Praxisbuch für die späten Lebensjahre von Anselm Grün

Selbstbestimmt im Alter

Praxisbuch für die späten Lebensjahre von Anselm Grün
© Vier-Türme Verlag

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

"Selbstbestimmt im Alter" ist ein weiterer hilfreicher Ratgeber von Anselm Grün und Hsin-Ju Wu für Menschen, die sich ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben im Alter wünschen. Pauschale Ratschläge gibt es nicht, - vielmehr werden einfallsreiche Anregungen unter Berücksichtigung individueller Perspektiven und spezifischer Bedürfnisse vorgestellt.

 

Gesundheit, Spiritualität und soziales Leben

Es ist nicht das erste Buch, das Anselm Grün, Benediktinermönch, Seelsorger und Autor, gemeinsam mit der Lektorin Hsin-Ju Wu, die Grüns Gedankengut in Taiwan verbreitet, herausgegeben hat. Auf dem Buchmarkt finden sich bereits einige inspirierende Ratgeber der beiden Autor*innen zu diversen Themen und Zielgruppen. Mit "Selbstbestimmt im Alter. Ein Praxisbuch" präsentieren Grün und Wu ein Buch, das sich an Menschen wendet, die sich ein selbstbestimmtes, würdevolles Leben im Alter wünschen. Der Ratgeber, der in kurze, übersichtliche Kapitel unterteilt ist, berührt eine Vielzahl von Lebensthemen, wie Gesundheit, Spiritualität, Familie und soziales Leben im Alter. Dabei berücksichtigen die beiden Autor*innen stets die spezifischen Herausforderungen, vor denen sich ältere Menschen bei der Lebensgestaltung gestellt sehen können.

Neben körperlicher Aktivität und ausgewogener Ernährung kommt dem Thema Spiritualität eine besondere Bedeutung zu. Denn im Alter wächst nicht selten das Bedürfnis nach Sinn und Befriedung. Gelebte Spiritualität kann uns aus inneren und äußeren Abhängigkeiten befreien und uns ermöglichen, auch im Alter selbstbestimmt zu leben, so die Autor*innen. Eine spezielle religiöse oder geistige Überzeugung spielt dabei keine Rolle, sondern allein die individuelle Suche nach spiritueller Erfüllung.

Existentielle Lebensthemen

Alter, Krankheit und Tod sind die großen existentielle Themen, die uns spätestens im Alter beschäftigen und uns unsere eigene Vergänglichkeit vor Augen führen. Es bedarf der inneren Wandlungsfähigkeit und Akzeptanz, der Bereitschaft, gegebenenfalls Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um selbstverantwortlich für sich zu sorgen und sich mit Krankheit, Trauer und Tod auszusöhnen. Vielleicht fragen wir uns, wie wir mit einer möglichen Krankheit selbstbestimmt umgehen können oder ob wir einen Vorsorgeauftrag und eine Patientenverfügung erstellen sollen und wie wir emphatisch bleiben und nicht allein um unsere eigenen Probleme oder die unserer Liebsten kursieren.

Wenn wir bereit sind, unsere eigene Hinfälligkeit und unser Sterben als einen Prozess des Abschiednehmens und Loslassens in Dankbarkeit und Liebe anzunehmen, kann tiefe Heilung stattfinden. Ebenso verhält es sich bei der Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen, wenn wir unsere Trauer in Dankbarkeit umwandeln, Dankbarkeit für die vielen Momente, die wir mit dem Verstorbenen gemeinsam erleben durften.

Wahrer Segen

Das 10. Kapitel mit dem Titel „Segen“ mag vielleicht Nichtgläubige befremden. Aber die weitere Lektüre zeigt uns, dass die Kultur des Segnens uns heute gar nicht so fremd ist, bedeutet „benedicere“ doch nichts anderes, als freundliche und heilsame Worten an unser Gegenüber zu richten, wie etwa: „Ich freue mich, dass es dich gibt.“ Statt kritischen Kommentaren oder erniedrigenden Äußerungen können positive Worte ein wahrer Segen für andere und auch für uns selbst sein.

Auch der Umgang mit bestimmten psychischen Problemen, die im Alter vermehrt auftreten können, wie Antriebslosigkeit, das Gefühl der Wertlosigkeit oder Freudlosigkeit und sinnloses Grübeln, - erste Anzeichen von depressiven Verstimmungen oder Depressionen -, kommen im Buch zur Sprache. Um das deprimierende Gedankenkarussell zu durchbrechen, können wir uns jeden Tag aufs Neue einem Menschen zuwenden, dem wir in verschiedenster Form etwas Gutes tun, und sei es nur ein Lächeln oder ein freundliches Wort. Praktizierte Nächstenliebe kann bisweilen eine größere Wirkung haben als der Versuch einer Analyse von depressiven Verstimmungen, ebenso achtsame Selbstfürsorge. Auch ein spiritueller Umgang mit demenzkranken Menschen als Betreuende, Pflegende oder Angehörige kann erfüllend sein.

Gewohnheiten ändern

Anselm Grün und Hsin-Ju Wu zeigen uns, wie wir heillose Gewohnheiten, die sich im Alter verfestigen können, auf leichte Weise durch Tugenden ersetzen können, die uns selbst und anderen zugutekommen wie Dankbarkeit, Geduld, Gelassenheit und Freude. Wir können Dinge loslassen, um mehr Leichtigkeit in unser Leben zu bringen, entrümpeln, recyceln, verschenken oder unnützes entsorgen, um mehr äußeren und inneren Freiraum zu schaffen.

Auch unsere Beziehungen können sich im Alter verändern. Wenn wir uns so annehmen, wie wir sind, ohne uns mit anderen zu vergleichen, unseren Lebensweg respektieren und wertschätzen, können wir unserem Gegenüber offen und herzlich begegnen und unsere sozialen Kontakte erfüllend für andere und uns selbst erleben.

Fazit

"Selbstbestimmt im Alter" ist ein gelungenes Buch, das uns zeigt, dass es nie zu spät ist, Veränderungen im Leben vorzunehmen und dass es sich lohnt, sich auch im Alter immer wieder neu, immer wieder frisch zu erleben. Das Buch eignet sich sowohl für Agnostiker*innen, Atheist*innen als auch Angehörige religiöser und spiritueller Traditionen. Die leicht lesbaren Texte und Übungen sprechen neben Senior*innen auch deren Angehörige, Freunde und Begleitende an sowie Seelsorger*innen von älteren Menschen und Senior*innengruppen.

„Selbstbestimmt im Alter“ von Anselm Grün und Hsin-Ju Wu ist für 22 Euro im Buchhandel vor Ort erhältlich oder bei buch7, dem sozialen Online-Buchhandel.

Anselm Grün und Hsin-Ju Wu
Selbstbestimmt im Alter. Ein Praxisbuch
160 Seiten
Softcover
22 €
ISBN 978-3-7365-0456-1
2. Auflage 2022
Vier Türme GmbH

Ein Artikel von Martina Seifert

Freie Autorin, Text, Lektorat

Hegede 6
33617 Bielefeld

www.martinaseifert.de

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