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Kategorie: Naturheilkunde

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Mykotherapie

Hintergrund/Kontext

Die Lehre der Pilze nennt sich Mykologie. Pilze sind weder Tier noch Pflanze. Sie sind eine eigene Art, sogenannte eukaryote Lebewesen. Sie besitzen eine Zellwand aus Chitin und wachsen unter teils widrigsten Bedingungen mit besonderen Strategien und Überlebensmechanismen. Sie machen ca. 25% der Biomasse auf der Erde aus und es gibt ca. 1.500.000 Spezies. Wir wissen von 700 essbaren und von 50 giftigen Arten, allerdings gibt es vermutlich noch tausende unentdeckte Spezies. Ca. 180 bekannte Pilze können beim Menschen Pilzkrankheiten hervorrufen, einzellige Pilze sind uns bekannt als Wein-, Bier- und Backhefen. Rauschpilze (Magic Mushrooms) enthalten psychotrope Stoffe ähnlich der Droge LSD.

Das Wissen über die Heilkraft der Pilze und ihre stärkende Wirkung auf Körper und Geist besteht schon seit Jahrtausenden: Schon die Pharaonen kannten den „Pilz der Unsterblichkeit“, die über 5.000 Jahre alte Mumie „Ötzi“ hatte einen Birkenporling bei sich (kann angewandt werden zur Blutstillung, bei Verdauungsproblemen, antibiotische Wirkung) und auch in China, in der Traditionellen Chinesischen Medizin, kannte man bereits vor 4.000 Jahren die heilenden und stärkenden Eigenschaften der „Kräuter Gottes“. Ling Zhi wurde zum Beispiel als Pflanze der Unsterblichkeit „Pilz des langen Lebens“ mit Gold aufgewogen und war wertvoller als Ginseng. 23 n.Chr. galt der Lärchenporling als Mittel gegen Parasiten, Schlangen- und Skorpionbisse und auch die Äbtissin Hildegard von Bingen berichtete im 12. Jahrhundert in der Klostermedizin über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Pilze.

Beschreibung und Inhalte

Die Mykotherapie setzt Vitalpilze als Pulver, als Extrakt oder als Kombi aus beiden Aufbereitungsarten ein. Dadurch erhöht sich die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe und ermöglicht so eine ausreichende und gleichmäßige Dosierung. Pilze sind als reines Naturprodukt nicht patentierbar und somit nicht interessant für die Pharmaindustrie. Da Pilze Schwermetalle und Radionukleide aufnehmen und speichern, muss bei der Auswahl und Verwendung unbedingt auf Biosiegel und laborgeprüfte Ware (z.B. von Agrolab) geachtet werden, um eine eventuelle Schadstoffbelastung zu vermeiden.

Durch die hohe Bioverfügbarkeit können die, in den Pilzen enthaltenen Polysaccharide(sog. Vielfachzucker, auch Glucane genannt), Polyphenole (Radikalfänger), Triterpene (z.B. im Reishi reichlich vorhanden, wirken antibakteriell, antiviral und wundheilungsfördernd) und Eritadenine (regulierende Wirkung auf Cholesterin) leicht vom Körper resorbiert werden. Bei den Polysacchariden gibt es noch die Besonderheit der 1,3 & 1,6-ß-D-Glucane. Diese zwei Gruppen kommen ausschließlich in Pilzen (sowohl im Myzel als auch im Fruchtkörper) vor und haben die größte immunmodulierende Wirkung unter den Polysacchariden.

Die 14, in ihrer Anwendung und Wirkweise bekannten, Vitalpilze der heutigen Mykotherapie sind

  • Agaricus blazei Murrill (ABM)
  • Auricularia polytricha (Judasohr)
  • Chaga (Schiefer Schillerporling)
  • Champignon (Agaricus Bisporus)
  • Coprinus comatus (Schopftintling)
  • Cordyceps sinensis (Raupenpilz)
  • Coriolus versicolor (Schmetterlingstramete)
  • Enokitake (Samtfußrübling)
  • Hericium erinaceus (Affenkopfpilz)
  • Maitake (Grifola frondosa)
  • Pleurotus ostreatus (Austernpilz)
  • Polyporus umbellatus (Eichhase)
  • Reishi (Ganoderma lucidum)
  • Shiitake (Lentinula edodes)

Vitalpilze regulieren Ungleichgewichte im Organismus und werden im Rahmen von Prävention und unterstützender oder begleitender Therapie eingesetzt bei z.B. der Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte oder der Regulation der Magen-Darm-Funktion. Sie haben eine positive Auswirkung auf Blutzucker- und Blutfettwerte, kräftigen den Herzkreislauf und schaffen einen sanften Ausgleich bei Nervosität.

Da Pilze sehr vielfältig eingesetzt werden können, lässt sich eine generelle Therapiedauer nicht ansetzen, sondern richtet sich immer nach der Art der Beschwerden.

Mögliche Gegenanzeigen:

Zu Beginn der Therapie kann es in einzelnen Fällen zu Blähungen und leichten Durchfällen kommen, die sich in der Regel innerhalb der ersten drei Behandlungstage regulieren. Sollte dies der Fall sein, kann die Dosis für ein paar Tage reduziert werden. Der Shiitake sollte bei bestehender Herz- und/oder Niereninsuffizienz aufgrund seines hohen Kaliumgehaltes nicht eingesetzt werden.

Bei der Behandlung von Tieren ist zu beachten, dass die Anwendung des Cordyceps bei Turnierpferden unter das Dopinggesetz fällt.

Hinweis:

Die Anwendung der Mykotherapie zu therapeutischen Zwecken ist Ärzt*innen, Heilpraktiker*innen und Tierheilpraktiker*innen vorbehalten, die Wirkung ist im Rahmen der schulmedizinischen Forshcung wissenschaftlich nicht nachgewissen.

Autorin:
Claudia Barkow, Tierheilpraktikerin
www.tierheilpraxis-barkow.de

Datum:
29.10.2018

Quellen:
Informationsmaterial der Gesellschaft für Vitalpilzkunde e.V.,
sowie eigene Zusammenstellung

Links:

www.vitalpilze.de

www.vitalpilze-tiere.de