Heilnetz-Thema des Monats: Sexualität

 

Über das Liebemachen

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von Conny Dollbaum-Paulsen

Sexualität ist ein Thema, das uns im Rahmen Ganzheitlicher Gesundheit nicht unbedingt als erstes einfällt – was merkwürdig ist, denn tatsächlich gibt es kaum ein Thema, das ganzheitlicher wirksam ist als Sex, kaum ein Thema, dass uns so ursprünglich mit Liebe, der Urkraft von Allem real, also körperlich, verbindet.

Woran mag die Zurückhaltung liegen?
Sicher hat es nichts mit mangelndem Interesse zu tun: Die Ergebnisse bei Ecosia zur Anfrage nach Sex liegen in einem Zahlenbereich, von dem ich nicht mal genau weiß, ob es sich um Milliarden handelt, nämlich bei 613.000.000, dagegen sind die 127.000  Ergebnisse zum Suchwort Bewusste Sexualität bei Ecosia doch überschaubar.

Es wäre wahrscheinlich doch gut, wenn wir neben die zunehmend pornorisierte Bilder- und Materialwelt ein bewusstes, freundliches und nährendes Sexleben als alternative Möglichkeit stellen könnten. Genau deshalb haben wir uns für dieses Thema entschieden.

Im Laufe des Februar werden an dieser Stelle verschiedene Artikel zum Thema veröffentlicht - möglichst immer verbunden mit Links und Ideen, wie wir entspannter, freier und nährender mit uns und unserer Sexualtität umgehen können.

Gibt es richtige und falsche Sexualität?

Was für eine Frage? Ähnlich schwierig zu beantworten, wie die, was eigentlich Gesundheit ist, oder in diesem Zusammenhang, was gesunde Sexualität wohl sein mag?

Vielleicht eine, die nährt? Körper, Seele und Geist gleichermaßen? Eine, die auf Liebe beruht und nicht auf Gier? Eine, die das Eigene und das Gegenüber gleichermaßen wertschätzt. Eine, die auf Achtsamkeit und Präsenz basiert...

Und was ist mit Gewalt, Schmerz oder eher ungewöhnlichen Spielarten von Sexualität? Müssen die draußen bleiben?  Ist gesunde Sexualität grundsätzlich sanft und entspannt? Immer? Überall?

Hilfe! Ich habe eine Sexualstörung…

Unser Bild von Sexualität ist kollektiv bestimmt – gesunde Sexualität heißt, je nach Alter, ein- oder mehrfach pro Tag oder Woche Lust auf Sex zu haben, verbunden damit ist bei Männern eine vorschriftsmäßige Erektion und bei Frauen eine feuchte, aufnahmebereite Vagina – außerdem soll das Ganze erregen, stimulieren, in Ekstase versetzen, selbstredend zum Orgasmus, möglichst multipel oder ganzkörperartig führen. Alles, was diesem Bild nicht entspricht, und das dauerhaft, bezeichnet die klassische Medizin als Sexualstörung , die entsprechend mit Sexualtherapie behandelt werden muss.

Und schon sind wir mitten im Wahnsinn fataler Konzepte und mitten in großer Not, wenn wir denn in welcher Weise auch immer nicht der Norm entsprechen.

Immer stärkere Reize

Der Stress unserer Alltagswelt verbunden mit dem Stress, bestimmten Anforderungen auch im Sex gerecht zu werden, ist ein sicherer Weg in zunehmende Anspannung. Und in hoher Anspannung passiert was? Wir werden fest und fühlen weniger – körperlich wie seelisch – wir machen uns undurchlässig. Dann benötigen wir stärkere Reize, zum Beispiel Pornos oder Sexspielzeug und das passiert nicht in schmutzigen Pornoläden, sondern auf Dildo-Partys, wie das Handelsblatt zu berichten weiß.

Stärkere Reize, stärkere Bilder, mehr Sex, mehr Spannung – was für eine Spirale. Ob gesund oder nicht: Nährend und heilsam fühlt sich das alles nicht an.

Sexualität und Spiritualität – was der Dalai Lama dazu sagt

Vor einigen Jahren las ich ein Interview des Dalai Lama in dem er nach seiner Haltung zum tantrischen Weg befragt wird. Er antwortete sinngemäß, er sei sicher, dass dies ein geeigneter Weg zum Erwachen darstelle, den schon viele große Meister beschritten hätten – er selber sei dazu leider spirituell nicht reif genug…

Im Tantra, aus dem Sanskrit übersetzt heißt es Kontinuität, wird der Körper nicht als dem Erwachen im Wege stehendes Hindernis, sondern als Mittel dorthin betrachtet und genutzt.

Dazu ein Zitat:
Tantrika sind der Ansicht, dass sexuelle Energie eine wichtige Grundsubstanz ist, die weise genutzt werden soll, um den spirituellen Prozess zu unterstützen und anzutreiben. Sexuelle Praxis z.B. ist ein Element, das es auch Familienmenschen ermöglichen sollte, Befreiung zu erfahren. Sexualität wird dadurch zum Mittel der Befreiung, anstatt zum Hindernis.
Durch die Integration sinnlicher Elemente, z. B. des rituellen Geschlechtsverkehrs, Maithuna, in den tantrischen Übungsweg, wurde die Lust zu einem Eckpfeiler der tantrischen Praxis. Tantra ist einmalig in dem Sinn, dass es eine Synthese von gegensätzlichen Werten, Yoga (Befreiung) und Bhoga (Genuss) darstellt.
Mehr zum Thema Tantra und worum es sich dabei handelt finden Sie unter http://www.tantra-tradition.de/

Im Buddhismus ist Sexualität als Thema insofern präsent, als dass der achtfache Pfad, der den Weg zum Erwachen beschreibt, unheilsame Sexualität, die den eigenen Körper und Geist und den des Gegenübers schädigt, als zu vermeiden anhält.
 „Sexualität bedeutet intensive Sinneserfahrung aller Sinne, intensives Erleben“ (Lama Tillmann) – ist es möglich, damit zu erwachen? Ein sehr interessanter Film zu Sinnesfreude und Sexualität im Buddhismus von Lama Tilmann findet sich unter https://www.youtube.com/watch?v=y3n6pFUymQ0

Sexualität und TCM

In der TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin spielt Sexualität eine große Rolle – und hier haben Frauen eine besondere Figur als Vorbild, die wilde Kaiserin, deren Geheimnisse das Liebesleben für Frauen intensiviert. Auch Männer kommen auf ihre Kosten, zum Beispiel, indem sie einen bestimmten Pilz zur Stärkung der Sexualenergie (was übrigens nicht das Gleiche ist, wie Stärkung der Potenz) als Medizin einnehmen.

Frauensexualität: Die Entdeckung der Klitoris

Die sexuelle Revolution hat Frauen nicht nur Gutes gebracht – erzwungene Freizügigkeit war sicher nicht unbedingt angenehm und ist es bis heute nicht. Schnell wird als prüde bezeichnet, was nicht schnell, heiß und erregt ist. In jedem Fall aber wurde in den 1960igern erstmals die Klitoris als eigenständiges und Ernst zu nehmendes Organ entdeckt – die Französin Odile Fillod hat dazu zeitgemäße Ideen, zum Beispiel die Arbeit mit einem 3D-Modell http://www.deine-korrespondentin.de/die-klitoris-das-unbekannte-organ-die-franzoesin-odile-fillod-will-schueler-mit-einem-3d-modell-aufklaeren/

Fillod hat es vor allem für den Gebrauch im Sexualkundeunterricht entwickelt, damit LehrerInnen im Unterricht auf die tatsächliche Beschaffenheit der Klitoris hinweisen können, die weit über den winzigen Punkt, auf den diese sonst reduziert wird, hinausgeht.

Sexualität in der Naturheilpraxis?

Tatsächlich spielt Sex, vor allem als Belastung, Hindernis und „schweres Thema“  in psychotherapeutischen Praxen eine größere Rolle als in denen der traditionellen Heilpraktiker. Mir scheint, da wirken Tabus und vielleicht auch die Tatsache, dass die großen alten Männer der Naturheilkunde Sexualität nicht zum Thema machen wollten, sondern eher der Askese und dem tendenziell entsagenden Lebensstil mehr Heilkraft zutrauten.

Die heilsame Kraft des Liebemachens

Wir sollten da vielleicht mal hingucken, alle gemeinsam, und unseren Körpern, der Liebe und der Erotik mehr heilsames Potenzial zutrauen. Uns von gängigen Bildern versuchen zu befreien und uns wirklich begegnen: Uns selbst in Körpern und Gefühlen und dem Gegenüber genau in diesem Moment. Ohne Ziel, ohne Technik, ohne Muster- einfach so…

Ela & Volker Buchwald, die ihre Arbeit am Heilnetz-Abend ebenso vorgestellt haben, wie Angelika Kunjan, sind nicht nur PionierInnen auf dem Gebiet - sondern gute Begleiter, gute Geister, eine gute Adresse für alle, die ihrem Körper, ihrem Liebemachen, ihrer Erotik heilsamen, lustvollen und erfüllten Raum geben wollen.

 

 

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