Maria Magdalena und Jesus auf dem Großrelief

Germanischer Schamanismus II

Maria Magdalena und Jesus auf dem Großrelief
© Kaja Otto

von Conny Dollbaum-Paulsen

Die offiziell als Maria gedeutete Frau im oberen, an der deutlich geringeren Verwitterung erkennbar neueren Relief mit der Kreuzabnahme trägt das gleiche mehrreihige Halsband der Göttin (ebenfalls mit Lupe auch auf dem verkleinernden Foto deutlich sichtbar) wie die Priesterin im unteren Relief und ist insofern ebenfalls Priesterin, kann insofern nur Maria Magdalena als Partnerin von Jesus sein. Maria Magdalena war Priesterin der ägyptischen Göttin Isis, die verbreitet und bis ins 5. Jahrhundert n.Chr. auch bei Griechen und Römern verehrt wurde. Der Isis-Kult gelangte mit römischen Legionären bis nach Britannien und zu den Germanen.

Isis war wie die germanische Göttin Frija Göttin der Ehe und Mutterschaft, konnte wie Frija mit Falkenflügeln fliegen und wurde ganz überwiegend mit mehrreihigem Halsschmuck dargestellt, auf dem Kopf trug sie die Kuhkrone mit der Sonnenscheibe – die Wesensmerkmale Ehe und Mutterschaft,  Fliegen mit Falkenflügeln sowie die hervorgehobene Verbindung mit der Sonne sind Parallelen zwischen Priesterin und  Göttin im germanischen Relief und Priesterin und Göttin im oberen Relief.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die vorausgehend zitierte intensivste Sonnenenergie in der Höhle neben den beiden Reliefs, an die Ausrichtung der Öffnungen dieser Höhle sowie des Sonnenloches auf den Mittsommersonnenaufgang und an die hochaktive Sonnenenergielinie zum mit der Cheopspyramide überbauten uralten Wallfahrtsort der Isis auf dem Gizeh-Plateau.

Von den Externsteinen nach Chartre

Eine weitere Energielinie verbindet die Externsteine mit Chartres, wo die Tempelritter die Kathedrale Notre-Dame mit dem Fenster der Maria-Magdalena erbauten, das die für ihre Beziehung mit Jesus zentrale Salbungsszsene zeigt.

Vermutlich wurde Maria Magdalenas Kopf weggeschlagen, weil er sie deutlich erkennbar machte, und wurden ihr rechter Unterarm und Jesu linker Arm weggeschlagen, um unkenntlich zu machen, dass sie bei seinem Aufstieg seine Hand hielt. Das Dreieck, das die Reste ihrer Arme bilden, macht das wahrscheinlich. Dass es Maria ist, die als Mutter Jesu bei der Kreuzabnahme eine mehrreihige Halskette trug, wäre völlig unpassend und ist entsprechend auf keiner Darstellung je zu finden. Die starke Neigung des Halses von Maria Magdalena hin zum Kopf von Jesus macht wahrscheinlich, dass sie sein Scheitelchakra küsste, während Jesus in die himmlische Sphäre zwischen Sonne und Mond aufstieg und dort nur im Profil sichtbar ausschließlich ihr zugewandt ist, nur auf sie sieht und mit überlangen (!)  Zeige- und Mittelfingern nur auf sie zeigt. In seinem anderen Arm hält er eine Fahne.

Nach offizieller Deutung stellt diese Figur nicht Jesus, sondern „Gott Vater, das Heilsgeschehen segnend“ dar. Dessen angemessener Platz müsste allerdings mittig sein. Auch wäre er sicher nicht als Fahnenträger dargestellt worden und würde sicher segnend nicht nur auf Maria (offizielle Deutung), sondern auf das gesamte Geschehen einschließlich des Evangelisten Johannes, Nikodemus und Joseph von Arimathia weisen.

Jesus und Maria Magdalena

Das kleine Kreuz an der Spitze der Fahnenstange entspricht dem Tatzenkreuz der Tempelritter. Auch der Heiligenschein von Jesus hat die Form eines Tatzenkreuzes und der Fuß und die Querbalken des Kreuzes enden in Tatzenform. Auf diese Weise sicherten die Tempelritter die Identifikation des Reliefs als ihr Werk und ihre Überzeugung auch über die Auflösung ihres Ordens, Verfolgungen und Ermordungen hinaus. Die hier dargestellte Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena entspricht der Überzeugung der Tempelritter.  Der heilige Bernhard de Clairvaux, der Patron der Tempelritter, nannte in einem seiner Werke Maria Magdalena ausdrücklich „die Braut Christi“, die für die Tempelritter das weibliche Prinzip der Weisheit, die Sophia versinnbildlichte. Deshalb wurde Maria Magdalena  im mittelalterlichen Frankreich und Flandern auch im Volksmund „Notre Dame de Lumière“ (Unsere Herrin der Lichts) genannt (wieder ein Bezug zur intensiven Sonnenenergie dieses ersten Felsens der Externsteine).

Dr. Renate Otto-Walter, Soziologin, Gesprächspsychotherapeutin i.R   
renateottowalter@yahoo.de 

Dieser Text ist Teil 1 einer Kurzfassung ihres in der Ausgabe 78 /März 2019 der Zeitschrift für  Wissenschaft, Politik & spirituelle Kultur Tattva Viveka veröffentlichten Artikels "Germanischer Schamanismus und die heiligen Paare auf den Großreliefs an den Externsteinen“. Die erweiterte Fassung sendet sie auf Anfrage zu.

Vielen Dank an die Autorin für die freundliche Überlassung des Textes, die weiteren Inhalte folgen.

Ein Artikel von Renate Otto-Walter


 

 

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