Das bewegte Gebet

Spirituelles Embodiment

Das bewegte Gebet
© arkana verlag

von Conny Dollbaum-Paulsen

Was ändert sich, wenn wir Psalmen nicht nur sprechen, sondern mit einer wiederkehrenden, dazu individuell passenden Bewegung verbinden? Was passiert in unserem Herzen UND in unseren neuronalen Netzwerken, wenn wir, uns im Rhythmus der Musik leise wiegend, gregorianische Choräle mit Seele UND Leib hören?

Die drei Autor:innen haben dazu, geforscht, gebetet, gesungen, mit Menschen gearbeitet, Konzepte entwickelt und das so über Jahre bis Jahrzehnte Gefundene zusammen getragen. Herausgekommen ist ein erstaunliches Fachbuch für alle psychotherapeutisch und in der Seelsorge tätige Menschen, deren Interesse an der explizit beschriebenen Verbindung von Körper und Seele bereits geweckt ist.

Theorie und Praxis für Fortgeschrittene

Wenn Eva Maria Jäger über die Körperbewegungen in Verbindung mit ausgewählten Psalmen schreibt, tut sie dies auf Grundlage umfangreichen Wissens in beiden Bereichen. Das Modell der Bedürfnistypen nach Grawe wird ausführlich vorgestellt, weil es als Hilfsmittel dient, die Hauptfragen der Übenden zu finden und damit auch die passenden Psalmen und Bewegungen. Die Überlegungen und Modelle zur individuellen Passgenauigkeit bezogen auf das aktuelle Bedürfnis und die jeweilige spirituelle Fragestellung sind der besondere Gewinn im ersten Teil des Buches.

Gesänge an sich geschehen lassen – die Überschrift des Buchbeitrages von Stefan Klöckner ist vielsagender, als das ein Text wie dieser sein kann. Wer Gregorianische Choräle liebt und die Wirkungen an sich erfahren hat, weiß um die spirituelle, körperlich und seelisch erfahrbare Kraft der Musik auf unsere Seele. Stefan Klöckner ist Musikwissenschaftler und Theologe, seine Zuordnungen der Choräle zu existentiell-spirituellen Fragestellungen sind in dieser Form sicher einzigartig.

Und schließlich der Basisbeitrag von Maja Storch, der sich einerseits mit den wissenschaftlich belegten Wirkungen von Körper und Bewegung auf unser seelisch-geistiges Befinden und andererseits einen großen Bogen zur jungianischen Psychologie. Maja Storch gelingt es, Numinoses und Neurologisches, Spirituelles und Wissenschaftliches, Körper und Seele nachvollziehbar miteinander in Beziehung zu setzen. Ihr Beitrag zu verkörperter Spiritualität bietet den Boden für die beiden anderen, spezielleren Beiträge.

Zahlreiche Fallbeispiele illustrieren die fachlich anspruchsvollen Beiträge auf eindrucksvolle Art und Weise. Ein besonderes Plus sind die achtsamen Übungsanleitungen und die musikalischen Hörbeispiele, die ermöglichen, das theoretisch Gelesene direkt praktisch zu erfahren.

Ein kleines Minus: Das Buch ist deutlich christlich geprägt und nur bedingt auf allgemein spirituelles Embodiment anwendbar – wobei die theoretischen Ausführungen natürlich analog übertragen werden können. Dennoch ist es ein herausragendes auch praktisch nutzbares Fachbuch für die christliche Seelsorge; für nicht-christliche spirituelle Begleiter*innen kann es vor allem über die vorgestellten Theorien und Modelle ausgesprochen nützlich sein.

Maja Storch, Eva Maria Jäger, Stefan Klöckner
Spirituelles Embodiment
Stimme und Körper als Schlüssel zu unserem wahren Selbst
arkana-Verlag
Gebundene Ausgabe: € 24,-
Kindle: 16,99

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