Dokumentarfilm: Wo ist Gott?

Dokumentarfilm: Wo ist Gott?
© Arsenal Filmverleih

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

„Wo ist Gott?“, diese Frage stellt die Filmemacherin Sandra Gold in ihrem gleichnamigen Dokumentarfilm vier Menschen, die sich einer der großen Weltreligionen zugehörig fühlen. Im Mittelpunkt des meditativen Films, der seit Dezember 2022 in den deutschen Kinos läuft, steht die persönlich erfahrbare Begegnung mit dem Göttlichem.

Zutiefst menschliche Erfahrungen

Was bewog Sandra Gold der existentiellen Frage „Wo ist Gott?“ nachzugehen? In einem Interview nennt die Regisseurin ihre „extreme spirituelle Erfahrung“ als Auslöser, die „das Größte, Radikalste und Schönste, was ich je in meinem ganzen Leben erlebt habe“ gewesen sei. Doch erst die Arbeit am Film habe ihr verdeutlicht, dass dieses spirituelle Erlebnis eine zutiefst menschliche Erfahrung sei, die einen radikalen Perspektivwechsel erwirke und jedem Menschen zuteilwerden könne. (Quelle: kath.ch)

Die spirituelle Suche, ein existentieller Prozess

Ihre Suche nach Bildern und Worten für etwas, was sich letztlich nicht abbilden oder sprachlich ausdrücken lässt, führt sie zu vier Menschen, die sich jeweils einer der vier großen Weltreligionen zugehörig fühlen. Gold begleitet und interviewt sie in ihrem Alltag und auf ihren Reisen. Die Protagonist*innen erzählen von ihren spirituellen Erfahrungen, ihren Zweifeln und innerem Ringen sowie von den Schwierigkeiten, ihre außergewöhnliche Erfahrung in den Alltag hineinzunehmen. So dürfen wir als Zuschauer*innen an diesem zutiefst existentiellen Prozess teilhaben, in dem sich jede und jeder Einzelne wiederfinden kann.

Das Göttliche, ein ewiges Mysterium

Einer der Protagonisten ist Süleyman Wolf Bahn, der gleich zu Beginn des Films sein Gottesverständnis mit den Worten auszudrücken versucht: „Wir sagen, dass jeder Mensch mit Gott seine ureigene Verbindung hat, die nur Gott kennt und er, sonst niemand.“ Diese Anschauung findet sich bei allen Interviewpartner*innen wieder. Seine innere Suche führte ihn vor vielen Jahrzehnten nach Konya in Zentralanatolien, der Wirkungsstätte des islamischen Mystikers und Dichters Mevlana. Dort traf er auf seinen „Scheich“ und Lehrer, der ihn in die Lehren des großen Mystikers einweihte, und ihm den Weg zur Liebe offenbarte. Letztlich aber ist und bleibt Gott für den Derwisch und Scheich des sufischen Mevlevi-Ordens ein unergründliches Mysterium.

Und immer wieder die Liebe...

Anschließend treffen wir auf die Ikonen-Malerin und Autorin Schwester Veronika Elisabeth Schmitt, einer Karmeliterin, die im Kloster Dachau lebt. Wir nehmen an ihrem Alltag und spirituellen Übungen teil, dem Gebet und Singen mit den anderen Schwestern. Ihre mystische Erfahrung veränderte ihr Leben komplett: Sie trat ins Kloster ein, obwohl sie diesen Schritt nie in Erwägung gezogen hatte. Auch für Schwester Veronika Elisabeth Schmitt bleibt Gott ein großes Geheimnis, ein lebenslanger Weg der Liebe und des Geistes, - und die Liebe sei das Verbindende zwischen allen spirituellen Traditionen, betont die Karmeliterin.

Ein Gefühl absoluter Freude

Gabriel Strenger, Psychologe, Autor, Sänger und Lehrer, setzt sich aktiv für den interreligiösen Dialog ein und verbindet jüdische mit fernöstlicher Meditation. Er lebt in Jerusalem und erforscht den Konnex zwischen jüdischer Spiritualität und dem Ideengut der Psychoanalyse. Strenger bezeichnet das Göttliche als ein Geheimnis, das er als sein „Zuhause“ erfahre, und als das „innere Gefühl absoluter Freude“. Gleichzeitig erlebt er Religion als ein Spannungsfeld zwischen „Ultra-Angst und Ultra-Liebe“. Erzählungen seiner Mutter haben sein Gottesbild tief erschüttert, denn „wo war Gott in der Shoah?“ Eine Antwort bleibt aus.

Unendliche Weite

Die evangelische Theologin und Zen-Meisterin Doris Zölls beschreibt ihre spirituelle Erfahrung als „unendliche Weite“. Sie erfährt den Sinn des Lebens darin, das zu lieben, was sich gerade zeigt. Alles sei vergänglich, wie die Anhäufung von Materie, bedeutende Werke oder auch eigene Kinder. Dabei unterscheidet sie nicht zwischen sich und anderen, denn „das andere bin ich.“ Was alle vier an der Dokumentation Beteiligten eint, ist eine tiefe innere Gelassenheit, ohne dass Konflikte ignoriert werden.

Fazit

„Wo ist Gott?“, ist ein Film, der zum interreligiösen Dialog einlädt und an die Liebe appelliert, an die Menschlichkeit und die tiefe Dankbarkeit für das Leben, - ganz ohne belehren zu wollen. Die Interviewpartner*innen lassen uns teilhaben an ihren Gedanken zu ihren spirituellen Erfahrungen, während poetische, meditative Bilder versuchen, das Unaussprechliche zu berühren. Das kann manchmal vielleicht etwas herausfordernd sein, wenn wir uns der spirituellen Welt nicht verbunden fühlen. Ob „Wo ist Gott?“ uns Antworten liefern kann, hängt davon ab, inwieweit wir uns auf diese existenzielle Frage einlassen wollen.

Sandra Gold studierte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg/Breisgau und arbeitet seit 2009 für das Bayerische Fernsehen. Der 104-minütige Film „Wo ist Gott?“ vom Arsenal Filmverleih entstand in Zusammenarbeit mit dem Bayerischem Rundfunk (BR) und dem Schweizer Rundfunk (SRF) und wird seit dem 15. Dezember 2022 bundesweit in ausgewählten Kinos gezeigt. Der Trailer zum Film steht auf YouTube zur Verfügung.

Ein Artikel von Martina Seifert

Freie Autorin, Text, Lektorat

Hegede 6
33617 Bielefeld

www.martinaseifert.de

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