Das Medizinrad 3

Praktischer Umgang damit

© Sigrid Baust
12. Mai 2021 von Heilnetz-Beitrag

In den letzten Wochen habe ich das Medizinrad vorgestellt und die Bedeutungen der einzelnen Himmelsrichtungen beschrieben. Für mich steht das Medizinrad für eine intensive Verbindung mit der Natur und meinem persönlichen Heilkreis. Die lebhafte und bewegungsreiche Auseinandersetzung ermöglicht mir viele persönliche Erkenntnisse und führt so zu einer steten Weiterentwicklung.

Damit auch ihr eurem Medizinrad das persönliche Leben einhaucht, gebe ich euch nachfolgend ein paar Anregungen. Ich wünsche euch schöne Erkenntnisse und vielleicht ent-deckt ihr die eine oder andere Lösungsmöglichkeit für euch. Wenn ihr euch mit dem Medizinrad beschäftigt, ist das immer eine Einladung, in das Rad des Lebens einzutreten, um zu empfangen, zu geben und einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Es gibt viele Möglichkeiten mit diesem Rad zu „spielen“, um tiefgehende Antworten zu bekommen. Dabei ist dieses Rad nicht statisch, sondern immer in kreisender Bewegung - und hierin liegt der große Unterschied zu unserem (häufig) linearen Denken. Wir haben immer alles im Blick und können einen anderen Blickwinkel einnehmen, ohne den anderen aus den Augen zu verlieren. Ihr kennt sicherlich alle den Satz: „Ich drehe mich ständig im Kreis!“ In dieser Aussage klingt für mich etwas Negatives mit, so nach dem Motto: „Es geht nicht weiter“. Doch dieses sich im Medizinrad drehen hat für mich viele positive Aspekte. Die sich hieraus ergebende Weiterentwicklung sehe ich in einer spiraligen Bewegung. Je mehr und je öfter das Medizinrad zu deinem Lebensbegleiter wird, umso selbstverständlicher und deutlicher werden die Antworten.

Übungen mit dem Medizinrad

Bevor wir an die Übungen gehen, empfehle ich, sich die Beschreibungen aus den ersten beiden Artikeln zur Hand zu nehmen und sie sich noch einmal vertraut zu machen.

Besorge dir zunächst einmal 8 Steine - für jede Himmelrichtung einen. Du kannst diese in der Natur suchen oder auch Edelsteine nehmen. Als erstes schaffen wir jetzt einen Schutzraum, indem du die Kräfte der entsprechenden Himmelsrichtungen in die Steine rufst. Zuvor lüfte noch einmal den Raum, in dem du jetzt bist, gründlich durch. Wenn du gerne räucherst, kannst du ihn auch mit Salbei reinigen.

Nimm nun einen Stein und wende dich mit diesem Stein zunächst dem Süden zu und lade die Kraft des Wassers, der Pflanzen und die Unschuld der Kinder ein, damit du dich mit deinen Gefühlen verbinden kannst. Lege diesen Stein in den Süden deines Raumes oder an entsprechende Stelle bei deiner Kerze. Gehe weiter zum Norden und bitte um die Kraft der Luft, des Geistes, der Tiere, des Empfangens und verbinde dich mit dem Hier und Jetzt. Lege diesen Stein in den Norden und wende dich dem Westen zu. Auf diese Art und Weise kannst du nun durch das ganze Medizinrad gehen.

Ich schreibe jetzt bewusst nicht zu jeder Himmelsrichtung etwas, sondern bitte dich, die Aspekte, die dir wichtig sind, zu benennen und diese in deinen persönlichen Schutzraum zu holen. Wenn du alle Himmelsrichtungen angerufen hast, setze dich für eine Zeit der Stille in die Mitte deines Raumes und spüre nach. Achte auf deinen Atem und nimm die Atmosphäre wahr. Wenn Impulse, Gedanken o.ä. kommen, schreibe sie dir auf.

Übung in der Natur

Eine ähnliche Übung kannst du auch draußen in der Natur machen. Suche dir einen Baum, nimm Kontakt zu ihm auf und orientiere dich hinsichtlich der Himmelsrichtungen. Vielleicht hast du eine Frage, die dir auf der Seele brennt. Wende dich mit dieser Frage wieder zunächst dem Süden zu, indem du dich an den Baum anlehnst oder hinsetzt und in Richtung Süden schaust. Nimm deine Gefühle wahr, schreibe auf, was dir jetzt in diesem Augenblick wichtig ist. Vielleicht möchtest du ein „Wasserlied“ singen, z.B. „The River is flowing“*.

Setze oder stelle dich nun in den Norden und beobachte deine Gedanken. Als „Luftlied“ kannst du „Fly like an eagle“* singen. Schreibe deine Gedanken auf, die dir vielleicht zu deinem Thema gekommen sind. Wende dich jetzt dem Westen zu und verbinde ich mit Mutter Erde. Was hat deine Frage mit dem Thema „halten und loslassen“ oder mit deinem Körper zu tun. Als „Erdenlied“ schlage ich dir „Mother I feel you“* vor. Notiere dir deine Impulse. Wende dich zum Schluss noch dem Osten zu. Welche Visionen helfen dir bei der Lösung deiner gestellten Frage? Auch hier gibt es ein passendes „Feuerlied“: „Infinite Sun“.

Auch hier kannst du für dich notieren, wenn sich Visionen gezeigt haben. Spüre dieser Reise nach und bedanke dich bei „deinem“ Baum. Einen Hinweis möchte ich noch geben. Es heißt nicht, dass nur positive Antworten kommen, manchmal zeigen sich auch Hindernisse, die es bei der Lösung der zuvor gestellten Frage zu überwinden gilt.

Morgenübung

Eine weitere Möglichkeit ist, morgens beim Erwachen bewusst den Süden (deine Gefühle), den Norden (deinen Geist), den Westen (deinen Körper) und den Osten (deine Visionen) in deinen Tag einzuladen. Am Abend kannst du dir vor dem Einschlafen einen Augenblick Zeit nehmen und dich noch einmal mit diesen Kräften verbinden und nachzuspüren, wie du sie im Tagesverlauf wahrgenommen hast, dabei ist es wichtig, dass du nichts bewertest.

Wenn du mal in einem Thema besonders festhängst und nicht weiterkommst, setze dich für einen Augenblick in die Himmelsrichtung, z.B. wenn du etwas nicht fühlen kannst, gehst du in den Süden. Was hindert dich am Fühlen? Oder wenn du etwas überdenken möchtest, gehst du in den Norden. Welche Gedanken kommen dir?

Manchmal reicht es nicht aus, sich nur mit einer Himmelsrichtung zu beschäftigen. Dann macht es Sinn, zunächst in die Himmelsrichtung zu gehen, dessen Thema dich gerade beschäftigt. Angenommen, du möchtest dich mit deinen Visionen (Osten) beschäftigten, dann gehe in den Osten und nimm die Kraft dieser Himmelsrichtung wahr. Lies noch mal, was ich im ersten Teil darüber geschrieben habe. Danach begibst du dich in den gegenüberliegenden Westen.

Wenn du jetzt dort bist, schaust du in den Osten und siehst links den Nordosten und rechts den Südosten. Erinnere dich auch an die Kraft dieser beiden Himmelsrichtungen (Medizinrad, Teil 2). Dadurch, dass du dich im Kreis befindest, hängt alles immer zusammen und so empfängt der Osten über seine linke (kreativ-empfängliche weibliche) Seite die Kraft des Südostens und gibt über seine rechte (aktiv-konzeptive männliche) Seite seine Energie an den Nordosten weiter. Um jetzt bei dem Beispiel der Vision zu bleiben, bedeutet dies, um Visionen zu empfangen, es wichtig ist, sich mit seiner Selbstliebe und Selbstannahme zu beschäftigen, um sich seiner Selbst bewusst zu sein und somit auch zu erkennen, was man wirklich möchte, welche Visionen unter Anerkennung der Selbstliebe man ins Leben bringen möchte.

Jetzt schaue zum Nordosten, dort wo im „Chaos“ der Fokus auf das Ziel gehalten wird. Wenn sich dir eine Vision zeigt, gibt diese Energie an den Nordosten. Dadurch versinkt diese Vision nicht gleich wieder im Nirwana, sondern durch den Nordosten wird der Fokus - egal, wie stürmisch es ringsherum auch sein mag (egal, wie oft du dir anhören musst: Das macht keinen Sinn! Das schaffst du nicht! Das ist Quatsch! usw.) - auf die Vision gehalten.
Wenn du magst, kannst du auf diese Art und Weise durch das ganze Medizinrad wandern. Beginne an einer Stelle und schaue immer, was empfangen bzw. was abgegeben wird. Es ist eine spannende Reise, wenn du dich einlässt. Vertraue dabei auf keine Kreativität.

Soweit meine Vorschläge. Ich wünsche dir einen lebhaften und kreativen Umgang mit dem Medizinrad. Da es sich bei diesen Vorschlägen um kein festes Konzept handelt, lade ich dich ein, zu experimentieren und deine eigenen Ideen mit einzubringen.

Für mich ist es wichtiger denn je, sich mit dem eigenen Heilungspotential auseinandersetzen und dabei immer mehr in Kontakt mit Mutter Erde zu treten.

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