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Yoga-Stile

© Pixabay

Hormon-Yoga

Hintergrund und Kontext

Die hormonelle Yoga-Therapie, kurz Hormon-Yoga, wurde von der Brasilianerin Dinah Rodrigues (geb. 1927) entwickelt. Die studierte Philosophin und Psychologin praktiziert und unterrichtet seit über 40 Jahren Hatha-Yoga. 1992 entwickelte sie die hormonelle Yoga Therapie, nachdem sie selbst beschwerdefrei ihre Wechseljahre hinter sich gelassen hatte.

1993 entschloss sich die Yoga-Therapeutin Dinah Rodrigues, eine wissenschaftliche Studie zu der Wirkung des Hormon-Yoga auf den Hormonspiegel und den Symptomen eines hormonellen Ungleichgewichts durchzuführen, die in ihrem Buch "Hormon Yoga – Das Standardwerk zur hormonellen Balance in den Wechseljahren" (erste Auflage 2005) teilweise Erwähnung findet. Laut Studie waren bei allen Teilnehmerinnen die Beschwerden nach drei bis vier Monaten Praxis beseitigt oder die Intensität noch vorhandener Symptome nahe Null. Weitere randomisierte klinische Studien, welche die erfolgreiche Wirkung von Hormon-Yoga bei Wechseljahresbeschwerden wie Schlaflosigkeit belegen, folgten, darunter die Forschungsarbeiten: "Yoga decreases insomnia in postmenopausal women: a randomized clinical trial" und "Yoga increased serum estrogen levels in postmenopausal women-a case report", nachzulesen auf der Webseite der United States National Library of Medicine (NLM).

Beschreibung und Wirkung

Mit der hormonellen Yoga-Therapie schuf Dinah Rodrigues eine effektive, ganzheitlich ausgerichtete Alternative zur klassischen und schulmedizinischen Hormontherapie. Ursprünglich entwickelt, um den Wechseljahresbeschwerden bei Frauen (z. B.: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Trockenheit der Schleimhäute, Migräne, depressive Verstimmungen, Gelenkbeschwerden, brüchige Nägel) vorzubeugen beziehungsweise entgegenzuwirken, kann die hormonelle Yoga-Therapie auch bei anderen Formen hormoneller Dysbalance durchgeführt werden. So können nicht nur starke Menstruationsbeschwerden, PMS und Zyklus-Störungen gelindert werden oder die mit dem Klimakterium der Frau verbundenen Symptome, sondern auch hormonell bedingte Beschwerden des Mannes während der Andropause.

Beim Hormon-Yoga werden die teilweise von Dinah Rodrigues modifizierten Asanas (zu deutsch: Körperhaltungen) des Hatha-Yoga in einer bestimmten Abfolge dynamisch praktiziert, um die Hormonproduktion gezielt anzuregen. Diese Yoga-Übungsreihe wird in jeder Unterrichtseinheit wiederholt.

Die Wirkung der Asanas auf die Hormon-produzierenden Drüsen und Organe wird durch die Kombination mit speziellen Atemübungen (Sankrit: Pranayama), wie beispielsweise die Blasebalg-Atmung (Bhastrika) aus dem Kundalini Yoga, mit anschließender tibetischer Energielenkung zu den Hormondrüsen intensiviert.

Um die durch das Zusammenwirken der Asanas und Pranayma aktivierte Energie (Sanskrit: Prana) im Körper zu halten, werden zusätzlich über bewusste Muskelkontraktion sogenannte Bandhas (zu deutsch: Körperverschlüsse) gesetzt.
Da sich Stress ebenfalls ungünstig auf die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron sowie Testosteron auswirkt, zählen auch Entspannungsübungen mit psychosomatisch wirksamen Visualisierungen wie Yoga Nidra zu den wichtigen Bestandteilen der Hormon-Yoga-Praxis.

 Die Hormonyoga Übungsreihe bleibt sich immer gleich und kann nach dem Erlernen selbstständig zu Hause praktiziert werden. Für einen optimalen Effekt sollten die Übungen täglich über einen längeren Zeitraum praktiziert werden. Die Dauer der eigentlichen Übungsreihe ohne Aufwärmübungen und Entspannung beläuft sich auf etwa 30 Minuten. Alle Übungen lassen sich problemlos an das jeweilige Level der Übenden anpassen.

Da Hormon-Yoga eine ganzheitliche Methode ist, wirkt es nicht nur positiv auf die Hormonproduktion, sondern auch auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und den Kreislauf aus.

Hormon-Yoga eignet sich generell sowohl für Frauen ab 35 als auch Männer ab 40, wenn die natürliche Hormonproduktion allmählich nachlässt und Symptome wie Schlafstörungen, Hitzewallungen, schlechtes Gedächtnis, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Abnahme der Libido etc. bemerkbar werden.

Kontraindikationen

Bevor Hormon-Yoga praktiziert wird, sollte Rücksprache mit dem Arzt/der Ärztin gehalten werden. Generell gilt, dass die hormonelle Yoga-Therapie nicht bei hormonell bedingten Krankheiten wie zum Beispiel Brustkrebs oder akuter Endometriose und großen Myomen in der Gebärmutter geübt werden sollte. In der Schwangerschaft sowie bei ernstlichen Herz-Kreislauferkrankungen und nach Herzoperationen, bei starker Osteoporose oder akuten Entzündungen im Bauchraum und in den ersten drei Monaten nach Operationen im Bauchraum sollte ebenfalls auf die hormonelle Yoga-Therapie verzichtet.

Autorin:
Martina Seifert, Yogalehrerin, Texterin, Lektorin
beherzt-yoga-bielefeld.de
martinaseifert.de

Datum:
26.06.2019

Quellen:
eigene Zusammenstellung

siehe auch:
Lexikonartikel:
Yoga
Yin Yoga
Holotropes Atmen