Studie: Meditation senkt Augeninnendruck

Meditation - Neue Therapie bei Glaukom

Studie: Meditation senkt Augeninnendruck
Lizenzfrei von Pixabay

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

In Indien stellen Yoga und Meditation seit Jahrtausenden zentrale Schlüsselelemente für eine ganzheitliche Gesundheit dar. Hierzulande spielen diese kaum eine Rolle in der medizinischen Praxis. Meist gelten sie lediglich als wenig bedeutsame Ergänzung zu einer möglichst gesunden Lebensweise.

Studie: Wirkung von Meditation und Entspannung

Yoga ist cool. Yoga liegt voll im Trend. Doch die meisten denken nur an körperliche Übungen, halten Yoga für eine Art exotischen Sport, der fit hält und eine gute Figur macht. Dabei sind die körperlichen Übungen, die sogenannten Asanas, lediglich ein Bestandteil dieser spirituellen Praxis Indiens. Ebenso von Bedeutung sind die Atemübungen und die Meditation. Tatsächlich kommt diesen mit Blick auf unsere Gesundheit besonders große Bedeutung zu, dienen sie doch der Entspannung und bringen Körper, Geist und Herz in Balance. Laut einer aktuellen Studie des All India Institute of Medical Sciences in Neu Dehli erweist sich Meditation sogar als eine neue Form der Therapie zur Verringerung des Augeninnendrucks bei Glaukom.

Meditation senkt Augeninnendruck und lindert Stress

An der Untersuchung, die u. a. von Prof. Bernhard Sabel, PhD, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität Magdeburg, geleitet wurde, konnten bei den Teilnehmer*innen nach dreiwöchiger Meditation signifikante Verbesserungen des Augeninnendrucks (IOP) nachgewiesen werden sowie eine deutliche Reduktion des Stressniveaus und - verglichen mit einer zweiten Gruppe, die nicht an der Yoga-Praxis teilnahm - zu einer Verbesserung der Lebensqualität führte.

Für die Studie wurden 90 Glaukom-Patient*innen in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine Gruppe drei Wochen lang jeden Morgen 60 Minuten mit einem Yogalehrer Atemübungen und Meditation praktizierte. Zudem nahmen die Teilnehmer*innen Augentropfen ein. Die zweite Gruppe, nahm ebenfalls Augentropfen ein, machte aber nicht bei der Yoga-Praxis mit. Zum Abschluss der Studie wiesen 75 Prozent der Patient*innen, die an der Atem- und Meditationspraxis teilgenommen hatten, eine Verringerung ihres Augeninnendrucks um ca. 25 Prozent nach, während bei der zweiten Gruppe, die nicht meditierte, keine Verbesserungen beobachtet werden konnten. Außerdem reduzierte die Yoga-Praxis bei den Teilnehmer*innen den Cortisol-Spiegel sowie oxidative Stressbiomarker und pro-inflammatorische Marker (Interleukine), während Entspannungsmarker wie Beta-Endorphine und neurotrophischen Faktoren im Gehirn nachgewiesen wurden.

Auch für ältere und bettlägrige Patient*innen geeignet

Dass chronischer Stress zu hohem Blutdruck führen kann, wissen die meisten. Stress kann sich aber auch auf das Auge auswirken und einen hohen Augeninnendruck (IOP) hervorrufen. Diese Studie zeigt erstmals, dass Entspannung und Meditation den IOP bei Glaukom-Patient*innen senken und ihre Lebensqualität verbessern kann. Die durchgeführten Übungen eignen sich auch für ältere und bettlägerige Patient*innen.

Prof. Dr. Bernhard Sabel, Koautor der Studie, äußert sich in einer Pressemitteilung der Universität Marburg wie folgt zu dem Untersuchungsergebnis: „Die Studie legt nahe, dass psychischer Stress eine der Hauptursachen für erhöhten Augeninnendruck ist. Die Anwendung dieser uralten Meditationstechnik zur Verringerung von Stress ist ein wirksames Mittel, um das Gesamtbefinden der Patienten, und nicht nur das Auge, mit einem ganzheitlichen Ansatz zu behandeln und das allgemeine Wohlbefinden der Patienten zu verbessern.“ (IDW, 30.01.2019)

Keine Nebenwirkungen, geringere Kosten

Glaukome sind die häufigste Ursache für Erblindung. Fast 70 Millionen Menschen weltweit sind von dieser Erkrankung betroffen, die zurzeit ausschließlich mit Augentropfen, Lasertherapie oder Operationen behandelt wird. Diese Behandlungen kosten nicht nur jede Menge Geld, sondern können auch Nebenwirkungen haben, welche die Lebensqualität der Patient*innen beeinträchtigen.

„Unsere Ergebnisse eröffnen einen spannenden Ansatz, die Kraft des Gehirns zur Heilung von Leiden des menschlichen Körpers zu nutzen. Ein Großteil der menschlichen Krankheiten beruht auch auf einer psychologisch/ psychosomatischen Komponente und es ist die Psychologie des Patienten, auf die die Meditation abzielt. Die Reduktion des Stresshormonspiegels kann sich auf viele Organe im Körper günstig auswirken, einschließlich der Augen. Es sind nun weitere Untersuchungen erforderlich, um diese neue Perspektive zu erforschen und um zu ermitteln, ob durch Meditation auch das Fortschreiten des Sehverlusts zu reduzieren, zu stoppen oder vielleicht sogar eine Wiederherstellung des Sehvermögens zu erreichen ist“, erläutert Professor Sabel. (IDW, 30.01.2019)

Die Studie „Mindfulness Meditation Reduces Intraocular Pressure, Lowers Stress Biomarkers and Modulates Gene Expression in Glaucoma: a randomized controlled trial“ wurde am 18. Dezember 2018 im Journal of Glaucoma veröffentlicht (Journal of Glaucoma 27, 1061-1067, DOI: 10.1097 / IJG.00000000000010888, veröffentlicht von Wolters Kluwer Health, Inc.).

Quelle: Meditation: Eine neue Therapie zur Verringerung des Augeninnendrucks bei Glaukom, Universitätsklinikum Magdeburg, 30. Januar 2019

Ein Artikel von Martina Seifert

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