Wie handeln Ärzte für ihre Patienten –
und wie würden sie für sich selbst entscheiden?
Wir werden immer älter. Das ist auf der einen Seite erfreulich, auf der anderen Seite bedeutet es eben auch, dass immer mehr Menschen Krankheiten bekommen, die unheilbar sind bzw. ihre Lebensqualität massiv verschlechtern, ohne Hoffnung auf Heilung oder zumindest Besserung. Das können beispielsweise unheilbare Krebserkrankungen sein oder Alzheimer.
Gleichzeitig kann die moderne Medizin immer mehr – technisch betrachtet. Aber technisch möglich bedeutet nicht automatisch auch wünschenswert.
Daher stellt sich immer öfter auch die Frage nach einem Ende mit Würde statt eines Endes, das mit allen Mitteln hinausgezögert wird.
Eine interessante Frage: Wie würden sich Ärzte entscheiden, wenn es um sie selbst ginge – und wie handeln sie, wenn es um Patienten geht?
Die End-of-Life Care Research Group der Universität Gent in Belgien hat dazu 1.157 Ärzte aus Belgien, Italien, Kanada, den USA und Australien befragt. Unter den Teilnehmenden waren Hausärzte, Palliativmediziner sowie Fachärzte verschiedener Disziplinen.
Zitat (Details HIER): „Alle Befragten erhielten zwei hypothetische Szenarien: Eine fortgeschrittene Krebserkrankung und das Endstadium von Alzheimer. Sie sollten angeben, welche medizinischen Maßnahmen sie in diesen Situationen für sich selbst bevorzugen würden.
In beiden Szenarien präferierten über 90% eine Intensivierung der symptomlindernden medikamentösen Behandlung (beispielsweise Schmerztherapie). Mehr als 95% lehnten lebenserhaltende Maßnahmen wie Reanimation, künstliche Beatmung oder Ernährung per Magensonde ab. Lediglich 0,5% hielten im Fall von Krebs eine Reanimation für eine „gute Option“, bei Alzheimer lag dieser Wert sogar nur bei 0,2%. Etwa die Hälfte der Befragten – zwischen 50 und 54% – bewertete aktive Sterbehilfe als „akzeptabel“. (Anmerkung durch RH: aktive Sterbehilfe liegt vor, wenn ein Arzt auf Wunsch des Patienten ein Medikament verabreicht, das den Tod des Patienten zur Folge hat. Diese Form der Sterbehilfe ist in Deutschland strafbar, aber in anderen Ländern erlaubt.)
Zwischen den Ländern gab es deutliche Unterschiede: In Belgien befürworteten 80,8% der Befragten Sterbehilfe bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen, in Italien waren es lediglich 37,9%. Ärzte, die in einer Region arbeiten, in der Sterbehilfe oder ein ärztlich assistierter Suizid legal sind, hielten diese Optionen deutlich häufiger für sinnvoll als Kollegen aus Ländern ohne entsprechende Gesetze.“ ZITAT Ende.
Bei ihren Patienten handelten viele Ärzte jedoch anders und befürworten intensivmedizinische Therapien am Lebensende, die sie für sich selbst ablehnen würden. ZITAT: „Aggressive Therapien, invasive Eingriffe und technische Interventionen kommen selbst dann zum Einsatz, wenn ihr Nutzen fraglich ist.“ ZITAT Ende.
Die Gründe dafür sind hauptsächlich: Druck durch Angehörige, die wollen, dass man „alles macht, was möglich ist“, weil auch jemand, der nur noch durch Apparate am Leben gehalten wird, zumindest noch „da“ ist. Wer kennt nicht eine Geschichte, in der es darum geht, dass „die Oma noch leben könnte, wenn die Ärzte nicht versagt hätten“...?
Hinzu kommen gesellschaftliche Erwartungen („die moderne Medizin kann das doch“) – und die Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Auch hier gibt es nationale Unterschiede, je nachdem, wie ein Staat die Frage von passiver Sterbehilfe (= nichts mehr machen, um das Leben zu verlängern) regelt.
Immer noch wird in vielen westlichen Gesellschaften der Tod als Niederlage erlebt, auch in der Medizin. Auch das prägt die Erwartungen.
Ärzte kennen – im Gegensatz zu vielen Laien – recht gut die Grenzen der Medizin und wissen, was es beispielsweise bedeutet, per Magensonde ernährt oder künstlich beatmet zu werden.
Was ist die Konsequenz daraus für Sie?
Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken darüber, was im Fall des Falles getan werden soll – und was nicht! Ein schriftliches Patiententestament bzw. eine Patientenverfügung mit klaren (!) Anweisungen ist notwendig, schon um Angehörige davon zu entlasten, eine Entscheidung über Leben und Tod treffen zu müssen. Hier finden Sie weitere Informationen dazu und eine Möglichkeit, online eine Patientenverfügung zu erstellen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/patientenverfuegung.html
Ein Artikel von
Rudolf Hege
76534 Baden-Baden
Im Grün 28
Profil von Rudolf Hege
info@heilpraxis-hege.de
www.heilpraxis-hege.de