Wahrheit und Ursprung

Dokumentarfilm von Victoria Knobloch

Symbol aus der japanischen Kalligraphie: Kreis (Enso), der Erleuchtung, das Universum und die Leere (Mu) symbolisiert
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7. März 2026 von Martina Seifert

Ein Film, der sich Zeit lässt. Der Dokumentarfilm "Wahrheit und Ursprung – Fallschirmsprung in den Himmel" von Victoria Knobloch setzt auf ausführliche Interviews – und gewinnt gerade dadurch eine ungewöhnliche Tiefe. Er sucht nicht nach schnellen Antworten, sondern zeigt, was bleibt, wenn unser Denken an Grenzen stößt.

Kreisende Gespräche

Im Zentrum des Films "Wahrheit und Ursprung – Fallschirmsprung in den Himmel" stehen lange, ungeschnitten wirkende Gesprächssequenzen mit Eugen Drewermann, Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Religionsphilosophin und Autorin sowie dem Theologen und Zen-Meister Alexander Poraj. Die Regisseurin verzichtet bewusst auf kommentierende Einordnungen. Stattdessen vertraut sie der Kraft des gesprochenen Wortes – und auf unsere Fähigkeit als Zuschauende, Verbindungen selbst herzustellen.

Die Interviews wirken wie Denkbewegungen, die sich entfalten dürfen. Wahrheit erscheint hier nicht als definierbarer Begriff, sondern als etwas, das im beseelten, langsamen Sprechen staunend umkreist wird.

Inspirierende Pausen

Zwischen den Gesprächen setzt der Film immer wieder filmisch-künstlerische Pausen. Sakrale Musik, ruhige Bildfolgen und ausgewählte Zitate schaffen Raum. Diese Passagen wirken nicht dekorativ, sondern strukturierend. Sie unterbrechen den Denkfluss und erinnern daran, dass Wahrheit nicht allein im Diskurs zu finden ist.

Gerade diese Pausen haben für mich eine besondere Wirkung. Sie verhindern, dass der Film zu einem reinen Gedankengebäude wird. Stattdessen ermöglichen sie, das Gesagte nachklingen zu lassen.

Wahrheit als innere Haltung

Besonders eindrücklich ist für mich, wie der Film mit dem Wahrheitsbegriff umgeht. Wahrheit wird weder dogmatisch behauptet noch relativistisch aufgelöst. Sie erscheint als etwas, das eine Haltung verlangt: Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten.

Die Beiträge von Alexander Poraj setzen hier einen besonderen Akzent. Zen erklärt Wahrheit nicht, sondern verweist auf Erfahrung, Ruhe und Einsicht. Einer begrifflichen Absicherung bedarf es nicht – Gegenwärtigkeit selbst wird zum Zugang. Diese Perspektive erweitert den Horizont des Films, ohne den theologischen und philosophischen Stimmen widersprechen zu müssen.

Ein Film, der zum Lauschen einlädt

"Wahrheit und Ursprung" ist kein Film für Ungeduldige. Er widersetzt sich dem Rhythmus schneller Meinungsbildung. Wenn wir uns einlassen, werden wir in eine Bewegung des Fragens hineingenommen und nicht belehrt.

Für mich liegt die Stärke dieses Films gerade darin, dass er nichts abschließt. Er vertraut darauf, dass Wahrheit nicht dort beginnt, wo Antworten gegeben werden, sondern dort, wo Menschen beginnen, Fragen zu stellen und zu lauschen – nach außen und nach innen.

Filmdaten:

Titel: Wahrheit und Ursprung – Fallschirmsprung in den Himmel
Regie & Produktion: Victoria Knobloch
Mitwirkende: Eugen Drewermann · Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz · Alexander Poraj
Genre: Dokumentarfilm
Premiere: 27.12.2025

Trailer / Film:

https://www.victoria-film-production.com/filme

Ein Artikel von
Martina Seifert