Manuelle Therapie im Selbstversuch

Eine wunderbar einfache Methode...Bowen-Therapie

von Conny Dollbaum-Paulsen

Gut ausgebildet in diversen Techniken, vor allem auch in der Craniosacralen Therapie nach Upledger hat sie vor einigen Jahren die Bowen-Therapie für sich und vor allem ihre PatientInnen entdeckt.

Die eifrige Redakteurin als begeistertes Versuchskaninschen geht nach der Behandlung tatsächlich auf seltsam unbekannte Weise "erweicht" nach Hause, trinkt wie angeordnet viel viel Wasser und spürt den gesamten Körper, nicht nur den behandelten Rücken, in den Tagen danach anders, vor allem weniger steif und schmerzhaft, als zuvor.
Die Griffe bestehen aus einer Art kleinen Drehbewegung ("moves"), mit welcher die Haut  und die darunter liegenden Strukturen verschoben werden. Dieser Griff ist einzigartig, sehr einfach und...wirkungsvoll bis in die Tiefe des Organismus.

CD: Bitte erklären Sie allen notorischen ZweiflerInnnen und Unwissenden doch, wozu es eine weitere manuelle Therapie geben muss? Gibt es nicht schon genug?
Kirsten Schöller-Saure: Ja, das mag so aussehen, aber die Bowen-Therapie bringt eine sehr eigene Anregung der Selbstheilungskräfte mit sich, die ausschließlich über die Stimulation des Bindegewebes erreicht wirrd. Es handelt sich also nicht um Mainpulationen wie inder Osteopathie, oder um eine Massage, sondern um zielgerichtete Impulse zwischen den Strukturen. Dadurch ist die Wirksamkeit eine ganz andere: Muskeln, Nerven, Organe und das Lymphsystem werden so angeregt, dass sie ihre physiologische Arbeit wieder aufnehmen können...Dieser Griff fordert sehr viel Flüssigkeit an für die bearbeiete Struktur entlang ihrer Faszien (feste bindegewebige Häute, die ein Gesamtsystem bilden, das alle Körperstrukturen miteinander verbindet) - auf diese Weise können neurologische, immunologische, stoffwechselbezogene und hormonelle Informationen transportiert werden.

CD: Wie kam es zu der Entwicklung der Bowentherapie? Wer erfand diese besondere Weise der Behandlung und warum?
Kirsten Schöller-Saure: Tom Bowen erfand diese Methode in den 40iger Jahren in Australien - er war Fabrikarbeiter und arbeitete in seiner Freizeit als Masseur bei Sportveranstaltungen. Er "behandelte" dann zunächst auf einem normalen Bett in einer ihm zur Verfügung gestellten Wohnung, weil es cheinbar nicht um "richtige" Behandlung ging. Allerdings behandelte er wohl im Lauf der Siebziger Jahre nahezu 13.000 Menschen - zum Glück standen immer Menschen an seiner Seite, die quasi "abguckten", was er da tat.
Daraus entstand die Bowen-Therapie als seine Interpretation seiner Erfindung, denn Tom Bowen lehrte nie und entwickelte kein eigenes Theoriesystem. Insbesondere Col Murray und Lisa Black und dem bei Tom Bowen assistierenden Oswald Rentsch ist es zu verdanken, dass diese Technik lehr- und lernbar gemacht wurde.

CD: Nehmen wir an, ich käme mit einer Osteoporose-Symptomatik, also mit chronischen Rückenbeschwerden zu Ihnen - was passiert mit der Bowentherapie anderes als, sagen wir, in der Craniosacralen Therapie?
Kirsten Schöller-Saure: Der Bowen-Griff arbeitet eher muskulär und wirkt über und in die Weichteile des Bindegewebes. Durch die bessere Versorgung und "Durchsaftung" nach der Behandlung läßt der Muskeltonus nach - dadurch gehen die Schmerzen zurück. Bezogen auf die Osteoporose wird indirekt eine bessere Versorgung der Knochen angeregt - dies kann dem weiteren Abbau entgegen wirken. In der Cranio-Therapie wird mit den knöchernen Fehlstellungen beispielsweise der kleinen Wirbelgelenke gearbeitet - diese Fehlstellungen und Blockaden werden sanft manipuliert - auch dadurch entsteht natürlich eine muskuläre Entlastung, aber es wird auch direkt manipulativ gearbeitet. In der Bowen-Therapie wird das Milieu insgesamt verbessert, wodurch sich Strukturen ihren Selbstheilungstendenzen folgend, regenerieren können.
Bowen ist aber eben nicht nur in der Orthopädie hilfreich, sondern hilft auch begleitend bei neurologischen und organischen Erkrankungen.

Kirsten Schöller-Saure wird während des Gespräches immer unruhiger auf ihrem Stuhl und versucht, mir so viele Aspekte wie möglich zu vermitteln, denn sie ist wirklich glühend begeistert von Bowen.

Kirsten Schöller-Saure: Ganz wunderbar ist es natürlich, diese unterschiedlichen Methoden zu einem ganzheitlichen Konzept zusammen zu fassen und je nach Beadrf zu mischen - Bowen und osteopathische Techniken schließen sich an keiner Stelle aus, sie ergänzen einander. Manchmal ist es sinnvoll mit dem einen zu beginnen, ein anderes Mal mit dem anderen - eben ganz so, weil es der Organismus des Patienten erfordert.

Die ebenfalls begeisterte Redakteurin wünscht der Bowen-Therapie jedenfalls viele PatientInnen - besser gesagt: Sie wünscht vielen schmerzgeplagten Menschen diese Methode....

Literatur:

Col Murray, In Search of Tom Bowen

Herzlichen Dank an Kirsten Schöller-Saure für die Behandlung und für das spannende Gespräch.

Ein Artikel von Kirsten Schöller-Saure

Physiotherapeutin/ HP-Physiotherapie

Privatpraxis für ganzheitliche Physiotherapie

Zum Profil von Kirsten Schöller-Saure
 

 

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