Risiko Östrogenbehandlungen

Meta-Analyse zu Brustkrebs

Risiko Östrogenbehandlungen

von Pressemitteilung

Eine Behandlung mit Östrogenen erhöht, vor allem in der Kombination mit einem Gestagen, das Brustkrebs-Risiko. Diese Erkenntnis aus den randomisierten WHI-Studien (Women's Health Initiative) von 2002 wird jetzt durch eine Meta-Analyse epidemiologischer Studien im Lancet, einem weltweit führenden Journal für Mediziner_innen, untermauert.

Eine Expertengruppe um die Epidemiologin Valerie Beral von der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass Hormone in den Wechseljahren das Risiko für Brustkrebs erhöhen und von den 20 Millionen Brust-Tumoren, die seit 1990 in westlichen Ländern aufgetreten sind, etwa eine Million auf die Hormontherapie zurückzuführen sind.

Je nach Präparat und Einnahmedauer falle das Risiko verschieden aus: Nach einem Jahr sei es gering erhöht, nach fünf Jahren deutlicher. Das Risiko war, anders als in der WHI-Studie, auch für Östrogenpräparate nachweisbar, aber bei den Anwenderinnen von Kombinationen (Östrogen/Gestagen) deutlich höher. Wichtige Einflussfaktoren sind die Behandlungsdauer und der Body-Mass-Index.

Die WHI-Studie hat einerseits zu einer starken Reduktion der Verordnungen der Hormontherapie in Deutschland geführt, andererseits raten viele Gynäkolog_innen Frauen unverdrossen die Hormone, entgegen der wissenschaftlichen Evidenz. Derzeit nehmen nach den Recherchen der „Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer“ in westlichen Ländern immer noch rund 12 Millionen Frauen nach der Menopause regelmäßig Hormonpräparate ein.
Die Hormonpräparate erhöhten in erster Linie die Häufigkeit von Östrogenrezeptor-positiven Brustkrebsen, deren Wachstum durch Östrogene gesteigert wird. Da Östrogene auch im Fettgewebe gebildet werden, steigt das Brustkrebsrisiko mit dem Body-Mass-Index an. Das Zusatzrisiko durch Östrogene fiel bei Frauen mit geringerem Gewicht stärker aus als bei Frauen mit höherem Gewicht. Die Studie zeigt auch eine klare Abhängigkeit des Risikos von der Dauer der Einnahme, je länger, desto riskanter.

Hier einige Zahlen aus der Studie: Das durchschnittliche Brustkrebsrisiko von Frauen mit durchschnittlichem Gewicht in westlichen Ländern, die niemals Hormone einnahmen, liegt in den 20 Jahren zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr bei 6,3 pro 100 Frauen. Es steigt auf 8,3 pro 100 Frauen bei Frauen, die ab dem Alter von 50 Jahren über 5 Jahre kombinierte Hormonpräparate (Östrogen plus täglichem Gestagen) einnahmen. Das ist eine zusätzliche Brustkrebserkrankung auf 50 Anwenderinnen.

Von Frauen, die ab dem Alter von 50 Jahren über 5 Jahre Östrogene kombiniert mit intermittierendem Gestagen einnahmen, erkrankten 7,7 auf 100 Anwenderinnen an Brust­krebs. Das entspricht einer zusätzlichen Krebserkrankung auf 70 Anwenderinnen. Von den Frauen, die ab dem Alter von 50 Jahren über 5 Jahre Östrogen-Präparate einnahmen, erkrankten 6,8 von 100 Frauen. Das bedeutet eine zusätzliche Krebserkrankung auf 200 Anwenderinnen.
Das Risiko ist bei jüngeren Frauen höher als bei älteren, so hatten Frauen im Alter von 45 bis 49 Jahren aufgrund der Hormontherapie ein höheres Brustkrebsrisiko als Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren. Doch in diesem Alter beginnen Frauen in der Regel keine Hormontherapie mehr, da die Wechseljahre beendet sind, und sollten sie längst abgesetzt haben, falls sie diese genommen haben.

Unser Fazit:

Diese Meta-Analyse bestätigt die WHI-Analyse von 2002 und geht noch darüber hinaus: Die Hormontherapie ist für alle Frauen ein potenzielles Gesundheitsrisiko, deren Schaden den Nutzen eindeutig überwiegt. Seit die WHI-Studie im Jahre 2002 ergab, dass durch Hormone in den Wechseljahren das Risiko für Brustkrebs, Herzinfarkt, Thrombosen und Embolien ansteigt, haben zahlreiche hochrangige Analysen die Gefahren bestätigt.
Entgegen der eindeutigen Beweislage verharmlost der Berufsverband der Frauenärzte die Tatsachen immer wieder, auch jetzt behauptet er, dass die gerade erschienene Lancet-Studie "nichts Neues enthält und inhaltlich problematisch ist".
"Es ist eine beliebte Reaktion medizinischer Berufsverbände, unliebsame Studien abzuwerten und die Ergebnisse zu diskreditieren, ohne ihre Gegenposition mit eigenen hochwertigen Untersuchungen zu belegen", so Studienexperte Gerd Antes, langjähriger Leiter des Cochrane-Zentrums in Freiburg, das die Qualität medizinischer Studien bewertet. Weder der Berufsverband noch andere Kritiker der Hormon-Kritik haben bisher eine ernstzunehmende Studie vorgelegt, die ihre Ansichten belegt.

Das FFGZ Berlin arbeitet seit mehr als 30 Jahren zu diesem Thema und kritisiert seitdem die Verharmlosung der Hormontherapie von gynäkologischer Seite, die bis zum heutigen Tag anhält.
Für Frauen in den Wechseljahren ist es enorm wichtig, sich unabhängig zu informieren über die Möglichkeiten ihres Umgangs mit Beschwerden. Sie haben ein Recht auf Zugang zu ganzheitlichen Informationen und darauf, über Nutzen und Schaden von Therapien aufgeklärt zu werden, um eine informierte Entscheidung treffen zu können. Manipulation durch Experten trägt dazu nicht bei.

Cornelia Burgert

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