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Kategorie: Psychotherapie, Humanistische Psychologie

 

Primärtherapie, Integrative

Ausgehend von der Erfahrung, dass frühe Verletzungen aus der präverbalen Zeit, auch schon vor und während der Geburt, einen großen Einfluss auf die spätere Entwicklung des Menschen haben, erarbeitete er eine Methode, die das Fühlen und Ausdrücken alter Schmerzen förderte und unterstützte.

Er forschte intensiv, auch in Zusammenarbeit mit Neurologen und Ärzten, über die Auswirkungen von Gefühlen auf das neuronale System. Parallel dazu gab es weitere wichtige Therapeuten, die sich mit prä- und perinataler Psychotherapie beschäftigten, u. a. Stan Grof, William Emerson, Ludwig Janus; somit entstand ein neues Bewusstsein über den Umgang mit Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit. Etliche deutsche Psychotherapeuten, darunter Bert  Hellinger und Ingrid Hering, machten eine Primärtherapie bei A. Janov und brachten sie nach Deutschland.

Der erweiterte Begriff Integrative Primärtherapie geht auf Therapeuten in Deutschland zurück, die damit ausdrücken wollten, dass sie sich auch anderen Therapieverfahren  zuwenden und diese in ihre Arbeit integrieren.
A. Janov selbst hat so gut wie keine andere Therapieform akzeptiert und hat sich nach außen abgegrenzt. Trotz allem hat er wichtige Erkenntnisse populär gemacht und damit die Aufmerksamkeit auf die frühkindliche Entwicklung gelenkt. Zudem zeigte er sehr deutlich die Notwendigkeit anderer Therapiemethoden, um frühe Störungen zu behandeln.

Beschreibung
Die Therapie zählt zu den gefühls- und körperbezogenen Psychotherapien, die darauf ausgerichtet sind, im Prozess wichtige Empfindungen und Gefühle zu vertiefen. Aktuelle Themen werden aufgegriffen, möglichst behutsam erschlossen und unter Umständen bis in die frühe Kindheit zurückverfolgt.
Janov unterschied drei Bewusstseinsebenen:

  • die erste Ebene, die präverbale, ist dem Körper
  • die zweite den Emotionen und
  • die dritte Ebene dem Intellekt zugeordnet.

Verletzungen können sich auf allen drei Ebenen zeigen, zum Beispiel kann das Gefühl von Leere oder Einsamkeit auf ein frühes Verlassenworden Sein zurückgehen, reale Trennungen, wenig Kontakte, Mangel an Zuwendung oder Stress in der Familie.
Dies könnte sich dann in Form von negativen Gedanken sich oder anderen gegenüber zeigen oder als Gefühl der Trauer und Einsamkeit. Auf der Körperebene wäre eine Ausdrucksmöglichkeit, den Körper kaum zu fühlen oder eine Leere wahrzunehmen. 
Frühe schmerzliche Erfahrungen haben immer eine Entsprechung in der Gegenwart und zeigen sich individuell.

Da viele Menschen im Laufe des Lebens den natürlichen Umgang mit den Gefühlen verloren haben - sie durften nicht sein oder wurden infrage gestellt- wird der Zugang zu authentischen Gefühlen unterstützt. Hier setzt die Therapie ein: Sie sie ist offen für jeden Ausdruck im Gefühls- und Körperbereich, für alle Empfindungen und auch für Gespräche.

Durch das Erleben und Annehmen aller Gefühle, guter wie schlechter, fühlen sich Menschen wieder oder erstmalig richtig und sind in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Neue Erkenntnisse der prä- und perinatalen Psychotherapie und der Traumatherapie, fließen heute in die Arbeit ein.

Für wen geeignet

Grundsätzlich für Menschen, die den Wunsch haben sich auf die Gefühlswelt einzulassen,  oder das Gefühl haben, alles zu wissen aber nichts ändern können, Gefühle von Isolation erfahren, keinen guten Umgang mit Aggressionen finden, Depressionen,  Körperspannungen, psychosomatischen Beschwerden … .

Gegenanzeigen

Bipolare Störungen, Wahnerkrankungen,  akute Psychosen

Autorin: Maria Kremper, Heilpraktikerin, Primärtherapeutin Bielefeld

Quelle: Eigene Zusammenstellung

Datum: 07.12.2016

Hintergrund/Kontext
Die Integrative Primärtherapie geht auf die Primärtherapie von Arthur Janov zurück. Sie wurde Ende der 60ger Jahre entwickelt. Janov war Psychoanalytiker und erkannte im Laufe seiner Arbeit, dass Reden allein nicht die tiefen Schichten früher Traumatisierungen erreichen oder gar heilen kann.