Per Smartphone helfen

ShareTheMeal - Spenden gegen Hunger

Per Smartphone helfen
© ShareTheMeal

von Martina Seifert, Texterin, Lektorin, Yogalehrerin

Was kann ich tun angesichts der krisenhaften Weltlage? Wenn mich das Leiden in der Welt zu erdrücken scheint? Krieg und Gewalt, Hunger und Armut, Naturkatastrophen und Klimawandel.

Nur ein Flügelschlag?

Was kann ich tun, um die Welt ein bisschen heiler werden zu lassen? Kann eine scheinbar unbedeutende Kleinigkeit etwas verändern? Die Chaostheorie gibt eine eindeutige Antwort. Bereits kleinste Veränderungen der Anfangsbedingungen können große Wirkung auf das gesamte System haben: Ein Lächeln, dass ich der einsamen alten Frau auf der Straße schenke, der Müll, den ich bei meinem Waldspaziergang entdecke und in die nächste Tonne werfe, der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad – und ein paar Klicks auf meinem Smartphone.

Spenden per Klick

Nur wenige Berührungen auf dem Smartphone ermöglichen mir, einem hungernden Kind eine Mahlzeit zu spendieren. Die App ShareTheMeal, eine Initiative des UN World Food Programme (WFP), macht's möglich – eine Spende ab 40 Cent per Klick. Denn im globalen Durchschnitt benötigt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen gerade mal 40 Cent, um ein Kind für einen Tag mit Nahrung zu versorgen. Der Spendenbetrag wird per Paypal an die UN weitergeleitet, die diesen an die lokalen Partnerorganisationen vor Ort weiterleitet.

Slacktivism - eine neue Spender*innengeneration?

So einfach?! Kritiker*innen wie die Süddeutsche Zeitung nennen diese Form des Aktivismus per Klick Slacktivism. Den sogenannten Online-Aktivist*innen wird vorgeworfen, mit ihrem Mausklick keinen wirklichen sozialen oder politischen Einfluss auf die reale Welt zu haben. (Übrigens - den Begriff Slacktivism gibt's bereits seit 1995. Er setzt sich zusammen aus slacking, was so viel bedeutet wie faul herumhängen, und activism, für eine Sache einstehen.)

Dem widerspricht, dass die App ShareTheMeal, die sich ganz ohne hohe Werbegelder innerhalb kürzester Zeit über die sozialen Netzwerke verbreitet hat, bereits Millionen Kinder und schwangere Frauen satt gemacht hat. Seit die App 2014 in Deutschland startete und sich wenige Monate später auch international aufstellte, sind die Nutzer*innenzahlen immens in die Höhe geschossen und mehr als 45 Millionen Mahlzeiten geteilt worden.

Der Handlungsbedarf ist offensichtlich: 821,4 Millionen Menschen leiden an Hunger, 2 Milliarden an Mangelernährung. Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen des Hungers. Gleichzeitig landen etwa 1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln pro Jahr im Müll.

(K)ein leichtes Spiel

Mit ShareTheMeal wird die Spende regelrecht zum Kinderspiel. Ob von zu Hause, aus dem Café oder der Bahn – jederzeit kann ich mich spontan für eine Spende entscheiden und nachverfolgen, in welche Region diese geht. Der reale Kontakt zu dem, was vor Ort passiert, bleibt dabei allerdings auf der Strecke. Beruhige ich mit meinem Klick etwa nur mein Gewissen? Klar, wenn ich mich ausschließlich auf eine App wie ShareTheMeal verlasse, muss ich mich nicht näher mit der Gesamtproblematik befassen. Aber wissen wir nicht alle um die Komplexität des Problems, dass wir, der globale Norden, großen Anteil an der sozialen Ungerechtigkeit und dem Hunger im globalen Süden haben - und dass es größerer Lösungen bedarf, die das Problem bei der Wurzel packen?

Fazit

ShareTheMeal ist zwar nicht nachhaltig, kuriert nur oberflächlich Symptome, aber eine Welt ohne ShareTheMeal würde noch etwas mehr hungern.

Die gemeinnützige App ShareTheMeal ist eine Smartphone-App, die Sie im App Store oder bei Google Play herunterladen können.

Ein Artikel von Martina Seifert

Freie Autorin, Text, Lektorat

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