Worten schaffen Realitäten

Besonders oder einzigartig?

Worten schaffen Realitäten
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von Conny Dollbaum-Paulsen

Was ähnlich scheint ist sehr verschieden...BESONDERS oder EINZIGARTIG, verschiedener könnten zwei Begriffe in ihrer Aussage kaum sein. Beim ersten Lesen scheint es sich noch um Synonyme zu handeln – etwas Besonderes zu tun oder gar sein hat irgendwie auch mit Einzigartigkeit zu tun und umgekehrt macht Einzigartigkeit wohl auch besonders. So scheint es und doch liegen Welten zwischen den Worten, den damit beschriebenen Zuständen und den gelebten Seinsarten.

Wir sind besonders? Warum nur?

Jemand, der besonders ist, setzt sich von den anderen ab, ragt heraus, ist irgendwie anders, besonders halt. Und, passend zum damit verbundenen Wort Alleinstellungsmerkmal ist mensch ziemlich allein da oben. Ich beginne, dem Wortursprung auf die Spur zu kommen und lese ich bei Wikipedia nach: dort findet sich als erste Beschreibung von besonders diese Definition: für sich alleine, gesondert, separat...

Das passt gut zu meinem mulmigen Gefühl - besonders zu sein steht also im ursprünglichen Wort tatsächlich für Trennung, allein und ab-gesondert zu sein. Im früheren Sprachgebrauch bedeutet sondern auch so viel wie ohne etwas, sondergleichen ist ohnegleichen. Und was ist mit sonderbar? Dem Duden nach verbirgt sich darin „vom Üblichen, Gewohnten, Erwarteten abweichend und deshalb Verwunderung oder Befremden hervorrufend; merkwürdig, eigenartig“. Besonders zu sein scheint also weit entfernt von einem heilsamen und zufriedenstellenden Seinszustand zu sein, es sei denn, es ginge darum, narzisstischen Bedürfnisse nachzugehen...Ganz schwierig wird es, wenn Gruppen sich als etwas Besonderes beschreiben und empfinden – damit ist immer eine Abgrenzung verbunden, ein Du-gehörst-nicht-dazu-weil-du-nicht-besonders-bist. Besondere Gruppen bilden leicht Bubbles, basteln an eigenen, natürlich besonderen Weltsichten, Merkmalen, Berechtigungen...da ist der Weg in wirklich schwierige politische Gewässer nicht mehr weit, scheint mir.

Gemeinsam einzigartig funkeln

Und was ist nun der Unterschied zu Einzigartigkeit, diesem funkelnden Wort, mit und in dem wir Menschen, Tiere, Wesen überhaupt erfahren und beschreiben? Für mich liegt darin die unverwechselbare, nur ein einzig-es Mal in diesem Universum genau so vorhandene Art und Weise eines Wesens – ob Stein, Raupe oder Menschenkind, es gibt kein auch nur annähernd gleiches Wesen, selbst eineiige Zwillinge sind einzig in ihrer eigenen Art. Auch hier folge ich dem Duden und lese: „unvergleichlich in seiner Art; einmalig (2), unbeschreiblich“ – hier geht es also nicht darum, sich von etwas anderem abzuheben, sich abzu-sondern, nein, hier geht es darum, in voller funkelnder Schönheit das zu sein, was ich bin, was du bist...Einzigartigkeit ist kostbar, aber eben nullkommanull besonders, nicht abgehoben, besser, schöner, schneller, eher zu vergleichen mit einem einzigen Ton in der großen Symphonie des Lebens, der nicht fehlen darf. Kein Ton ist zu viel, zu dies oder zu das – alle einzigartigen Töne gemeinsam ertönt, ergeben den großen einen Klang eines Universums. Auch dieses ist einzigartig und tönt ganz eigen neben vielen anderen. Einzigartig sind wir verschiedentlich: körperlich auf jeden Fall, seelisch sowieso und auch mental findet sich kein Mindset vergleichbar mit einem anderen. Es gibt ähnliche Muster, kleine und große Übereinstimmungen: blond, begabt, musisch, hellsichtig, tierlieb, vergesslich, liebevoll, lustig, weise, coloured, im Schwarm oder allein jagend, fliegend, kriechend, webend, funkelnd, unsichtbar, laut, leise, fliegend, sessil, beweglich, bunt ...jedes dieser Abermilliarden Wesen in diesem einen Universum ist vielfältig-wunderbar zusammengesetzt aus unendlich vielen kleinen jeweils einzigartigen Bestandteilen – denn auch Zellen sind, klaro, nicht besonders sondern einzigartig und damit im Ein-Klang. Ist das nicht wunderbar?

Und wie gut, wenn wir uns der eigenen und damit der Einzigartigkeit aller bewusst sind und genau deshalb nichts Besonderes sein müssen. Wir dürfen uns in unserer ganzen Schönheit zeigen, ohne besonders hervorzustechen. Wir müssen uns nicht messen, nicht vergleichen, (wie auch?), weil wir alle gleich einzigartig sind. Diese unendlich verschiedenen, in Stoff und Färbung einzigartigen Fäden verweben wir zu einem wunderbaren gemeinsamen LebensWeltenstoff – und beginnen zu ahnen, dass wir mit diesem Wissen tiefen Frieden finden können.

Hintergrund

Dieser Artikel erschien erstmalig im März 2022 als Impulstext für die Meile-bewegt von Petra Jastro. In der Fragestellung ging es darum, inweiweit wir in therapeutischen und beratenden Zusammenhängen dazu neigen, uns als etwas Besonderes darzustellen. Marketing-Fachleute haben das unseelige Wort "Alleinstellungsmerkmal" erfunden, das genau dies beinhaltet: besonders, also besser sein zu wollen als die "Konkurrenten".

Der Heilnetz-Blick ist da ein grundsätzlich anderer - wir wollen nicht alleine stehen und besonders sein (wollen), sondern in  unserer jeweiligen Einzigartigkeit gemeinsam heilsam handeln.

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