkt die LeserIn mit Ideen von A-Z, wie wir dem digitalen Wahn Analoges entgegensetzen, …besser: analog reicher werden können.

Er regt an und inspiriert, z.B. analoge Büroregeln zu finden (kein Smartphone in der Mittgaspause oder der Analog Friday, mehr zu basteln, bar zu bezahlen, Freunde in echt zu treffen, sich zu konzentrieren und zu lesen statt zu scannen, empfiehlt, Orte wirklich zu besuchen, quer zu denken…und und und

Das ist tatsächlich nur ein kleine Auswahl seines durch und durch analogen Ideenreichtums – schon dafür lohnt sich, das Buch zu kaufen. Gern übrigens als E-Book J.

 

Das Manifest für ein menschliches Leben

In der Zusammenfassung am Schluss des Buches kommt alles zusammen: der digitale Nutzen, das analoge Menschsein und das Experiment darin, beides so zu verbinden, dass die Welt ein bisschen besser, also: menschlicher wird.

Die Idee, Suchmaschinen nicht als Unternehmen zu erlauben, sondern in öffentlich-rechtliche Hand zu geben und Facebook gemeinnützig wie Wikipedia zu führen sind revolutionär. Und sie zeigen, was alles geht digital, wenn wir analog bleiben wollen.

Ganz davon abgesehen, dass zutiefst Menschliches wie Kreativität, Schönheit und Sinn niemals digitalisiert, sondern nur analog initiiert werden können.

 

Die Empfehlung für Nerds und Normale

Wer wissen will, wie es aktuell so steht ums Digitale und wie wir versuchen können, darin gut klarzukommen gilt: Unbedingt kaufen und sehr gern verschenken.

Andre Wilkens
Analog ist das neue Bio
Metrolit-Verlag

 

BielefelderInnen erhalten das Buch zum Preis von 18 Euro  vor Ort in der Fachbuchhandlung Lebensbaum, Neustädter Straße 13, 33602 Bielefeld oder können es dort telefonisch unter der Festnetznummer 05 21 / 6 80 60 bestellen (zuzüglich Versandkosten). Zudem kann das Übungsbuch auch bei buch7.de, dem Buchhandel mit sozialer Seite, online bestellt werden (ohne Versandkosten).

 

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